Stand: 09.02.2018 von Egmond Haidt 5 Kommentare

Auf den ersten Blick gibt es etliche Gründe, weshalb der Goldpreis sinkt. Wenn man sie sich aber näher anschaut, sieht man, dass das nur scheinbar einleuchtende Erklärungen sind. Nichts desto trotz kann niemand vorhersagen, wie lange die Notierung des Edelmetalls schwächeln wird.

Der Goldpreis ist unter Druck und nähert sich zusehends der Marke von 1.300 Dollar je Unze. Experten führen den Rückgang unter anderem auf die steigenden US-Zinsen und die Erholung des Dollar zurück.

Zuletzt bekamen die US-Zinsen Auftrieb, weil sich US-Präsident Donald Trump und seine regierenden Republikaner mit den oppositionellen Demokraten auf einen Haushalt für zwei Jahre geeinigt haben, demnach die Schulden um zusätzlich 300 bis 400 Mrd. Dollar steigen sollen. Damit und wegen der Steuerreform sollen die Schulden in den kommenden zehn Jahren um insgesamt 1,7 Billionen Dollar zusätzlich zu den ohnehin geplanten 10,1 Billionen Dollar klettern.

Zwar gibt es immer mal wieder Abgeordnete von den Republikanern die behaupten, sie würden kräftig steigende Schulden ablehnen. Wenn es dann aber zur Abstimmung kommt, sind sich Republikaner und Demokraten immer einig, dass die Schuldensause weitergehen muss.

Steigende US-Zinsen bringen Aktienmarkt in die Bredouille

Diese Schuldenschwemme macht Investoren nervös, weil sie die Inflation anheizen dürfte. Daher verkaufen Investoren US-Anleihen, woraufhin der Zins für zehnjährige US-Anleihen nach oben schießt und sich rapide der Marke von 3,0 Prozent nähert. Das Problem ist, dass die dynamisch steigenden Zinsen plötzlich den Aktienmarkt belasten.

Nachdem der S&P500 durch die jahrelang sehr niedrigen Zinsen auf immer neue Rekordhochs getrieben worden ist, steigt nun die Wahrscheinlichkeit, dass sich bei steigenden Zinsen die Spirale am Aktienmarkt plötzlich nach unten dreht. Was könnte aber passieren, wenn Investoren gleichzeitig aus Anleihen und aus Aktien flüchten?

Das sollte eigentlich den Goldpreis als sicheren Hafen beflügeln, oder?

Zwar belasten steigende Zinsen auf den ersten Blick den Goldpreis, auf den zweiten Blick sprechen sie aber für steigende Goldpreise. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Notierung des Edelmetalls zuletzt nicht von der Berg- und Talfahrt beim S&P500 profitiert hat, sondern unter Druck war.

Kleine Gegenbewegung beim Abwärtstrend des Dollar

Wegen der steigenden US-Zinsen haben Investoren zuletzt beim Dollar zugegriffen, weshalb er etwas gestiegen ist gegenüber dem Euro, was wiederum den Goldpreis belastet hat. Viele Investoren sollten allerdings wissen, dass es sich beim Anstieg des Dollar nur um eine Erholung im Abwärtstrend handeln dürfte.

Trotz der jüngsten Erholung notiert der Dollar Index, der die Entwicklung des Dollar gegenüber sechs wichtigen Währungen, wie Euro, Yen, Schweizer Franken und britischem Pfund abbildet, in der Nähe des niedrigsten Niveaus seit Dezember 2014.

Auch beim Dollar gilt es also, zwischen der sehr kurzfristigen Entwicklung nach oben und der mittel- und langfristigen nach unten klar zu unterscheiden. US-Präsident Donald Trump und sein Finanzminister Steven Mnuchin werden zudem weiterhin alles tun, um den Dollar zu schwächen - das ist meine feste Überzeugung. Umso mehr schauen Investoren darauf, wann der Dollar wieder nach unten drehen könnte.

GroKo ist auf dem Irrweg

Ebenso wie der Dollar ist der Euro reines Fiat-Geld. Und ebenso wie Trump versucht den Dollar zu schwächen, versucht EZB-Chef Mario Draghi mit gigantischem Gelddrucken den Euro zu schwächen. Angeblich wachse die Wirtschaft in einem Umfeld einer Inflation von knapp unter zwei Prozent besonders gut, so Draghi.

Warum das allerdings zwei Prozent sind, und nicht ein Prozent, oder drei oder sechs, hat Draghi nie erklärt. Viele Investoren dürften vergessen haben, dass Notenbanken früher kein Inflationsziel von zwei Prozent hatten, sondern stabile Preise angestrebt haben. Das ist aber etwas ganz anderes als zwei Prozent. Die US-Notenbank hat erst am 25. Januar 2012 ihr Inflationsziel von zwei Prozent eingeführt. Vorher gab es etwas derart Absurdes nicht. Aber wieder zurück zum Euro und damit zur Großen Koalition in Deutschland.

