Stand: 25.01.2021 von Jörg Bernhard
Mitte Januar veröffentlichte die Deutsche Bundesbank aktuelle Zahlen zum Geldvermögen deutscher Privathaushalte. Mit 6.738 Milliarden Euro war mit Stand Ende September ein neuer Rekordwert erzielt worden.
Rekordhohe Geldvermögen deutscher Privathaushalte gemeldet

Massive Vermögenszuwächse trotz Corona-Virus

Damit stellte sich ungeachtet der Corona-Krise gegenüber Ende Juni ein Vermögenszuwachs in Höhe von 108 Milliarden Euro bzw. 1,6 Prozent ein (siehe Tabelle).

Besonders hohe Zuwächse waren bei Bargeld und Einlagen registriert worden. Hier stellte sich innerhalb von drei Monaten ein Plus in Höhe von 41 Milliarden Euro ein. Ansprüche gegenüber Versicherungen haben sich um 19 Milliarden Euro erhöht, während bei Aktien eine Steigerung um 11 Milliarden Euro erzielt worden war.

Zugleich sind aber auch die Verbindlichkeiten privater Haushalte gestiegen. Gegenüber dem Vorquartal war hier nämlich ein Anstieg um 28 Milliarden auf 1.936 Milliarden Euro zu vermelden. Damit stellte sich per Saldo beim Nettogeldvermögen ein Zuwachs um 80 Milliarden auf 4.802 Milliarden Euro ein.

Das Geldvermögen deutscher Privathaushalte

Bestände in Mrd. Euro Q2 2020 Q3 2020 Differenz
Bargeld und Einlagen 2.693,90 2.734,90 41,00
Schuldverschreibungen 114,50 113,50 - 1,00
Aktien und sonstige Anteilsrechte 703,90 730,60 26,70
Anteile an Investmentfonds 665,90 687,70 21,80
Versicherungs-, Alterssicherungs und Standardgarantie-Systeme 2.422,60 2.441,60 19,00
Sonstige Forderungen 29,60 30,00 0,40
insgesamt 6.630,30 6.738,30 108,00

Verbindlichkeiten insgesamt 1.907,70 1.935,80 28,10

Nettogeldvermögen insgesamt 4.722,60 4.802,50 79,90
Quelle: Deutsche Bundesbank; Stand: 30. September 2020

Laut Bundesbank war die jüngste Entwicklung im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurückzuführen:

  • Eine hohe Ersparnisbildung sowie die an den Kapitalmärkten registrierte Erholung.

  • Ein besonders starkes Interesse war bei Aktien und Investmentfonds auszumachen, wo per Saldo 20 Milliarden investiert wurden.

Damit haben die Zukäufe den durchschnittlichen Wert der vergangenen zehn Jahre um fast das Dreifache übertroffen. In etwa teilten sich die Käufe jeweils zur Hälfte auf Aktien und Investmentfonds auf. „Beliebt wie nie zuvor“ waren ausländische Aktien, die auf ein Volumen von sieben Milliarden Euro kamen.

Interpretation und Bedeutung der Zahlen

Auf den ersten Blick mag das wachsende Geldvermögen deutscher Privathaushalte überraschen. Dabei sollten corona-bedingt aber folgende Aspekte gebührend berücksichtigt werden.

  • Erstens: Sorgen um den Arbeitsplatz dürften ein wichtiger Grund für die verstärkte Sparneigung der Bundesbürger gewesen sein.

  • Zweitens: Durch die beschlossenen Corona-Restriktionen, die insbesondere den stationären Einzelhandel, die Gastronomie und Touristik-Unternehmen empfindlich getroffen haben, wurden zum Beispiel teure Urlaube gestrichen und das Shoppen in den Innenstädten machte auch weniger Freude als gewohnt.

Vor diesem Hintergrund bleibt zu hoffen, dass sich nach einem Sieg über die Pandemie die Bevölkerung wieder konsumfreudiger zeigen und ein markanter Nachholeffekt eintreten wird.

Wichtig zu wissen: Die Vermögensstatistik der Deutschen Bundesbank dürfte die tatsächliche Lage aber nicht völlig korrekt darstellen, schließlich sind darin die Kapitalabflüsse in Gold und Kryptowährungen gar nicht enthalten.

Inklusive dieser Anlageklassen dürfte die Sparquote in 2020 erheblich höher ausgefallen sein. Außerdem dürfte jedem klar sein, dass aufgrund der ungleichen Vermögensverteilung in Deutschland viele Bundesbürger auf keinen Fall reicher geworden sein dürften.

