Stand: 22.10.2013  0 Kommentare

Es kam, wie es schon unzählige Male zuvor gekommen war: Demokraten und Republikaner kämpften bis zur letzten Minute um eine Lösung des US-Haushaltsstreits, am Ende kam jedoch nur ein fauler Kompromiss heraus. Die Schuldenobergrenze wurde nur minimal angehoben, das eigentliche Problem vertagt - dies wurde nur einen Tag später deutlich, als die US-Schulden augenblicklich sprunghaft anstiegen. Der US-Dollar ist geschwächt - und auch aus Brüssel kommen gleich mehrere Nachrichten, die das Vertrauen in die europäische Gemeinschaftswährung erschüttern.

Anstelle des Wertes von 16,7 Billionen US-Dollar, der wochenlang als offizielle Zahl genannt wurde, waren die Staatsschulden der USA einem Bericht des "Handelsblattes ? zufolge innerhalb von nur einem Tag auf 17,03 Billionen US-Dollar gestiegen, also um fast zwei Prozent. Dieser wundersame Sprung macht deutlich, dass die vorher genannte Zahl von 16,7 Billionen US-Dollar offenbar politisch motiviert war und dass die Bilanztrickser der US-Regierung ganze Arbeit geleistet haben. Unterdessen verstehen immer mehr Marktbeobachter, dass in wenigen Monaten der gleiche Streit zwischen Demokraten und Republikanern aufs Neue losbrechen wird, steigt die Nachfrage nach dem "sicheren Hafen" Gold. Denn nur noch bis zum 7. Februar kommenden Jahres dürfen sich die USA zunächst wieder Geld borgen. Bis dahin sollen die Steuereinnahmen pro Tag durchschnittlich fast zwei Milliarden Dollar geringer sein als die Ausgaben. Und der Erfolg einer parteiübergreifenden Kommission, die als Lösung der Krise gefeiert wird, darf bezweifelt werden: Ein ähnliches Gremium gab es bereits vor zwei Jahren - und es scheiterte im Herbst 2011 an der Aufgabe, einen parteiübergreifenden Plan zur Haushaltssanierung zu entwickeln.

Während das Vertrauen in den Dollar durch den Zickzack-Kurs der US-Regierung von Tag zu Tag weiter sinkt, tut sich in einer anderen Schaltzentrale der Macht ein Haushaltsloch auf - die Brüsseler Kommission warnt laut "Spiegel Online " vor einer möglichen Zahlungsunfähigkeit der EU. Bereits ab Mitte November könnte die EU-Kommission ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, befürchtet Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Offenbar wurde ein dringend benötigter Nachtragshaushalt im Umfang von 3,9 Milliarden Euro noch nicht bewilligt. Insgesamt benötigt die EU satte 14 Milliarden Euro mehr als geplant für das Jahr 2013, doch ein Teil der Gelder wurde von den Mitgliedsstaaten noch nicht abgesegnet - sie wollen die Zahlungen an die EU eigentlich minimieren und keine zusätzlichen Milliarden an Brüssel überweisen.

Die Europäische Union ist in dieser Woche also wieder zuverlässiger Lieferant einiger zweifelhafter Schlagzeilen - nicht nur wegen ihrer eigenen Finanzprobleme, auch wegen der Defizite ihrer Mitgliedsstaaten. Die sollen nun künstlich kleingerechnet werden - eine neue Formel soll es der "Wirtschaftswoche " zufolge den EU-Finanzexperten ermöglichen, die Haushaltsdefizite der Staaten kleinzurechnen. Ein entsprechender Vorschlag der EU-Kommission in Brüssel wurde zumindest in Fachkreises diskutiert. Dabei geht es um die Berechnung des so genannten "strukturellen Defizits" der Mitgliedsländer. Die neue Formel soll insbesondere Spanien und die übrigen südeuropäischen Länder in ein besseres Licht rücken. Die Auswirkungen sind skuril: Krisenstaaten mit hoher Arbeitslosigkeit stehen dann besser da als bisher, was dem Bericht zufolge auch zu milderen Sparauflagen führen könnte. Offenbar sind solche Rechentricks immer dringender nötig, schließlich ist der Brutto-Gesamtschuldenstand im Euroraum letztes Jahr von 87,3 Prozent auf 90,6 Prozent gestiegen.

Die Macht der Zahlen wird an einem aktuellen Beispiel aus einem EU-Land deutlich, welches bisher weniger als Schuldensünder aufgefallen ist - die EU-Statistikbehörde "Eurostat" meldet laut der Zeitung "Die Presse " massive Zweifel an den offiziellen Defizitzahlen von Österreich. Schuldenstand und Defizit des Jahres 2012 sollen zu niedrig angesetzt worden sein, vermutet die Behörde. Im offiziellen Jargon ist von einem "Qualitätsvorbehalt " die Rede - für Österreich ist diese Einschätzung ein Desaster. Nicht gemeldete Finanzschulden des Bundeslandes Salzburg sollen die Zahlen um bis zu 0,5 Prozentpunkte höher ausfallen lassen als bisher angenommen. Das Defizit der Alpenrepublik könnte demnach bei 74,5 Prozent anstelle von 74 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen. "Bei den 3,5 Milliarden Euro handelt es sich zum Teil auch um,alte? Schulden, die in der Vergangenheit angehäuft und Jahr für Jahr,versteckt? worden waren", sagt der zuständige Finanzlandesrat des Bundeslandes gegenüber der Zeitung.

Der Goldpreis kann von den Finanztricksereien rund um den Globus, die Unsicherheiten um den US-Haushalt sowie die niedrigen Leitzinsen profitieren und stabilisiert sich nach einer Rallye in der vergangenen Woche. Insbesondere Privatanleger halten dem "sicheren Hafen" die Treue, wie die "Wirtschaftswoche " beobachtet hat. Von dem mehr als 50 Millionen Mal geprägten Ein-Unzen-Stück des südafrikanischen Krügerrand sind verschiedene Jahrgängen nahezu komplett ausverkauft. Kleinere Stückelungen werden gerade teils überhaupt nicht geprägt, um der Nachfrage nach der Unzen-Münze gerecht werden zu können. Auch die Perth Mint in Australien fährt derzeit Doppelschichten, weil sie von Aufträgen überrannt wird. Ein Händler in London berichtet, dass auf 100 Käufer nur ein Verkäufer von Gold kommt.

Auch in Indien verschärft sich die Angebotssituation auf dem Goldmarkt weiter, wie ein Korrespondentenbericht der Agentur "Reuters " deutlich macht. Das Aufgeld für Großhändler und Schmuckproduzenten wurde gegenüber der Vorwoche erneut angehoben und nun sogar verdoppelt - satte 100 US-Dollar Aufpreis werden inzwischen auf den Fixing-Kurs pro Feinunze gezahlt, zuvor waren es noch rund 40 US-Dollar. Der heimische Markt ist offenbar leergefegt, Importe aus dem Ausland werden zur Senkung des Handelsbilanzdefizits des Landes von der Regierung massiv bekämpft. Die indische Regierung hat in den vergangenen Monaten diverse Hürden eingeführt, beispielsweise müssen Goldimporteure seit einigen Wochen 20 Prozent des eingeführten Goldes für den erneuten Export reservieren. Viele Händler und Schmuckproduzenten haben nun ihre Arbeit eingestellt.

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