Stand: 22.12.2014 von © Gold.de Redaktion FG/SH 2 Kommentare

Das vorwiegend industriell verwendete Rhodium-Metall führt seit jeher ein Nischendasein unter den Edelmetallen. Das liegt vor allem an der mangelnden Verfügbarkeit an Investmentprodukten, aber auch an den volatilen Preisschwankungen sowie der geringen Liquidität. Schließlich gilt der Rhodiummarkt gilt als der engste, aber auch undurchsichtigste der Edelmetallmärkte. Der Handel findet hier immer noch direkt zwischen Produzenten und Abnehmern statt, dementsprechend hoch ist auch die Geheimhaltung.

Rhodium gehört zur Gruppe der Platinmetallen, hat aber einen höheren Schmelzpunkt (1.964 °C) und eine geringere Dichte als Platin. Es hat ein hohes Reflexionsvermögen und ist sehr hart und langlebig. Darüber hinaus zeichnet es sich durch eine besonders hohe Strom- und Wärmeleitfähigkeit sowie seine hohe Beständigkeit aus. Beim Erhitzen entsteht Rhodiumoxid. Wenn es rot wird bzw. höheren Temperaturen ausgesetzt wird, geht es in den Elementarzustand zurück. Rhodium ist daher ein Hauptbestandteil industrieller Katalysatorsysteme und damit ein unverzichtbarer Rohstoff für die Automobilindustrie, welche für fast 80 % der industriellen Nachfrage nach Rhodium verantwortlich ist. Aber auch die Hightech- und Chemieindustrie benötigt es z. B. für Thermoelemente und die Beschichtung von hochwertigen Spiegeln. Rhodium ist extrem selten und daher eines der teuersten nicht-radioaktive Metalle.

Lediglich rund 25 Tonnen Rhodium werden pro Jahr gewonnen, davon knapp 80 % in Südafrika. Dort sieht sich die Minenindustrie einem erhöhten Risiko von Streiks bzw. Betriebsunterbrechungen ausgesetzt. Aktuell erreichen nicht einmal 45 Prozent der Platin-Produzenten die Gewinnschwelle. Weitere wenn auch geringe Vorkommen finden sich in Russland, Kanada und Simbabwe.

Meist fällt Rhodium bei der Gewinnung von Platin und Palladium, manchmal auch bei Kupfer und Nickel, als Nebenprodukt an. Aufgrund des hohen Preises wird Rhodium sorgfältig recycelt. So konnten in den vergangen Jahren zwischen 20-30 % des jährlichen Angebotes durch das Recycling von Autokatalysatoren zurückgewonnen werden.

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Fundamental betrachtet steht also einem mehr oder weniger gleich bleibenden Angebot eine seit Jahren steigende industrielle Nachfrage gegenüber. Dies soll bis 2020 zu einer Unterdeckung von 530.000 Unzen führen! Dazu kommt ein wachsendes Interesse von Investmentfirmen, welche Rhodium für die physische Hinterlegung ihrer Fonds erwerben. Der bekannteste ETF beispielsweise ist der db Physical Rhodium ETC der Deutschen Bank.

Rhodium Angebot und Nachfrage

Rhodiumangebot 2010 2011 2012 2013
Minenproduktion 22.830 23.794 22.457 22.400
Recycling 7.496 8.616 8.056 8.700
Gesamt 30.326 32.410 30.513 31.100

Rhodiumnachfrage 2010 2011 2012 2013
Chemische Industrie 2.084 2.239 2.519 2.500
Elektroindustrie 124 187 187 200
Fahrzeugkatalysatoren 22.612 22.239 24.323 24.900
Glasindustrie 2.115 2.395 964 1200
Sonstige (u.a. Investmentnachfrage) 653 1.182 2.053 2.800
Gesamt 27.588 28.242 30.046 31.600

Lagerbestände (Puffer) 2.738 4.168 467 -500

Angaben in Kilogramm, Quelle: Johnson Matthey


Preistechnisch erreichte der Rhodiumpreis am 19. Juni 2008 mit 10.100 US-Dollar ein absolutes Allzeithoch. Im Zuge des direkt folgenden Deflationsschocks 2008 brach der Preis dann völlig in sich zusammen und erreicht erst bei knapp 1.000 US ein Tief. Daraufhin folgte eine größere Erholung, welche im April 2010 bei knapp 3.050 US endete. Im Anschluss übernahmen die Bären wieder das Ruder und drückten den Rhodiumpreis im Dezember 2013 bis auf ein 10-Jahrestief bei knapp 890,20 US.