Ausblick für die laufende Woche

Niedrige Zinsen fungieren nicht nur bei Aktien, sondern auch bei Gold als starkes Kaufargument. Aktiengesellschaften profitieren zum einen von den historisch niedrigen Finanzierungskosten und den daraus resultierenden Geschäftschancen und zum anderen durch Umschichtungen von Anleihen in Aktien.

Doch niedrige Zinsen helfen auch Gold, schließlich fallen Staatsanleihen bester Bonität aufgrund ihrer teils negativen Renditen als konkurrierendes Investment eher aus.

Niedrige bzw. nicht vorhandene Opportunitätskosten haben den normalerweise beim Goldbesitz notwendigen Zinsverzicht mittlerweile fast komplett verschwinden lassen. Nachdem die EZB in dieser Woche keinen Zweifel an dauerhaft niedrigen Zinsen hat aufkommen lassen, dürfte der Tenor von Fed-Chef Jerome Powell bei der für Mittwoch anberaumten Zinsentscheidung mit anschließender Pressekonferenz ähnlich ausfallen.

Die meisten Länder können sich höhere Zinsen angesichts einbrechender Steuereinnahmen schlicht und einfach gar nicht leisten.

Selbst die Finanzlage der USA fällt in einigen Punkten desolater aus als die der Eurozone.

Beispiele gefällig?

Im Jahr 2022 sollen die Staatschulden der USA auf 122 Prozent des Bruttosozialprodukts (Eurozone: 92 Prozent) ansteigen und ein Haushaltsdefizit von 8,7 Prozent des Bruttosozialprodukts (Eurozone: 1,2 Prozent) zu Buche schlagen.

Solch desaströse Finanzkennzahlen sind für Gold ein absolut es Fremdwort.

Autor: Jörg Bernhard
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von Werner | 01.02.2021, 19:18 Antworten

Ich kann mir nicht helfen, wenn Euros gedruckt werden wie blöd dann muß jedes Jahr ein neuer Rekord erreicht werden - nominal. Diese Milliardenbeträge kommen unteranderem dadurch zustande, dass die Bevölkerung halt um 80 Millionen ist. Wenn ich 10 000 Euro auf dem Konto habe, halte ich mich nicht für vermögend, aber multipliztiert mit 80 Millionen Bevölkerung kommen dann halt 800 Milliarden dabei raus.
Medianvermögen laut Credit Suisse Frankreich 100 000 Euro, Italien 90 000, Deutschland 35 000. Mit solchen Artikeln wird am Märchen vom reichen Land gestrickt.

von Chris aus Bayern | 27.01.2021, 10:53 Antworten

"Dabei sollten corona-bedingt aber folgende Aspekte gebührend berücksichtigt werden":
Ein dritter Aspekt wurde (leider wie üblich) unterschlagen: Die Frage nach der Verteilung der Ersparnis auf Personenkreise. Denn die Feststellung, dass Konsum und Urlaubsreisen gestrichen wurden (und dadurch ja, wie unterstellt wird, mehr gespart wurde), wird dadurch konterkariert, dass breite Bevölkerungskreise, insbesondere aus den als "nicht systemrelevant" gebranntmarkten und damit stillgelegten Branchen, wenige bis gar keine Einnahmen hatten und daher Ersparnisse in beträchtlicher Höhe abbauen mussten.

von Ihr Name | 26.01.2021, 03:06 Antworten

Irgendwo muss das Gedruckte schließlich ankommen. Das (und die kurzzeitigen Rettungsversuche der Banken mit liquiden Mitteln) ist schließlich das Ziel. Kaufkrafterhalt. Wie der Autor bereits anmerkt, wahrscheinlich kommt davon erst einmal nichts bei den Arbeitern an (keine Lohnsteigerungen in Sicht) und nur gering im Mittelstand. Im Mittelstand wird sich die Statistik mit den Profitören und den Verlierern des Lockdown wahrscheinlich die Waage halten. Ich bin gespannt, wann die Finanzspritzen auch bei den Arbeitern ankommen. Nicht durch Lohnerhöhung, "wo kommen wir denn hin", sondern über Lebensnotwendige Sonderzahlungen. Die Frage der Fragen: Was kommt zuerst? Die Sonderzahlungen oder die Inflation? oder Beides gleichzeitig? Dann war es dass sowieso mit dem vermeintlichen "Vermögenszuwachs".
Wahrscheinlich kommen vor der Inflation noch etliche statistisch begründete Meldungen, wie gut es uns Allen doch in Wahrheit geht.

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von Commander C | 26.01.2021, 16:07 Antworten

Mein chinesisches Händi kommt leider ohne update nicht mehr mit der btc-wallet klar. Wie um Himmels Willen soll ich denn nun bezahlen?
Ah. Zum Glück noch 10g Gold im Portemonnaie...

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