Stand: 09.11.2018 von Egmond Haidt 1 Kommentare

Nach der US-Wahl ist der dortige Aktienmarkt kräftig gestiegen und hat den DAX mit nach oben gezogen. Hingegen ist der Goldpreis etwas unter Druck gekommen. Diese Entwicklungen dürften allerdings nicht von Dauer sein.  

Party an den US-Börsen nach der Halbzeitwahl: Der S&P500 ist kräftig nach oben geschossen. Dabei sind die Wahlergebnisse in etwa so ausgefallen, wie die Umfragen es vorhergesagt hatten. Während die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückerobert haben, haben die Republikaner ihre Mehrheit im Senat ein bisschen ausgebaut. Dennoch haben Investoren darauf gesetzt, dass sich bei der Politik in den USA etwas zum Besseren wenden könnte.

Hingegen hat der Goldpreis nach einem anfänglichen Kursanstieg schnell wieder nach unten gedreht. Wer braucht schon bei kräftig steigenden US-Aktien noch Gold, mag sich mancher Investor gedacht haben. Das dürfte aber deutlich zu kurz gedacht sein.

Trump wird „Deals“ mit den Demokraten erzielen

Die Euphorie der Anleger nach der US-Wahl macht keinerlei Sinn. Manche Investoren scheinen zu glauben, dass sich in der US-Politik etwas deutlich verändern könnte. Das bezweifle ich allerdings sehr. Zwar ist US-Präsident bei vielen Gesetzen künftig auf die Zustimmung der Demokraten angewiesen, zum Beispiel beim Haushalt, bei Infrastrukturprogrammen, oder bei möglichen weiteren Steuersenkungen.

Allerdings gehe ich davon aus, dass sich Trump nach dem üblichen Geplänkel mit den Demokraten schlussendlich einigen wird, immerhin wollen beide Parteien beispielsweise mehr in die Infrastruktur investieren. Und beim Haushalt oder bei steuerlichen Maßnahmen dürfte Trump ebenfalls einen „Deal“ mit den Demokraten erreichen. Er wird ihnen ein paar Zugeständnisse machen, beispielsweise in der Gesundheitsversorgung, und dann werden die Demokraten dem Geld für Trumps Mauerbau oder eine mögliche Steuersenkung zustimmen.

Dass in dem Umfeld die Staatsverschuldung noch stärker explodieren wird als ohnehin schon, ist selbstverständlich. Dabei sind die Schulden im Fiskaljahr 2017/18, das im September endete, um horrende 1,3 Billionen Dollar nach oben geschossen. Offensichtlich ist die USA das

Offensichtlich ist die USA das „Land der unbegrenzten Schulden“, glaubt zumindest Trump.

Handelskrieg wird weiter eskalieren

Worauf die Demokraten allerdings keinen Einfluss haben ist Trumps Handelspolitik. In dem Bereich kann er mit Verordnungen agieren, also noch eigenem Gutdünken. Ich gehe davon aus, dass Trump den Handelskrieg mit China weiter eskalieren lassen wird, will der US-Präsident doch unter allen Umständen den Aufstieg Chinas zur größten Wirtschaftsmacht verhindern. Der Handelskrieg ist aber die größte Gefahr für die Weltwirtschaft und damit auch für den US-Aktienmarkt.

Wenn sich das Wachstum der Weltwirtschaft in den nächsten Quartalen deutlich abschwächen sollte, wird sich die US-Wirtschaft davon keinesfalls abkoppeln können. Trump will doch, dass die US-Unternehmen mehr Produkte exportieren sollen. Wie soll das aber gehen, wenn sich das Wachstum im Rest der Welt abschwächt?

Vor dem Hintergrund kann ich die Rally beim S&P500 nicht nachvollziehen.

Zinserhöhungen der Fed belasten US-Wirtschaft erheblich

Neben dem Handelskrieg bleiben nach der US-Wahl noch etliche andere Faktoren ungelöst. So wird die US-Notenbank ihren Zinserhöhungskurs fortsetzen.

Ich sehe dafür nur einen einzigen Grund: Die Fed will Luft aus der gigantischen Blase am Aktienmarkt herauslassen. Die anhaltenden Zinserhöhungen bedeuten allerdings zunehmenden Gegenwind für die US-Wirtschaft und damit den US-Aktienmarkt.

Die schlechter werdenden Daten vom Häusermarkt, der Rückgang beim US-Autoabsatz gegenüber dem Vorjahr, der Kursrutsch bei den Bank- und Halbleiteraktien spricht Bände. Wenn sich die Perspektiven für diese zyklischen, also konjunkturabhängigen, Sektoren eintrüben, dann belastet das die US-Wirtschaft und damit den S&P500 unweigerlich. Der Ausgang der US-Wahl dürfte die Fed in keinster Weise von ihrem Kurs abhalten.

Um es noch einmal klar zu sagen: die Rally am US-Aktienmarkt nach der Wahl macht für mich keinerlei Sinn und damit ebenso wenig der Rückgang beim Goldpreis. Allerdings hat er von den steigenden US-Zinsen und dem höheren Dollar ein wenig Gegenwind bekommen.

Meiner Meinung nach sollte der Goldpreis in den nächsten Wochen in entgegengesetzter Richtung zum S&P500 laufen. Ich werde daher die Entwicklung am US-Aktienmarkt und bei dem Edelmetall weiter genau beobachten.
Rally am Aktienmarkt nach US-Halbzeitwahl macht keinen Sinn
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [1]
  • von Mr. Silver | 11.11.2018, 15:59 Antworten

    Wenn das Gold nicht unter 1160 fällt sehe ich den Aufwärtstrend noch intakt. Vom Cot Report gibt es noch weiteres grünes Licht. Das Volumen ist relativ niedrig ( unter 500000 Kontrakte, und der Short Überhang ist auch sehr klein. Die Commerzials verkaufen bei steigenden Kursen und kaufen bei fallenden Kursen. Wenn die Spekulanten Ihr Gold weggeben, dann ist es noch zu früh. Aber ich fange auch an den Zusammenbruch des Eurogeldsystems an zu glauben. Deutschland kann nicht das Sozialamt für ganz Europa sein, und noch für Millionen Migranten

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