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Stand: 16.05.2022 von Hannes Zipfel
Auch diese Woche hält Rekorddaten in Sachen Inflation bereit: Am Montag veröffentlichte Großhandelspreise weisen für Deutschland den größten Anstieg seit Datenerhebung im Jahr 1962 auf. Gleichzeitig kollabieren die Produktion und der Einzelhandel in China. Nun warten die Anleger gespannt auf Daten aus den USA.
Rekorddaten und Brexit-Stress

Besonders beachtenswerte Termine für Anleger in der KW 20:

  • Montag: Großhandelspreise Deutschland für April ggü. VJ. (akt.: 23,8 % | März: 22,6 %)
  • Dienstag: Einzelhandelsumsätze USA für April gegenüber Vorjahresmonat
  • Mittwoch: Immobilienpreise China für April gegenüber Vorjahresmonat
  • Donnerstag: Brexit-Verhandlungen um das Nordirland-Protokoll (Zollgrenzstreit)
  • Freitag: Bundesbankpräsident und EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel äußert sich zur Inflation
(Details und ergänzende Termine finden Sie in der Tabelle ganz unten)

Konjunkturwarnsignale mehren sich

Nachdem die Berichtssaison der Unternehmen zu Ende geht, rücken makroökonomische Daten wieder verstärkt in den Fokus der Anleger. Vor allem Wirtschaftszahlen aus dem Reich der Mitte sind von besonderem Interesse, da sie die Auswirkungen der massiven Corona-Einschränkungen auf die Konjunkturentwicklung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt offenbaren.

Einen kleinen Schock lösten die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen im April aus: Diese waren nicht wie erwartet um 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat rückläufig, sondern brachen zweistellig um 11,1 Prozent ein.

Das war der stärkste Rückgang seit April 2020.

Auch die Industrieproduktion leidet unter den aktuellen Corona-Beschränkungen und schrumpfte im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,9 Prozent, anstatt wie erwartet um 0,4 Prozent anzusteigen. Dies war der zweitstärkste Rückgang seit vier Jahrzehnten nach dem Einbruch im März 2020 um 13,5 Prozent.

EU-Kommission korrigiert Wachstumsprognose deutlich nach unten

Auch in Europa werden die konjunkturellen Bremsspuren immer sichtbarer. Wegen des Krieges in der Ukraine, der weltweit gestörten Lieferketten sowie den hohen Inflationsraten senkte die EU-Kommission an diesem Montag erneut ihre Wachstumsprognose für die Eurozone von zuletzt 4,0 Prozent auf jetzt nur noch 2,7 Prozent für das Jahr 2022. Bereits in der Winterprognose wurden die sehr ambitionierten Wachstumsziele von 6,2 Prozent auf 4,0 Prozent gekürzt. Weitere Revisionen sind nicht auszuschließen.

Für Deutschland wurde die Wachstumsprognose von 3,6 auf nur noch 1,6 Prozent reduziert.

Gleichzeitig hat die Kommission im Rahmen ihrer Frühjahrsprognose ihre Inflationserwartungen für die Euro-Zone für dieses Jahr von 3,5 auf 6,1 Prozent nahezu verdoppelt.

Für Deutschland wird sogar eine Preissteigerungsrate von 6,5 Prozent erwartet.

Das Szenario einer Stagflation, also die Kombination aus Konjunkturabschwung und starker Inflation ist in Anbetracht der globalen Gemengelage kaum noch abzuwenden.

Einer der zuverlässigsten wirtschaftlichen Frühindikatoren, der Einkaufsmanager-Index für die Industrie, neigt sich für die Euro-Zone bereits bedenklich gen Süden.

Brisant: Vor allem die rekordhohe Preiskomponente hält den Diffusions-Index noch über der Expansionsschwelle von 50 Punkten.

Einkaufsmanager Index Deutschland Verarbeitendes Gewerbe-Euro-Zone

Die Behinderungen bei den Warenausfuhren aus China, dem wichtigsten Handelspartner der EU, durch die diversen Lockdowns in wichtigen Industrie- und Logistikzentren des Landes werden erst in den kommenden Wochen und Monaten in Europa voll spürbar.

Ein weiterer Rückgang der industriellen Aktivitäten ist somit sehr wahrscheinlich.

Doch es gibt auch positive Meldungen: Die Corona-Welle in China ebbt ab und in der Metropole Shanghai sollen ab dem Beginn dieser Woche die Geschäfte schrittweise wieder geöffnet werden.

Täglich neue bestätigte Covid-19-Todesfälle pro Million Menschen

Inflationsfrühindikatoren gehen durch die Decke

Für den Monat April vermeldete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden (DeStatis) zum Wochenauftakt den höchsten jemals gemessenen Preisanstieg im Einzelhandel auf Jahresbasis: +23,8 Prozent.

Die Preissteigerungen finden in allen Bereichen statt (Energie, sonst. Rohstoffe, Vorprodukte, Nahrungsmittel etc.).

Die Datenerhebung zu dieser Zeitreihe begann im Jahr 1962. Mit Zeitverzögerung wird die Preisexplosion im Großhandel auch in den Verbraucherpreisen spürbar werden.

