Stand: 31.07.2016  5 Kommentare

Auf Hochtouren laufen derzeit die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Auch bei der brasilianischen Münzprägeanstalt wird dieser Tage rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb gearbeitet. Denn dort werden die mehr als 5.000 Gold-, Silber und Bronzemedaillen für die Top-Athleten der Welt angefertigt. Doch wie viel Gold und Silber steckt tatsächlich in den begehrten Trophäen?

Nach Angaben der Veranstalter der Olympischen Spiele 2016 werden in Rio de Janeiro zwischen dem 5. und 21. August genau 2.488 Gold-, Silber- und Bronzemedaillen an die besten Athleten dieser Welt vergeben. Und im Anschluss bei den Paralympischen Spielen zwischen dem 7. bis 18 September dürfen sich die Teilnehmer auf zusammen 2.642 Siegermedaillen freuen.

Die brasilianische Münzprägeanstalt (Casa da Moeda do Brasil) ist derzeit also damit beschäftigt, insgesamt 5.310 Gold-, Silber- und Bronzemedaillen herzustellen. Den Informationen zufolge wurden die Metalle für die Produktion der Siegermedaillen entweder aus recyceltem Material gewonnen oder ausschließlich aus konfliktfreien Minen ohne den Einsatz von Quecksilber gefördert.

Selbst die bunten Bänder, an denen die Medaillen um die Hälse der Athleten gehängt werden, sollen zur Hälfte aus alten, recycelten Plastikflaschen fabriziert worden sein. Alles in allem, so hieß es, sollen für die Herstellung der Medaillen rund 2,5 Tonnen an verschiedenen Metallen, darunter Gold, Silber, Kupfer und Zink verarbeitet werden.

Jede der Gold-, Silber- oder Bronzemedaillen soll ein Gewicht von 500 Gramm aufweisen. Damit wiegen die begehrten Siegertrophäen in diesem Sommer in etwa 20 Prozent mehr als bei den letzten Spielen in London und mehr, als Medaillen jemals bei Olympischen Spielen zuvor auf die Waage gebracht haben. Allein schon bei den zirka 1.600 Goldmedaillen beläuft sich das auf ein Gewicht von um die 800 kg.

Vorausgesetzt diese bestünden tatsächlich vollumfänglich aus Gold, würden diese bereits mit einem Gegenwert von deutlich mehr als 30 Millionen Euro zu Buche schlagen. Eindeutig zu teuer, sagt Victor Hugo Berbert in seiner Funktion als Produktionsleiter der Medaillen bei der brasilianischen Prägeanstalt. 

Wie viel Gold und Silber tatsächlich in den Olympischen Medaillen des Jahres 2016 steckt, das hat der Münzexperte Berbert jetzt im Gespräch mit dem Gold- und Silberhändler KItco aus dem Nähkästchen geplaudert.

Olympische Goldmedaillen enthalten nur sechs Gramm Gold

Zwar sind die Zeiten, als Olympische Goldmedaillen noch komplett aus Gold bestanden, schon seit mindestens 100 Jahren vorbei. Dennoch ist es überraschend zu hören, dass die Medaillen für das höchste Siegertreppchen in Rio de Janeiro lediglich einen Goldanteil von 1,2 Prozent aufweisen.

In anderen Worten ausgedrückt bedeutet dies, dass die 500 Gramm schweren Goldmedaillen nur einen Anteil von sechs Gramm reinem Gold enthalten. Und der Rest? Laut Produktionsleiter Berbert bestehen die verbleibenden 494 Gramm aus Silber mit einem Feingehalt von 92,5 Prozent (925er Silber).

Nüchtern betrachtet sind die Medaillen für die erstplatzierten Athleten also vergoldete Silbermedaillen. Bei einem Goldpreis von derzeit rund 38,60 Euro pro Gramm summiert sich der Goldwert dieser Medaille also auf knapp 232 Euro. Und bei einem derzeitigen Silberpreis von rund 0,57 Euro pro Gramm kommt man auf einen Silber-Materialwert von rund 282 Euro.

 Der Schmelzpreis der höchsten Auszeichnung bei den Olympischen Spielen in diesem Jahr beträgt nach aktuellen Preisen demnach 514 Euro. Allein der Materialwert aller der in Rio de Janeiro zu vergebenden Goldmedaillen kratzt somit an der 1-Millionenmarke.

Wie viel Silber steckt in den Silbermedaillen?

Dem Münzexperten Berbert zufolge, der nach eigenen Angaben gemeinsam mit einem rund 100-köpfigen Team aus Ingenieuren, Designern, Künstlern und Projektmanagern für die Herstellung der Siegermedaillen verantwortlich zeichnet, verhält es sich bei den Medaillen für die jeweils zweitplatzierten Athleten deutlich unkomplizierter.

