Stand: 16.10.2015 von Mr. Gini 1 Kommentare

Das Thema Niedrigzins spielt derzeit massenmedial kaum mehr eine Rolle. Anscheinend hat man sich damit abgefunden. Seit mehr als einem Jahr ist der Leitzins der Euro-Notenbank EZB bei 0,05 Prozent. Und es deutet wenig darauf hin, dass sich insofern rasch etwas ändern könnte. Im Gegenteil.

Werden die Geldschleusen weiter geöffnet?

EZB-Präsident Mario Draghi hat erst jüngst seine Bereitschaft bekräftigt, die Geldschleusen notfalls noch weiter zu öffnen. Die EZB werde - falls nötig - alle verfügbaren Instrumente innerhalb ihres Mandats nutzen, sagte Draghi auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Lima. Der Italiener betonte, dass der Umfang, die Zusammensetzung und die Dauer des laufenden Anleihenkaufprogramms verändert werden könnte. Seit März werden von der Notenbank mit Sitz in Frankfurt am Main Monat für Monat zur angeblichen Stützung der Konjunktur 60 Milliarden Euro in die Märkte gepumpt.

Wer profitiert?

Letztlich stellt sich immer und immer wieder die Frage, wer von dieser extremen Geldpolitik letztlich profitiert. Prof. Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln bringt es hier klar auf den Punkt, dass der deutsche Staat der klare Profiteur der Niedrigzinpolitik sei. Spannend ist aber auch, was andere Ökonomen insofern sagen. Für Prof. Reint Gropp vom Lebniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) steht indes fest (siehe hier:

http://www.iwh-halle.de/d/publik/iwhonline/io_2015-09.pdf ), dass die deutschen Haushalte im Durchschnitt von der Niedrigzinsphase profitiert haben. Die durchschnittlichen Renditen auf die Ersparnisse deutscher Haushaltes seien in der Niedrigzinsphase zwischen 2010 und 2015 deutlich höher als in den Jahren vor der Krise gewesen. Die Wertzuwächse hätten sich auf insgesamt mehr als 364 Milliarden Euro verteilt über fünf Jahre belaufen.

Aktien und Immobilien im Fokus

Höchst interessant ist jedenfalls, dass Herr Gropp hier speziell die Entwicklung der Aktien und Immobilien ins Visier nimmt. Sicherlich, hier geht es gewiss nicht um die Entwicklung der Minen-Aktien, die ja katastrophal schlecht ausfiel. Jedenfalls sei es demnach so, dass die stark gestiegenen Renditen auf Aktien und Immobilien die Verluste auf Spareinlagen dem IWH zufolge deutlich übersteigen würden. Sowohl Haushalte mit hohen wie auch mit niedrigen Einkommen hätten Wertzuwächse erzielt. Gekniffen seien Haushalte ohne Wohneigentum gewesen. Haushalte ohne Wohneigentum hätten Verluste zu verzeichnen gehabt. Durchschnittlich 100 Euro pro Haushalt pro Jahr.

Höhere Renditen

Obwohl die deutschen Haushalte nach dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH ) zufolge Netto-Sparer seien, also insgesamt mehr Vermögen angespart hätten, als sie sich leihen würden, seien ihre Renditen in den Jahren von 2010 bis 2015, also in der derzeitigen Niedrigzinsphase, signifikant höher als von 2003 bis 2007, den Jahren vor der Krise gewesen. Das liege Prof. Gropp zufolge zum einen daran, dass Sparkonten von früheren, hohen Leitzinsen kaum profitiert hätten. Zinsrückgänge aufgrund der Niedrigzinspolitik seien dementsprechend verhältnismäßig gering ausgefallen. Zum anderen seien die Renditen auf Aktien und insbesondere auf Immobilien in der Niedrigzinsphase stark angestiegen. Obwohl diese Geldanlagen nur einen geringen Anteil am Portfolio eines durchschnittlichen deutschen Haushalts hätten, genüge dies, um die Verluste insgesamt mehr als auszugleichen. Dies gelte für Haushalte mit hohen wie mit niedrigen Einkommen.

