Stand: 05.11.2013  0 Kommentare

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und Gold steuert auf den ersten Jahresverlust seit dem Beginn der Goldhausse zu. Die Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik lässt das Edelmetall bislang kalt - und die Marktbeobachter warten sehnsüchtig auf einen Befreiungsschlag. Dieser lässt noch auf sich warten. Doch die Zeichen für eine Erholung stehen gut.

Das "Handelsblatt " wirft einen Blick auf die Charttechnik - und erkennt ermutigende Signale: "Gold hat gute Chancen, die scharfe Abwärtsbewegung der ersten Jahreshälfte zu korrigieren, hängt bisher aber technisch noch etwas in der Luft", meint der Analyst Frederik Altmann. Sobald der Goldpreis über die Marke von 1380 US-Dollar pro Feinunze gestiegen ist, sollte das vorläufige Ziel bei 1650 US-Dollar liegen. Altmann weist daraufhin, dass Gold in der jüngsten Korrektur das vorhergehende Tief bei 1180 Dollar nicht mehr unterboten hat. Hier ist also eine Bodenbildung zu vermuten - mit einer eingebauten Reaktion nach oben. Allerdings müsste dafür der Widerstand bei 1380 US-Dollar gebrochen werden, den Gold bislang mehrfach nicht überwinden konnte. Altmann warnt allerdings vor einem weiteren Abrutschen unter 1320 US-Dollar oder sogar 1270 US-Dollar - hier wäre dann der Weg in den Preiskeller wieder frei.

Einen wichtigen Einfluss auf die Richtung des Goldpreises wird zweifelsohne der Goldhunger Chinas haben - die Chinesen haben im aktuellen Jahr soviel Gold wie noch nie nachgefragt, 2013 wird ein Rekordjahr für die Goldförderung. Allerdings mischen sich unter die euphorischen Stimmen auch kritische Töne: Die China Gold Group rechnet einem Bericht des Schweizer Finanzportals "finews.ch " für 2014 mit einem rückläufigen Nachfragetrend. Im aktuellen Jahr soll der Verbrauch auf über 1000 Tonnen klettern, die eigene Goldförderung um sieben Prozent auf 430 Tonnen steigen. Die Nachfrage nach Gold war durch den Goldpreisrutsch im ersten Halbjahr um mehr als die Hälfte nach oben gegangen. Damit dürfte China in diesem Jahr erstmals Indien als größten Goldkäufer der Welt ablösen. Allein die Privatanleger kauften im vergangenen Jahr dem Bericht zufolge etwa 832 Tonnen Gold. Gegenwind kommt allerdings aus Indien: Die dortige Niederlassung des World Gold Council glaubt, dass Indien auch 2013 der Nachfrage-Weltmeister auf dem Goldmarkt bleiben wird. Hier wird mit einem Run auf Gold zum Jahresende gerechnet.

Vorerst dürfte der Goldpreis allerdings unter Druck bleiben - Zahlen des Internationalen Währungsfonds machen deutlich, dass die Zentralbanken weniger Gold nachfragen. Bislang waren die Notenbanken in aller Welt treue und energische Abnehmer von Gold, insbesondere nach dem Goldpreisrutsch. Die "Wirtschaftswoche " hat die wichtigsten Fakten in einer Bildergalerie zusammengestellt: Demnach sind die Goldreserven erstmals seit 2009 im Juni 2013 zurückgegangen. Um 310.000 Feinunzen gingen damals die Bestände in den Büchern der Zentralbanken zurück. Bis August waren es im Vergleich zum Mai insgesamt 1,42 Millionen Feinunzen. Auch die Schweizer UBS-Bank beobachtet diesen Trend: "Obwohl der Kauf-Appetit weiter intakt bleibt, hat sich das Tempo in diesem Jahr gewiss verlangsamt", schreibt UBS-Analystin Joni Teves. Ein wichtiger letzter Schutzwall für den Goldpreis wird also schwächer. In diesem Jahr ist Russland der zuverlässigste Goldkäufer: Das Land hat seine Reserven um 57,4 Tonnen aufgestockt. Auf Platz Zwei liegt ein Überraschungskandidat: Kasachstan ist mit einem Nettozuwachs bei den Goldreserven um 21,8 Tonnen im laufenden Jahr der zweitgrößte Goldkäufer unter den Staaten.