Denn die Silbermedaillen bestehen vollumfänglich aus Silber mit einem Feingehalt von 92,5 Prozent. Damit kommen die Silbermedaillen jeweils auf einen reinen Materialwert von knapp 285 Euro. Der Schmelzpreis aller sowohl bei den Olympischen als auch den Paralympischen Spielen zu vergebenden Silbermedaillen summiert sich somit auf rund eine halbe Million Euro.

 Allerdings, und das gilt für alle bei Olympischen Spielen zu vergebenden Siegermedaillen, kann der Wert solcher Medaillen natürlich nicht allein auf das verarbeitete Material reduziert werden. Der "intrinsische" Wert von Gold-, Silber- oder Bronzemedaillen für die teilnehmenden Athleten, deren Angehörige oder die jeweiligen Herkunftsländer der Sportler geht weit über den Schmelzpreis der verarbeiteten Metalle hinaus.

Und damit wären wir zu guter Letzt auch bei den Bronzemedaillen angelangt. Für die drittplatzierten Top-Athleten in Rio de Janeiro werden Medaillen aus einer Kupfer-Zink Legierung bereit gestellt. Laut Berbert enthalten die Bronzemedaillen 475 Gramm 93,7-prozentiges Kupfer sowie 25 Gramm Zink. 

Hier den Materialwert zu berechnen ist müßig. Doch der Vollständigkeit halber soll hier der aktuelle Kupferpreis genannt werden: Zum Zeitpunkt des Schreibens kostete ein Kilogramm Kupfer 4,44 Euro.

Siegesgöttin Nike bekommt auf den Medaillen "brasilianische Kurven"

Alle bei den diesjährigen Spielen zu vergebenden Siegermedaillen weisen einheitliche Ausmaße auf. Sowohl die Gold-, die Silber- und Bronzemedaillen haben einen Durchmesser von jeweils 85 Millimetern, sind in der Mitte 11 Millimeter hoch und haben an den Rändern eine Dicke von sechs Millimetern.

Das Design des Bildmotivs der Medaillen lehnt sich an die seit dem Jahr 2004 verwendete mythologische Siegesgöttin Nike an, wie sie nun bereits zum vierten Mal auf den Olympischen Medaillen in Erscheinung tritt. Allerdings hat sich der entwerfende Künstler eine Besonderheit ausgedacht, mit der die Siegermedaillen einen speziellen brasilianischen Anstrich bekommen. Der heute 60-jährige brasilianische Bildhauer Nelson Carneiro, der sowohl die Motiv- als auch die Schriftseite der Olympischen Medaillen entworfen hat, soll sich bei der Ausgestaltung der Siegesgöttinan der sinnlichen Seite der Stadt Rio de Janeiro sowie an den körperlichen Eigenschaften von brasilianischen Frauen orientiert haben. 

Dem Nachrichtenportal Enco zufolge sagte Carneiro, Rio de Janeiro sei durch das Meer und die Hügel eine Stadt voller Rundungen, "gerade so, wie der Körper der brasilianischen Frau". Deshalb habe er auf den Medaillen die Siegesgöttin Nike mit stärkeren Kurven ausgestattet. "Ich habe ihr größere Oberschenkel und Hüften verpasst", ergänzte Carneiro. Auch das kann man sicherlich unter der Rubrik "intrinsischer" Wert der Olympischen Medaillen laufen lassen.

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Kommentare [5]
  • von Metallurge Manfred | 12.08.2016, 17:17 Antworten

    Bronze=Kupfer+Zink
    Messing=Kupfer+Zink
    -> Bronze=Messing !

    • von Hans | 12.08.2016, 23:45 Antworten

      Verstehe ich nicht. Ich meine:
      Kupfer und ZINN = Bronze
      Kopfer und ZINK = Messing

    • von Feinmechaniker Herbert | 12.08.2016, 21:02 Antworten

      Bronze = Kupfer + Zinn
      also ist Bronze NICHT GLEICH Messing

  • von Hans | 08.08.2016, 13:42 Antworten

    Ich lese auf der IOC-Website:
    "Meanwhile, the gold medals are completely free of mercury."
    Das würde doch den Schluss nahelegen, dass IN Gold (geringer Reinheit) Quecksilber enthalten sei oder enthalten sein könnte. Trifft das zu? Oder ist das nur schlampig formuliert, weil gemeint ist, dass bei der Gewinnung des Goldes für Goldmedaillen kein Quecksilber eingesetzt wurde?
    Um es auf den Punkt zu bringen: Kann in Gold (welcher Form auch immer) Quecksilber enthalten sein?
    Link: https://www.olympic.org/rio-2016-medals

    MfG
    Hans
    Hans

    • von Hans | 12.08.2016, 23:46 Antworten

      Schade, dass es darauf keine Antwort der Redaktion gibt.

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