Stand: 30.10.2016  0 Kommentare

Vor knapp einem Jahr war ein Schweizer Landwirt auf seiner Obstplantage über einen großen Münzschatz aus römischer Zeit gestolpert. Jetzt kann ein Teil der mehr als 4.000 römischen Münzen im Museum bestaunt werden.

Unter strengster Geheimhaltung hatten Archäologen zwischen September und Anfang November vergangenen Jahres auf einer Obstplantage in Ueken im Kanton Aargau in der Schweiz insgesamt 4.116 römische Münzen aus der Zeit um 295 nach Christus ausgegraben (wie hier berichtet). Der umfangreiche Münzschatz gilt als einer der größten seiner Art, der jemals in der Schweiz gehoben werden konnte. Noch immer dauert die Auswertung des Fundes an. Bislang konnten lediglich rund 1.600 der antiken Münzen einer Reinigung und einer Durchsicht unterzogen werden. Ein guter Teil davon wird jetzt erstmals öffentlich gezeigt und kann im Vindonissa-Museum in Brugg im Kanton Aargau bewundert werden.

Münzschatz von Ueken stammt aus Zeit "mit viel schlechtem Geld"

Unterdessen geht die Reinigung, Inventarisierung, Restaurierung und Bestimmung der verbleibenden römischen Münzen weiter. Allein die Reinigung kann eine Stunde pro Münze in Anspruch nehmen, heißt es dazu im Schulfernsehen des schweizerischen Senders SRF. Dabei werden die Münzen eine nach der anderen im Labor mit einem Sandstrahl- und Ultraschallgerät von Erdablagerungen und der grünlich schimmernden Korrosion befreit. Ein Aufwand, der sich für die Archäologen offenbar bezahlt macht. Der Münzschatz von Ueken sei "ein ganz wichtiges Zeugnis für den römischen Geldumlauf", sagte Rahel Ackermann, Leiterin des Inventars Fundmünzen Schweiz, gegenüber der Aargauer Zeitung (AZ). Das Ende des 3. Jahrhunderts sei eine Zeit politischer Unruhen und wirtschaftlicher Unsicherheit "mit viel schlechtem Geld" gewesen, so Ackermann. Deshalb sei der Münzschatz von Ueken etwas Besonderes, denn er bestehe aus hochwertigen Bronzemünzen mit einem Silberanteil von fünf Prozent. Das sei das beste Geld gewesen, das damals zu erhalten gewesen sei, ergänzte Ackermann dem Nachrichtenportal Swissinfo zufolge.

Münzen mit relativ hohem Silbergehalt

Welchen Wert diese Münzen zu der damaligen Zeit hatten, beziehungsweise welcher Wert man dem kompletten Münzschatz zuordnen kann, lässt sich aufgrund der damals herrschenden galoppierenden Inflation im Römischen Reich allerdings nur schwer bestimmen. "Den Umrechnungskurs dieser Zeit in Aurei, (den) römischen Goldmünzen, kennen wir jedoch nicht", gab Inventarin Ackermann zu bedenken. Der Münzschatz besteht vollumfänglich aus so genannten Antoninianen, also römischen Silbermünzen, aus der Zeit zwischen 274 und 295 nach Christus. Ungewöhnlich ist bei diesen Münzen ihr relativ hoher Silbergehalt, da Antoniniane gegen Ende des 3 Jahrhunderts nur noch aus reiner Bronze hergestellt wurden. Goldmünzen habe es zu dieser Zeit zwar auch noch gegeben, erklärte Ackermann, doch Antoniniane wie diejenigen aus Ueken seien im Alltag das wichtigste Geld gewesen. Allerdings gehen Experten davon aus, dass die in Ueken gefundenen Münzen niemals in Umlauf gegangen sind. Vielmehr glaubt man, dass diese Antoniniane recht bald nach ihrer Prägung vor rund 1.700 Jahren aus dem Verkehr gezogen und kurz nach 294 nach Christus - dem Prägejahr der jüngsten Münzen - vergraben worden sind.

Römischer Münzschatz bringt 15 Kilogramm auf die Waage

Darauf deute der gute Erhaltungszustand hin, denn die Münzen seien nahezu prägefrisch, es gebe kaum Gebrauchsspuren, hieß es. Sowohl die Prägungen auf der Vorder- als auch der Rückseite seien gut lesbar. Laut Ackermann konnte man bislang 18 historische Personen auf den Münzen ausmachen, darunter befänden sich elf ehemalige römische Kaiser. Der Großteil der bisher untersuchten Münzen wurde demnach in Rom, Pavia und Sisak im heutigen Kroatien geprägt. Insgesamt bringt der gehobene Münzschatz gut 15 Kilogramm auf die Waage. Und genau das nahm sich der Aargauer Regierungsrat Alex Hürzeler bei der feierlichen Eröffnung der Ausstellung zu Herzen. Erst lobte er den Obstbauer, der den Fund an die Kantonsarchäologie gemeldet hatte, dann überreichte er als Finderlohn zwei Säcke voll mit je 500 Fünflibern, also 1.000 Fünffrankenstücke, die zusammen mit rund 15 Kilogramm zu Buche schlagen und in etwa gleich schwer sind wie der römische Münzschatz. Ein selten gearteter Finderlohn für einen ebenso seltenen Fund. Der römische Münzschatz von Ueken wird noch bis Anfang September 2017 im Vindonissa-Museum zu sehen sein.

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