Das Gold als sicherer Hafen noch lange nicht ausgedient hat, machte allerdings gerade erst ein Akteur deutlich, von dem entsprechende Töne wohl eher nicht zu erwarten waren: Richard Fisher, Chef der Federal Reserve Bank der texanischen Metropole Dallas, macht laut einem Artikel der österreichischen Zeitung "Die Presse " deutlich, dass sich der Politikapparat in den USA langsam "wie ein Koala" bewege und dass die konjunkturstützende Strategie untergraben werde. Er wirft der US-Regierung vor, die Krise nicht in den Griff zu bekommen und damit das Wachstum der US-Wirtschaft zu gefährden. Die Konjunkturspritzen, mit denen die Notenbank für den Arbeitsmarkt neue Impulse setzen möchte, haben bislang ihr Ziel verfehlt und die Lage weiter verschärft. Fisher weist auf Inflationsgefahren hin, die bei einer zu langen Geldflut bevor stünden. Zudem seien die wahren Folgen des US-Haushaltsstreits noch nicht absehbar - und im nächsten Jahr könnte ein neuer Eklat bevorstehen, weil die US-Regierung nur bis Anfang 2014 finanziert ist.

Neben Gold rückt derzeit auch ein weiteres Edelmetall wieder stärker in den Fokus - Silber gewinnt knapp zwei Monate vor dem Jahresende an Beliebtheit. Der Grund: Ab 2014 wird anstelle von 7 Prozent der normale Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent für Silbermünzen fällig. Das "Manager Magazin " hat sich dazu bei Edelmetallhändlern umgehört - und tatsächlich: Die niedrige Mehrwertsteuer lädt viele Anleger zum Nachkauf ein. "Wir merken ein Anziehen der Nachfrage zum Jahresende", sagt beispielsweise Axel Potthast, Geschäftsführer beim Goldkontor Hamburg, gegenüber dem Wirtschaftsmagazin. Ein anderer Händler erwartet sogar "einen extremen Anstieg der Silbernachfrage " bis zum Jahresende. Bei pro aurum ist dem Bericht zufolge der Silberanteil am gesamten Handelsvolumen von 20 auf 30 Prozent gestiegen. Einzelne Silbermünzen aus Australien und Nordamerika sind nur noch schwer zu bekommen. Zusätzliche Nachfrage wird durch den niedrigen Silberpreis generiert, der seit dem Hoch bei 50 US-Dollar im Sommer 2011 auf mehr als die Hälfte geschrumpft ist.

Wer sich für einen alternativen Blick auf Gold interessiert, sollte einen Beitrag im "Wall Street Journal " mit einem leichten Augenzwinkern lesen: "Gold hat eine gestörte Persönlichkeit" sagt Autor Joe Light und bezeichnet Gold - zumindest in diesem Jahr - als "Blindgänger" mit einem Verlust von 22 Prozent seit Jahresbeginn. Allerdings rät er nicht dazu, Gold auf den Müll zu werfen - eine leichte Beimischung sei weiterhin sinnvoll. Die "gestörte Persönlichkeit" macht Light dort aus, wo die Goldanleger zwar den Verlauf des US-Haushaltsstreits korrekt vorhergesagt haben, das Gold sich aber anders als erwartet verhielt. So habe sich Gold jahrzehntelang sämtlichen Definitionsversuchen entzogen und war lange Zeit ein Schutz gegen Inflation, eine schwache Wirtschaft und einen Absturz des US-Dollar - jetzt, wo diese Fakten zutreffen, schwächelt der Goldpreis weiterhin. Das Fazit: Gold spielt zu verschiedenen Zeiten verschieden Rollen. Aktuell sei Gold kein Renditebringer mehr, sondern eine Absicherung gegen mögliche Zinsanstiege, ein schwächeres Wirtschaftswachstum und andere Unsicherheiten.

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