Groshandelspreise Deutschland im April 2022 ggü. Vorjahresmonat

Am kommenden Freitagmorgen veröffentlicht DeStatis noch die deutschen Erzeugerpreise für den Monat April, also die Vorstufe zu den Großhandelspreisen. Diese sollen auf Jahresbasis sogar um 31,5 Prozent angestiegen sein. Das entspräche ebenfalls dem höchsten Anstieg seit Datenaufzeichnung. Im Zuge der Ölkrise in den 1970ger- und Angang der 1980er-Jahre war dieser Wert in der Spitze auf weniger als die Hälfte (14,6 Prozent) emporgeschnellt.

Brexit-Stress und drohender Handelskrieg mit Großbritannien

Am Donnerstag sollen Gespräche zwischen der EU und der britischen Regierung über Brexit-Sonderregeln für Nordirland geführt werden. Nach dem jüngsten Wahlsieg der nordirischen Sinn Féin droht eine Regierungskrise, da die protestantischen Unionisten eine Vereinigung mit Irland ablehnen und eine Anbindung an das Vereinigte Königreich anstreben. Ohne die DUP, die größte Partei der Unionisten, ist eine Regierungsbildung in Belfast unmöglich. Zum ersten Mal in der Geschichte Nordirlands wurde eine irisch-nationalistische Partei als stärkste Kraft ins Parlament gewählt.

Die britische Regierung, die hinter der pro britischen DUP steht, startet daher einen neuen Versuch, Teile des zwischen Großbritannien und der Europäischen Union vereinbarten Nordirland-Protokolls zu kippen. Die EU ist jedoch strikt dagegen.

Der Streit entzündet sich an der Zollgrenze, die laut Brexit-Vertrag nicht zwischen dem zur EU gehörenden Irland und Nordirland verläuft, sondern zwischen Nordirland und Schottland. Damit sollte verhindert werden, dass die Gewalt zwischen den katholischen nordirischen Separatisten und den pro britischen protestantischen Unionisten wieder aufflammt.

Die Sinn Féin warb im Wahlkampf mit der Loslösung von Großbritannien und dem Anschluss an Irland. Die Unionisten der DUP wollen das genaue Gegenteil und die Zollgrenze neu ziehen – zwischen Irland und Nordirland. Ein politisch kaum zu lösendes Dilemma.

Die Regierung in London steht auf der Seite der Unionisten und eskaliert die Situation weiter.

Nach Einschätzungen der britischen Generalstaatsanwaltschaft hat Premierminister Boris Johnson das Recht, das sogenannte Nordirland-Protokoll in weiten Teilen aufzukündigen und die Zollgrenze zu verschieben. Für die EU ist das inakzeptabel. Die gegensätzlichen Positionen könnten den Auftakt zu einem Handelskrieg bedeuten.

In der folgenden Tabelle finden Sie weitere wichtige Daten-Termine für die KW 20:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 4:00 Uhr CHN: Einzelhandelsumsätze April (Jahr) akt.: -11,1 % -3,5 %
Montag 4:00 Uhr CHN: Industrieproduktion April (Jahr) akt.: -2,9 % 5,0 %
Montag 8:00 Uhr DE: Großhandelspreise April (Jahr) akt.: 23,8 % 22,6 %
Montag 11:00 Uhr EU: Wachstums- und Inflationsprognosen der EU-Kommission - -
Dienstag 14:30 Uhr USA: Einzelhandelsumsätze April (Jahr) - 6,61 %
Dienstag 15:15 Uhr USA: Industrieproduktion April (Jahr) - 5,47 %
Dienstag 19:00 Uhr Euro-Zone: EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht über Konjunktur und Inflation - -
Dienstag 20:00 Uhr USA: Fed-Präsident Jerome Powell spricht über Konjunktur und Inflation - -
Mittwoch 3:30 Uhr CHN: Immobilienpreisentwicklung April (Jahr) - 1,5 %
Mittwoch 8:00 Uhr DE: Autozulassungen April (Jahr) - -17,5 %
Mittwoch 14:30 Uhr USA: Index für den Hypothekenmarkt - 358,9
Mittwoch 14:30 Uhr USA: Baubeginne April in Mio. 1,773 1,793
Mittwoch 14:30 Uhr USA: Baugenehmigungen April in Mio. 1,87 1,81
Mittwoch 16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel -0,457 8,487
Donnerstag - EU/UK: Verhandlungen über Aufhebung des Nord-Irland-Protokolls - -
Donnerstag 13:30 Uhr EU: Protokoll der EZB-Sitzung vom 14. April - -
Donnerstag 14:30 Uhr USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe 200K 203K
Donnerstag 14:30 Uhr USA: Federal Reserve Bank of Philadelphia Produktionsindex Mai 16,7 17,6
Donnerstag 16:00 Uhr USA: Verkäufe bestehender Häuser April in Mio. 5,62 5,77
Freitag 8:00 Uhr DE: Erzeugerpreise im April (Jahr) 31,5 % 30,9 %
Freitag 13:45 Uhr DE: Bundesbankpräsident Joachim Nagel spricht über Konjunktur und Inflation - -
Freitag 21:30 Uhr COMEX-Terminmarktdaten der CFTC (COT-Report) für Gold und Silber - -
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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von Wüstenlux | 17.05.2022, 06:08 Antworten

Habeck, Lindner, Baerbock und Klingbeil müssen den Arabern klarmachen, dass man Sand, Öl und Importgold nicht essen kann, dann wird alles gut.

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