Stand: 17.04.2013 von © Gold.de Redaktion SW/SH 1 Kommentare

Goldbesitzer in aller Welt rieben sich am Freitag verwundert die Augen, als die Kursgrafik plötzlich nach unten zeigte und praktisch senkrecht abstürzte. Nach dem Wochenende stand fest: Gold hat seinen heftigsten Wertverlust innerhalb eines Tages hinnehmen müssen und ist offiziell in einen Bärenmarkt eingetreten. Seitdem rätseln Marktbeobachter Händler und Journalisten über die tatsächlichen Gründe für den Absturz - mögliche Goldverkäufe in Zypern oder ein bevorstehendes Ende der geldpolitischen Lockerungen erscheinen beim näheren Hinsehen als wenig glaubwürdige Erklärungsversuche.

Die deutsche Finanzzeitschrift "Wirtschaftswoche" geht nicht davon aus, dass das Goldzeitalter vorbei ist. Redakteur Frank Doll betont allerdings die psychologische Komponente der jüngsten Preisschwäche - sie hat für Verunsicherung gesorgt und die Frage aufgeworfen, ob Gold tatsächlich noch als sicherer Hafen außerhalb des fragilen Finanzsystems taugt. Der Absturz kommt für Frank Doll allerdings umso überraschender, nachdem die EU-Finanzminister ausgerechnet am Wochenende vereinbart haben, Spareinlagen von über 100.000 Euro im Falle einer Bankpleite mit in die Haftung zu nehmen. Ein "sicherer Hafen" wie Gold wäre künftig also noch wichtiger als bisher. Doll beschreibt die verschiedenen Stufen der Goldpreisentwertung am Wochenende und diskutiert die Möglichkeit einer gezielten Manipulation. Er glaubt allerdings, dass sich der Goldpreis in den nächsten Wochen besser als die Aktienindizes entwickeln wird.

Nach durchweg negativen Berichten zu den Zukunftsaussichten beim Gold am Montag sehen die Einschätzungen der Tagespresse einen Tag später bereits deutlich optimistischer aus - das Schweizer Finanzportal "finews.ch" hat den USB-Analysten Dominic Schnider befragt der von "Panikverkäufen" spricht. Sein Kollege Carsten Fritsch Analyst der Commerzbank wird noch deutlicher - er hat die Marktbewegungen als "Abschlachten" des Goldpreises bezeichnet und verweist darauf, dass sich die fundamentalen Rahmendaten für Gold nicht verändert haben. Im Gegenteil, durch die düsteren Konjunkturaussichten des IWF für den europäischen Kontinent müsste Gold noch stärker gefragt sein. Auch der Chefökonom des Finanzdienstleisters "The White Crane Group Clifford Bennett" hält eine schnelle Rückkehr des Goldes zu neuen Höchstwerten für wahrscheinlich: "Ich glaube ehrlich, dass im Moment in dem die Besitzer der signifikanten Short-Positionen beginnen ihren Profit zu realisieren, sich dieser Markt genauso schnell um mindestens 50 Prozent des Preiszerfalls, den wir gerade gesehen haben erholt."

Der Einbruch des Goldpreises wird in vielen Interviews nicht als Zeichen für ein Ende des Edelmetallbooms verstanden, sondern als einmalige Nachkauf-Gelegenheit. So erklärt beispielsweise der Analyst Marc Faber gegenüber dem Finanzsender Bloomberg TV, dass er fasziniert sei vom aktuellen Kurssturz. Er spricht von einer exzellenten Kaufgelegenheit und relativiert die Wertverluste beim Gold in dem er beispielsweise auf den Kursrutsch bei Aktien wie Apple verweist. Faber vermutet, dass der Goldpreis noch bis 1300 Dollar pro Unze abrutschen kann, dann sei allerdings ein Boden gefunden. Für Marc Faber ist das fundamentale Umfeld für eine Goldhausse weiterhin intakt, er rät Anlegern aber zu besonderer Geduld und einem langem Atem - jetzt seien langfristige Anlagestrategien gefragt und keine Kurzschlussreaktionen.

Nicht nur Privatanleger sind von dem Preisrutsch beim Gold betroffen, auch bei den Banken in aller Welt sind Analysten in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Ökonom Jörn Spillmann von der Zürcher Kantonalbank spricht mit dem Schweizer Tagesanzeiger über die Gründe für den Gold-Crash - er macht deutlich, dass die Spekulationen um die zypriotischen Goldverkäufe den Preis nicht in den Keller schicken konnten, sondern vielmehr eine Signalwirkung im Mittelpunkt steht: "Wenn die Zyprioten das machen, käme es auch für Spanien und Italien infrage." Spillmann glaubt, dass auch die Anlagekultur auf dem Goldmarkt einen schnellen Sturz möglich gemacht hat - während Gold früher ein klassisches Anlagevehikel für langfristige Perspektiven war, sind inzwischen viele Spekulanten aktiv. Jörg Spillmann nennt im Interview eine ganze Reihe von Gründen die steigende Goldpreise in Zukunft begünstigen - beispielsweise die Inflation, die anhaltende Nachfrage der Schwellenländer, sowohl von den Zentralbanken als auch von privaten Schmuckkäufern.

Die wohl wichtigste Nachricht kommt in diesen Tagen von vielen Edelmetallhändlern aus ganz Deutschland - Privatanleger lassen ihr Vertrauen in Gold nicht erschüttern. Egal, ob man beim Großhändler "pro aurum" fragt, bei Heraeus MP Edelmetalle oder Ophirum, alle Händler berichten ausnahmslos von einem Run auf Gold und Rekordumsätzen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat sich umgehört und einen regelrechten Goldrausch beobachtet - beispielsweise erlebt "pro aurum" derzeit einen Kundenansturm wie zuletzt während der Finanzkrise 2008 oder der Griechenland-Krise 2010. "Der Großteil der Anleger nutzt die fallenden Notierungen, um sich einzudecken", sagt Cornelia Frey, Marktbeobachterin bei der Stuttgarter Börse. Im MP Edelmetalle Blog ist zu lesen, dass sich das Kundenaufkommen im Vergleich zu Donnerstag, also vor dem Einbruch des Goldpreises, mehr als verdreifacht hat. "Fallende Preise bedeuten also keinesfalls eine Flucht aus Edelmetallen - Kunden die ihr Gold loswerden wollen, sind in diesen Tagen die absolute Ausnahme" heißt es dort. Es klingt widersprüchlich, doch für viele Marktteilnehmer ist der Goldpreis-Absturz ein Glücksmoment, der ihnen die Möglichkeit bietet, noch größer in den Markt einzusteigen.

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Kommentare [1]
  • von Christian Schmidt | 20.04.2013, 22:59 Antworten

    ich stimme diesen artikel voll und ganz zu. ich habe auch für 3.000 EUR Edelmetalle gekauft. Diese Manipulation war ein Glücksfall für den normalen Anleger wie mich.

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