Haushalte mit höheren Einkommen profitieren überproportional

Prof. Gropp bringt aber klar auf den Punkt, wer überproportional von den Folgen der Geldpolitik profitiere. Aufgrund ihres größeren Vermögens und des höheren Anteils von Aktien und Wohneigentum würden Haushalte mit höheren Einkommen überproportional profitieren. Sage und schreibe 66 % der von den Haushalten insgesamt erzielten Wertzuwächse von 364 Milliarden Euro seien dem IWH zufolge dieser Gruppe zugeflossen. Das ist schon mehr als nur beachtlich und zeigt ganz klar auf, wie die Unwucht, die Ungleichheit in der deutschen Gesellschaft sicherlich nicht geringer wird.

Billiges Geld wird oft nicht weitergegeben

Ferner stellt das IWH fest, dass die Haushalte von der Möglichkeit, sich zu günstigeren Konditionen Geld zu leihen, profitieren würden. Allerdings sei dieser positive Effekt eher klein und mache weniger als 20 Milliarden Euro verteilt über fünf Jahre aus. Hintergrund dessen sei, dass die niedrigen Zinssätze von den Banken, vor allem bei Überziehungskrediten und Konsumkrediten, nicht vollständig an ihre Kunden weitergegeben werden würden. Die Ergebnisse zeigen auf, dass der Verweis auf niedrige geldpolitische Zinsen bei der Analyse der Auswirkungen der gegenwärtigen Geldpolitik auf die Anleger zu einseitig sei. Vielmehr spiele es eine große Rolle, wie schnell und wie stark Banken diese niedrigen Zentralbankzinsen auch an ihre Kunden weitergeben würden.

Last but not least wagt das IWH auch noch einen Ausblick. Es sei zu erwarten, dass in einem Niedrigzinsumfeld Aktien und Immobilien stark steigen würden. Die Berechnungen der IWH-Wissenschaftler machen außerdem deutlich, dass es vor allem vom Anlageverhalten abhänge, ob ein Haushalt unter der Niedrigzinspolitik leiden oder von ihr profitieren würde. Haushalte mit einem ausgeglichenen Portfolio, das auch Immobilen und Aktien enthalte, würden in der Niedrigzinsphase besser dastehen als Haushalte, die ausschließlich auf konventionelle Spareinlagen setzen würden.

Naja, hier möchte man fast hinzufügen, dass man auf die "richtigen" Aktien und Immobilien setzen sollte.

Schließlich können jeden Tag neue schwarze Schwäne à la Volkswagen landen...

Wer profitiert von der Niedrigzinsphase?
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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Kommentare [1]
  • von armseliger PINSCHER | 16.10.2015, 21:09 Antworten

    1980 stiegen die US Staats-Schulden auf exzessive 1.000 Mrd $ und die Zinsen für 10 J Treasury Bonds stiegen auf ca. 15%
    Heute betragen die US-Schulden 20.000 Mrd. $. Wie hoch werden die zuvor nach unten MANIPULIERTEN Zinsen wohl diesmal steigen, um die ausufernde Schuld-Geld-Menge wieder in den Griff zu bekommen ?

    Dabei stieg der Gold-Preis 1980 auf exzessive 850 $/oz. Wie hoch müßte wohl Gold ab 2015 steigen? GOLD wird entsprechend der Situation ab 1966 so lange TEURER wie die ZINSEN STEIGEN und die Finanz-Märkte incl. Aktien fallen. Es ist nur die Frage, ob man Gold nicht wieder verbietet und die EK-St. auf 79% (!) anhebt ? (Roosevelt, Gold Act 1933, Wealth Tax Act, 1935)

    Und zur Frage, wem die Zins-MANIPULATION nutzt:
    Selbst wenn wir in Deutschland keinen Anstieg der Staats-Verschuldung haben, so zahlen wir bei Zins-Normalisierung die, in die Zukunft verschobenen Steuern der EU-Länder + USA gleich mit ... und zwar in Form einer gigantischen BANKROTT-Welle + Kaufkraft-Verlust.
    Man könnte auch monetäre Kriegs-Finanzierung dazu sagen.
    In der Folge wird es einen Abbau von Gleichheit, Sozial-Prinzip und Rechts-Staatlichkeit geben. Besonders unsere Volks-Vertreter sparen sich die Rechts-Staatliche PFLICHT zur höchst-richterlich überprüfbaren Steuer-GESETZ-Gebung. So lange zahlen die Sparer ersatzweise mit Steuer-ähnlichen Verlusten.
    Neben der Steuer-Umverteilung von EK+ Vermögens-Steuer auf die MwSt. profitieren kreative Steuer-Vermeider und Bauherren durch Abschreibungen und MANIPULIERTE niedrig-Zinsen.

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