Stand: 31.12.2019 von Hannes Zipfel 3 Kommentare

Seit der restlosen Abkopplung der Weltleitwährung US-Dollar vom Gold leben wir seit dem Jahr 1973 in einem bis dato einmaligen Wirtschaftsexperiment mit einem weltweit ungedeckten Fiatgeld-System. Das Ergebnis nach 46 Jahren ist eine überschuldete Weltwirtschaft sowie eine daraus resultierende desperate Geldpolitik der Notenbanken zur Aufrechterhaltung der Schuldentragfähigkeit.

Der Zins wurde abgeschafft und die Staatsfinanzierung erfolgt mit zunehmender Tendenz über die digitale Notenpresse.

Bedeutung von Gold und Silber steigt wieder an

Die beiden Edelmetalle fungieren seit über 5.000 Jahren als Warengeld sowie als Rohstoff für verschiedenste Anwendungen. Die Bedeutung als Werkstoff hat im Zuge der technologischen Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten sogar noch weiter zugenommen.

Der Grund dafür liegt in den außerordentlichen physikalischen Eigenschaften der Metalle und der sich daraus ergebenden Breite der Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel:

  • der Konsumelektronik (Smartphones)
  • der Medizin (OP-Besteck)
  • alternativen Energien (Solarpanels, Spiegel)
  • dem Automobilbau (Kontaktstellen, Drähte)
  • der Logistik (RFID-Funkchips)
  • Textilien (antiseptische Funktionskleidung)
  • und Natürlich nach wie vor als Schmuck.

Aufgrund seiner Bedeutung als vitales Industriemetall klassifizieren die meisten Industriestaaten der Welt Silber mittlerweile sogar als strategischen Rohstoff und stufen diesen somit als für die Volkswirtschaft elementar und unentbehrlich ein.

Im Gegensatz zu Gold wird das preiswertere Silber deutlich intensiver als Werkstoff genutzt. Gold hingegen ist seit dem Jahr 2008 still und heimlich zur zweitbeliebtesten Reservewährung der Notenbanken nach dem US-Dollar avanciert. In diesem Jahr machen die Zentralbanken bereits 17,4 Prozent der gesamten Weltnachfrage aus.

Die monetäre Bedeutung von Gold und Silber als Alternativ- und Reservewährung ist historisch bedingt und auf die Seltenheit sowie die physikalischen Eigenschaften zurückzuführen. Gold und Silber sind nahezu beliebig teilbar und nahezu unzerstörbar (Silber durch Schwefeldioxid und Gold nur durch Königswasser, einer Mischung aus Salzsäure und Salpetersäure).

Die Edelmetalle konservieren die Kaufkraft über Generationen und sind weltweit in allen Kulturen als Wertspeicher akzeptiert. Ihre Geschichte als Zahlungsmittel ist bereits über 5.000 Jahre alt. Daher rührt auch das instinktive Vertrauen in die Krisenfestigkeit dieser Metalle, gerade im Zeitalter zunehmend virtueller Geldsysteme (digitales Buchgeld).

Die auf die monetäre Funktion der Metalle zurück zu führende (Investoren-)Nachfrage steigt in direkter Korrelation zu den sich ausdehnenden Verschuldungsgraden der Staaten sowie der von den Zentralbanken und den Geschäftsbanken via Kreditschöpfung erzeugten ungedeckten Geldmenge (Fiat-Money-System).

Weltweite Silberbestände  ETFs

Heutzutage entsprechen Gold und Silber dem zunehmenden Bedürfnis von Investoren, ein von geld- und fiskalpolitischer Willkür unabhängiges Geldformat zu besitzen. So ist es auch kein Wunder, dass die Bestände der mit physischem Metall hinterlegten Fonds (Exchange Traded Funds/ ETF) just auf neue Rekordstände gestiegen sind.

Weltweite Goldbestände ETFs

Gold, Silber und der Zins

Da Gold und Silber als Währungen und als Rohstoffe keine Zinsen erwirtschaften, hängt dessen Attraktivität auch stark vom vorherrschenden Zinsniveau ab. Umso niedriger der Zins, der dem Investor bei einer Anlage in die Edelmetalle im Vergleich zu anderen Anlagen entgeht, umso höher ist deren Preis.

Bei negativen Zinsen erhalten Gold und Silber skurriler weise sogar einen nominalen Zinsvorteil.

Zwar ist zu berücksichtigen, dass das Halten von Gold und Silber auch Kosten für Lagerung und ggf. Versicherung verursacht, diese liegen aber mittlerweile teilweise schon unter den vorherrschenden (Negativ-) Zinsen in Deutschland.