Im laufende Jahr konnten sich die Notierungen aber deutlich erholen und erreichten Mitte August 2014 bereits die Marke von 1.475 US. Seitdem korrigierte der Rhodiumpreis wieder deutlich und notiert aktuell bei 1.175,10US für eine Feinunze 1 oz Rhodium.

Rhodiumkurs - Stand Dezember 2014

Rhodiumkurs in Dollar am 11.12.14
Rhodiumkurs in Dollar am 11.12.14

Rhodiumkurs in Euro am 11.12.14
Rhodiumkurs in Euro am 11.12.14
rohdiumpreis-auftrend

Charttechnisch lässt sich dieser enge Markt nur schwer auswerten. Allerdings ist doch auffällig, dass die dreijährige Bodenbildungsphase mit dem Überschreiten der 1.000 US Marke sowie dem steilen Anstieg in diesem Sommer wohl abgeschlossen wurde. Aktuell läuft der obligatorische Test des Ausbruchlevels. Dieser könnte noch bis maximal zum 61,8 % Retracement der Aufwärtsstrecke bei ca. 1.115 US weitergehen. Da aber die 200-Tagelinie (aktuell 1.197,25 US) ganz klar bullisch nach oben läuft, ist das Abwärtsrisiko begrenzt und der Rhodiumpreis sollte bereits vorher wieder nach oben drehen können. Dass der Aufwärtstrendkanal verlassen wurde, ist zwar nicht optimal, eine Verkaufsdynamik ist aber seitdem nicht aufgekommen. Zudem ist der RSI-Indikator mittlerweile klar überverkauft.

Mittelfristig lässt sich technisch betrachtet zunächst ein Kursziel von ca. 2.000 US/Feinunze ausmachen. Darüber liegt der nächste Widerstand bzw. die nächste Zielmarke bei ca. 3.000 US. Kurse unterhalb von 1.100 US sind aufgrund er abgeschlossenen Bodenformation nicht mehr zu erwarten.

Investment in Rhodium sinnvoll?

Zusammengefasst erscheint ein Investment in Rhodium hoch interessant. Das Metall notiert immer noch knapp 88 % unter seinen Hochständen aus dem Jahre 2008, obwohl die fundamentalen Kennzahlen auf einen äußerst engen Markt schließen lassen. Damit bietet Rhodium auf Sicht von 3-8 Jahren jede Menge Kursphantasie.

Dass Rhodium aktuell günstig ist, lässt sich auch im Verhältnis zum Goldpreis ablesen. Obwohl das Metall fast 100mal seltener ist als Gold kostet es aktuell 45 US weniger pro Feinunze. Wer Rhodium kaufen möchten, hat die Möglichkeit in Rhodiumbarren oder Rhodiumpulver (industriell besser weiterverarbeitbar) zu investieren.

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Kommentare [2]
  • von Opalaoma | 22.12.2014, 11:42 Antworten

    In meinen Augen ein zu unrecht verachtetes Edelmetall. Wer vor einem Jahr Rhodium physisch erworben hat, kann einen Gewinn in Dollar von über 30% und in ? sogar über 50% verzeichnen.

  • von Maciej | 02.01.2015, 05:12 Antworten

    Was im Artikel unerwähnt bleibt, sind die enorm hohen Speads beim physischen Kauf. Die ESG verlangt aktuell bspw. für 100g Rhodiumpulver 4561 Euro, beim Ankauf werden aber nur 3049 Euro gezahlt. Das macht einen Spread von fast 50%!

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