Stand: 25.01.2012  1 Kommentare

Die Edelmetallanalysten des Dienstleisters GFMS Reuters stellten vor einigen Tagen ihren neuesten Goldbericht vor. Aufmerksamkeit erweckte angesichts eines Preishochs im Vorjahr von 1.920 US-Dollar weniger das diesjährige Preisziel von 2.000 US-Dollar. Für Staunen sorgte vielmehr die Voraussage, dass der Goldboom langsam aber sicher seinem Ende entgegen steuert.

Goldinvestments stiegen um 20%

Das vorausgesagte Ende des Goldbooms ist derzeit noch alles andere als sichtbar. Im Gegenteil, das Jahr 2011 war in mehrfacher Hinsicht ein neues Gold-Rekordjahr:

  • Der Jahresdurchschnittspreis stieg im Vorjahr um 28,3% auf 1.571 US-Dollar.
  • Insgesamt wurden 80 Milliarden US-Dollar in Gold investiert, 20% mehr als im Jahr 2010.
  • Trotz der steigenden Preise nahm auch die physisch gehandelte Menge Gold weiter zu.
  • Besonders erfreulich für Barrenhersteller: Die Nachfrage nach Goldbarren erhöhte sich sogar um 33% auf 1.200 Tonnen.

Die Goldinvestitionen steigen beständig. Eine Abkehr vom Trend ist bislang nicht sichtbar.<br/>Datenquelle 2004-2010: World Gold Council; Datenquelle 2011: GFMS Reuters
Die Goldinvestitionen steigen beständig. Eine Abkehr vom Trend ist bislang nicht sichtbar.
Datenquelle 2004-2010: World Gold Council; Datenquelle 2011: GFMS Reuters

Regierungen kaufen im großen Stil Gold

Auf der Käuferseite standen auch wieder Regierungen und Zentralbanken, die noch vor wenigen Jahren netto große Mengen verkauften. Netto kauften offizielle Stellen im Jahr 2011 430 Tonnen.

Das Goldrecycling stagniert

Trotz des stark gestiegenen Preises blieb die Schmucknachfrage relativ stabil. Sie sank nur um 2%. Beachtlich: Das Recyclingangebot nahm ebenfalls um 2% ab - und das trotz der wie Pilze aus dem Boden schießenden Gold-Ankaufstellen und Ankaufgesuche.

Dass der Goldpreis im Jahr 2011 nicht noch stärker stieg, ist vor allem auf das Minenangebot zurück zu führen. Mit einem fast vierprozentigen Produktionsanstieg erreichte die Produktion der Goldminen im Jahr 2011 mit mehr als 2.800 Tonnen ein neues Allzeithoch.

Einige Minen rechnen mit fallenden Preisen

Allerdings verkaufen die Minen inzwischen auch wieder verstärkt Produktionen im Voraus. Das heißt, dass die Minen noch gar nicht gefördertes Gold am Terminmarkt verkaufen, um sich das aktuell hohe Preisniveau zu sichern. Dieses Produzentenhedging wurde in den vergangenen Jahren eingestellt. Die Minen kauften bis 2010 sogar schon verkaufte Terminkontrakte zurück, weil sie auf weiter steigende Preise setzten.
Dass die Minen jetzt wieder im Voraus verkaufen, wenn auch in kleinem Umfang, deutet auf zunehmende Skepsis hin. Offenbar gehen einige Minen von fallenden Preisen aus.

Reuters rechnet im ersten Halbjahr mit nachgebenden Preisen

Das vermutet auch GFMS Reuters. Zumindest im Frühjahr rechnen die Analysten mit einer schwachen Preisentwicklung. Bis jetzt haben sich die Analysten damit geirrt. Der Preis des gelben Metalls stieg in den ersten vier Wochen des Jahres immerhin schon um rund 8%.

Ende 2012 soll Gold neue Preishochs erreichen

Zumindest für das zweite Halbjahr ist GFMS Reuters optimistischer. Angesichts einer weiter ungelösten Schuldenkrise in Europa, einer expansiven Geldpolitik in weiten Teilen der Welt und weitläufig negativen Realzinsen (alias Inflation) rechnen die Analysten mit neuen Allzeithochs zum Jahresende oder Anfang 2013. Das Hoch könne dabei durchaus bei mehr als 2.000 US-Dollar liegen. Kein sonderlich ambitioniertes Ziel. Schließlich reichte der Goldpreis im vergangenen Jahr schon bis auf 80 US-Dollar an diese psychologisch wichtige Marke heran.
Im Durchschnitt soll Gold im Jahr 2012 1.760 US-Dollar und damit 12% mehr als 2011 kosten.

Bedroht die Konjunktur die Gold-Hausse?

Für 2013 rechnet GFMS mit einer wieder anziehenden Konjunktur. Damit einher geht in der Regel eine restriktivere Geldpolitik. Daher geht GFMS Reuters davon aus, dass das Ende der ein Jahrzehnt währenden Gold-Hausse langsam aber sicher nahe kommt.

Dabei ignoriert GFMS drei Fakten:

  1. Erst vor einigen Tagen gab die amerikanische Zentralbank bekannt, dass die Ultra-Niedrigzinspolitik noch bis mindestens 2014 fortgeführt wird. Ähnlich äußerte sich die EZB schon im vergangenen Jahr. Die Realzinsen werden also höchstwahrscheinlich weiterhin negativ bleiben. Und wie wir bereits berichteten (Gold als Krisenschutz), sind Realzinsen von weniger als +2% ausgezeichnete Voraussetzungen für weiter steigende Goldpreise.
  2. Der Goldpreis ist nicht mit der Konjunktur korreliert. Mitte des vorangegangenen Jahrzehnts boomte die Wirtschaft auf der ganzen Welt und der Goldpreis zog dennoch von Hoch zu Hoch. Weshalb sollte nun eine anziehende Konjunktur plötzlich negativ auf den Goldpreis wirken?
  3. Es wird noch immer nur ein sehr kleiner Teil der Ersparnisse in Gold investiert. 80 Milliarden US-Dollar betrugen die Gold-Investitionen im vergangenen Jahr, ein neuer Rekord. Das Netto-Sparvermögen der Menschheit betrug nach Daten der Weltbank zuletzt jedoch knapp 14 Billionen US-Dollar. Es wurden also nur geringe 0,57% der verfügbaren Ersparnisse neu in Gold investiert. Investitionsblasen erreichen für gewöhnlich ganz andere Kaliber.
    Gleichwohl haben sich die Investitionen in Gold in den vergangenen sieben Jahren erheblich vergrößert. Nach den Daten des World Gold Councils wurden im Jahr 2004 erst 6,35 Milliarden Dollar investiert und dafür 475 Tonnen gekauft. Die Investitionssummen stiegen also in sieben Jahren um den Faktor 12,6, die gekaufte Menge Gold um etwa den Faktor 4.

So fundiert die Analysen des Goldmarktes von GFMS Reuters auch sein mögen - die Endzeitprognose erscheint uns überzogen. Angesichts der expansiven Geldpolitik rund um den Erdball und der mangelnden Investmentalternativen dürfte Gold seinen Glanz auch über das Jahr 2012 hinaus behalten.

Übrigens: In den vergangenen Jahren waren die Preisvoraussagen von GFMS Reuters (z.B. für Silber) in den meisten Fällen zu pessimistisch.

© Gold.de
Autor: Thomas Kallwass

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Kommentare [1]
  • von Andre | 12.01.2018, 18:12 Antworten

    SOLLTE MAN DEN ARTIKEL NICHT MAL AKTUALISIEREN!?
    WIR HABEN DAS JAHR 2018.

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