Zinnsentwicklung für zehnjährige deutesche Staatsanlleihen (Stand 2019)

Wiederaufnahme des positiven Preistrends

Der Goldpreis notiert in Euro mit 1.336 Euro (Stand 22.10.2019) pro Unze (Spotpreis) wieder nahe seiner absoluten Rekordstände. Silber hat mittlerweile seine mittelfristigen Abwärtstrends überwunden und strebt dynamisch in Richtung der zyklischen Höchststände aus dem Sommer 2016.

Da der Goldpreis bereits stark vorgelaufen ist und in vielen Währungen bereits neue Rekordstände erreicht hat, stehen die Chancen sehr gut, dass auch der kleine Bruder des Goldes in den nächsten Monaten ansteigt.

In früheren Phasen steigender Edelmetallpreise hat Silber seinen Rückstand stets aufgeholt und den Goldpreis im Verlauf der Hausse dynamisch outperformt.

Silber vs. Gold in Euro

Starke Preisimpulse von der Geldpolitik

Es ist abzusehen, dass die weitere Entwicklung der globalen Schuldensituation und die daraus resultierenden ökonomischen Verwerfungen mit noch aggressiverer Geldpolitik durch die Zentralbanken "behandelt" werden.

Die jüngst wieder aufgenommenen Gelddruck- und Anleihekaufprogramme der großen Zentralbanken EZB und US-Fed, nebst weiterer Zinssenkungen, verdeutlichen das Dilemma und sprechen klar für eine weltweite Renaissance der monetären Edelmetalle Gold und Silber als solide Alternativwährungen.

Zudem herrscht bei Silber seit über zehn Jahren ein Angebotsdefizit (2018: -80,1 Mio. Unzen). Die überirdischen Lagerbestände liegen im historischen Vergleich auf relativ niedrigem Niveau, da die Zentralbanken weltweit ihre Silberbestände zum größten Teil veräußert und nahezu komplett auf Goldreserven umgestellt haben.

Bei Rohstoffen ist ein Angebotsdefizit in Kombination mit geringen Lagerbeständen ein zuverlässiger Indikator für zukünftig wieder steigende Preise.

Fazit und Perspektive

Die Gefahr von ökonomischen Krisen und starker Geldentwertung war selten so ausgeprägt wie heute. Die Zentralbanken haben dank ihrer Rettungspolitik in den letzten zehn Jahren lediglich vorübergehend das Bild einer dauerhaft erfolgreichen Krisenbewältigung im öffentlichen Bewusstsein erzeugt. Mit der bereits Ende letzten Jahres vollzogenen Abkehr von der "Zinsnormalisierung" und der ab 1. November erneut startenden Aufkaufprogramme für Staatsanleihen in den USA und der Eurozone wurde diese realitätsferne Illusion endgültig ad acta gelegt. Die Rückbesinnung auf Geld mit intrinsischem Wert, wie z. B. Goldmünzen und Silbermünzen, wird damit im Zeitverlauf erneut sehr stark zunehmen.

Hannes Zipfel
Finanzjournalist

Die Renaissance von Gold und Silber
Hannes Zipfel - Seit über 20 Jahren ist Hannes Zipfel an den Finanzmärkten in unterschiedlicher Funktion aktiv. Nach dem Studium der Volks­wirtschafts­lehre arbeitete er als Aktien­analyst, Anlage­stratege, Portfolio­manager, Chef­ökonom und Vorstands­mitglied eines Finanz­­dienst­leisters, zu dem auch ein führender deutscher Edel­metall­­händler gehört. Sein Spezial­­gebiet ist die Geld­­­politik sowie die Analyse der monetären Edel­­metalle Gold und Silber.
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von Commander Crash | 06.01.2020, 16:50 Antworten

Sie sind für Offshore-Gold?
Wutbürgergeld wäre auch nicht schlecht...

von Prof. Dr. Dr. Kupfer | 06.01.2020, 15:04 Antworten

Hab voriges Jahr schon meinen ganzen Silberberg in einen Haufen Gold verwandelt. Dort bildete sich aber ein See und bei einem Bootsunglück wurde leider alles versenkt. Aus dank für das Leben opferte ich jetzt auch mein Pd und Rh dem selben gott.

von Commander Crash | 02.01.2020, 23:41 Antworten

Nichts hinzuzufügen. Doch halt - Wenn die SPD das Windgeld durchbekommt, dann kommt auch bald das Lichtgeld: Wer Licht in Eimern in die Kirche trägt, statt Fenster einzubauen, dem steht dann ein Subventionsgeld zu! (ABM)

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"