Stand: 28.10.2013  1 Kommentare

Die Drosselung indischer Goldimporte durch gesetzliche Maßnahmen hat dazu geführt, dass sich das Edelmetall in der traditionellen Goldnation Nummer Eins immer mehr zu einem knappen Gut entwickelt. Die Folge: Das Aufgeld auf den Weltmarktpreis für Gold erreicht in dem südasiatischen Land neue Rekorde, berichtet Kitco News am 24. Oktober 2013.

10 % Agio auf den Goldpreis

Das Agio oder Aufgeld auf den Goldpreis, den indische Juweliere an Banken zu zahlen haben, liegt im Oktober für eine Feinunze Gold bei über 100 Dollar und soll teilweise sogar 140 Dollar erreicht haben. Bei einem Londoner Goldpreis in diesem Monat von durchschnittlich 1.300 Dollar entsprechen 140 Dollar ca. 10,7 %.

Bachhraj Bamalwa von der All India Gems & Jewellery Trade Federation geht davon aus, dass sich Gold in Indien relativ zum Weltmarktpreis weiter verteuern wird. "Das Agio könnte auf 150 bis 200 Dollar anwachsen", sagt der Insider.

Zum Vergleich: Beim Kauf von 100 g Goldbarren müssen deutsche Endkunden ein Agio von ca. 1 % (inklusive der Gewinnmarge des Händlers) zahlen und für Barren in größeren Stückelungen sogar weniger als 1 %. Auch bei günstigen Anlagemünzen aus Gold wie dem Gold Maple Leaf, Krügerrand, Wiener Philharmoniker oder Känguru liegt das Aufgeld auf den Goldpreis bei deutschen Online-Händlern im moderaten Bereich von ca. 2,5 % bis 3 %.

Nur 5 Tonnen Gold im Oktober importiert

Die hohen Aufgelder für Gold sind eine direkte Folge der stark gefallenen indischen Goldimporte. Wer in Indien Gold kaufen will, befindet sich zunehmend in Konkurrenz um ein knappes Gut. Preissteigerungen sind die logische Folge eines solchen Überhangs der Nachfrage.

Die Knappheit des Goldes wird von der indischen Regierung verursacht. 2012 war Gold für das südasiatische Land noch vor Öl der wichtigste Importartikel. Das gelbe Edelmetall gilt bei indischen Politikern und der Zentralbank deshalb als eine der Hauptursachen für das steigende indische Leistungsbilanzdefizit und die Schwäche der Landeswährung Rupie.

Indien fördert buchstäblich kein Gold und muss die inländische Nachfrage vollständig über Einfuhren decken. Die beiden wichtigsten Maßnahmen zur Drosselung der Goldimporte waren und sind die hohe Importsteuer von 10 % sowie eine gesetzlich vorgeschriebene Quote für den Reexport von 20 %. Infolge dieser Maßnahmen importierte Indien im Oktober bisher nur 5 Tonnen Gold. Im letzten Jahr hatten die Goldimporte bei insgesamt 864,2 Tonnen gelegen, was etwa 72 Tonnen pro Monat entspricht.

Zunehmender Goldschmuggel erwartet

Jeffrey Nichols, Managing Director von American Precious Metals Advisors, glaubt nicht, dass gesetzliche Bestimmungen die echte Nachfrage nach Gold in Indien nachhaltig senken werden.

"Offensichtlich haben die Inder ein starkes Bedürfnis danach, Gold zu kaufen", sagt Nichols. "Es gibt in Indien eine lange Historie nicht nur der Verbundenheit mit Gold, sondern auch des Goldschmuggels. In den vergangenen Jahrzehnten gab es schon Phasen restriktiver Importbestimmungen, aber letztendlich gelangte das Gold eben doch ins Land. Der Goldschmuggel wird im Laufe der Zeit zunehmen um die vorhandene Nachfrage befriedigen."

Die echte Nachfrage nach Gold in Indien wird in den nächsten Wochen voraussichtlich stark sein. Die Festival-Saison, während der Inder traditionell viel Gold kaufen, steht bevor. Darüber hinaus findet ein Großteil indischer Goldkäufe in landwirtschaftlich geprägten Regionen statt.

Die gute Ernte dieses Jahres verspricht steigende Einkommen im indischen Agrarsektor und damit mehr verfügbares Geld für den Goldkauf. Auch konnte sich die Rupie von einem Rekordtief Anfang September gegenüber der internationalen Handelswährung für Gold - dem US-Dollar - merklich erholen.

Chinesen sind "Big Boys" am Goldmarkt

Anders als im Fall Indien sind die Goldimporte Chinas in diesem Jahr bisher konstant hoch. Eine deutliche Steigerung gegenüber den letztjährigen Einfuhren auf Gesamtjahresbasis und die Ablösung des östlichen Nachbarlands als weltgrößter Goldimporteur gelten als sicher.

Während China im letzten Jahr 776,1 Tonnen Gold importierte, summierten sich die Einfuhren in den ersten beiden Quartalen 2013 bereits auf 588,9. Der World Council rechnet für 2013 mit Goldimporten von insgesamt ca. 1.000 Tonnen.

Der tatsächliche Goldhunger Chinas wird durch die Importzahlen nur unzureichend dargestellt. Das Land liegt in diesem Jahr mit voraussichtlich 440 Tonnen geförderten Goldes weltweit auf Platz 1 und exportiert, von Reexporten abgesehen, so gut wie kein Gold.

"Die Chinesen gehören jetzt zu den echten Big Boys, die den Goldmarkt stützen können", sagt Bernard Sin von der Schweizer Finanzgesellschaft MKS. "Es gibt also in Asien insgesamt eine nach wie vor hohe Nachfrage nach Gold. Würden die Inder so viel Gold kaufen (können) wie die Chinesen, hätten wir jetzt vermutlich einen Goldpreis von 1.400 Dollar.

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Kommentare [1]
  • von Marcel | 29.10.2013, 17:31 Antworten

    Sehr Informativ,'Danke!

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