Viele Experten kritisieren die Pläne der GroKo scharf. „Union und SPD bewegen sich deutlich auf die europäischen Ideen des französischen Präsidenten Macron und des EU-Kommissionspräsidenten Juncker zu“, schrieb Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

„Nach unserem Eindruck wandelt sich die Währungsunion zu einer Transferunion“, fügte der Experte hinzu.

Sein Kollege Stefan Bielmeier von der DZ Bank stößt in das gleiche Horn. „Worauf das in Europa hinauslaufen wird ist schon absehbar: (Noch) weniger Haushaltsdisziplin, weniger Kontrolle, dafür mehr Ausgaben und einen Einstieg in die Transferunion“, schrieb Bielmeier.

Angesichts dieser Aussicht dürfte der Euro eine Weichwährung bleiben.

Viele Investoren dürften die US-Zinsen, den Aktienmarkt und den Dollar weiter genau beobachten. Der jüngste Kursrückgang des Goldpreisentwicklung dürfte bei vielen Anlegern einmal mehr die Überzeugung schüren, dass er nur auf die Manipulation einiger im Sinne der Notenbanken agierenden Banken zurückzuführen sei. Wie lange wird in dem nervöser werdenden Umfeld der Goldpreis noch unter Druck sein?

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Rückgang des Goldpreises macht gar keinen Sinn
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [5]
  • von blo-rakane | 11.02.2018, 10:43 Antworten

    Der Gold und Silbermarkt wurde und wird nachweislich manipuliert (.z.B.: Deutsche Bank will 60 Millionen US-Dollar zahlen wegen der groß angelegte Goldpreis-Manipulation /Quelle Gold..de)
    Deswegen macht es keinen Sinn wegen dem Thema zu lamentieren. Des Weiteren gibt es ein Land, was über die Weltleitwährung verfügt, welches dadurch nach belieben so gut wie alles am Rohstoffmarkt manipulieren kann . Erst wenn der $ als Leitwährung fällt,(China/Russland arbeiten daran) wird sich der Rohstoffmarkt nach Angebot und Nachfrage ausrichten. Es sei erwähnt , dass die USA damals einseitig Vertragsbruch begonnen hatten, als sie den Goldstandart des $ einseitig kündigten (Nixon-Schock) Und wo war der Aufschrei der Vasallenstaaten die damals das „Bretton-Woods-Abkommen“ unterzeichnet hatten?
    Wenn die Rollenverteilung in der Welt wie sie zur Zeit vorherrschen bleibt , wird alles so weiter gehen, wie es im Sinne des Imperiums USA obliegt.

  • von Bonnie | 09.02.2018, 18:57 Antworten

    Rückgang des Goldpreises macht gar keinen Sinn ?
    Macht Sinn, ist aber für uns nicht nachvollziehbar, da im großen Stil manipuliert wird.
    Bis dahin können unsere Experten nur aus der Glaskugel lesen, aber niemals einen reellen Trend vorhersagen.
    Dies ändert sich erst wenn der Goldpreis auf dem Markt nach Angebot und Nachfrage gehandelt wird. Könnte mit dem Gold Yaun kommen, aber selbst China würde sich dann mit massenhaft Staatsanleihen in USD ins Knie schießen.
    Also wird es so bleiben bis zu einer tiefgreifenden Wirtschaftskriese kommt.

    • von Christian G | 10.02.2018, 16:54 Antworten

      Wer mit Gold spekuliert, hat andere Ziele als Anleger. Für viele hier ist der aktuelle Goldpreis egal. Der wahre Wert zeigt sich zum rechten Zeitpunkt. Lieber Gold haben und nicht brauchen, als brauchen und keines haben. Wie eine Versicherung.

  • von bling bling | 09.02.2018, 18:22 Antworten

    bingo.
    und öl nicht vergessen.

  • von Christian G | 09.02.2018, 16:40 Antworten

    Wenn der Dollar gegenüber dem Euro um 5% abwertet, und der Goldpreis in Dollar im gleichen Zeitraum um 5% steigt, dann ist das lediglich dem Wechselkurs geschuldet.

    Wenn der Dollar zum Euro um 5% abwertet, und der Goldpreis in Dollar trotzdem um 10% steigt, dann steigt auch der Goldpreis in Euro um 4,5 %. Das heißt, dass wechselkursbereinigt das Gold im Wert 4,5 % gewonnen hat (davon ausgehend, dass die Kaufkraft des Euros gleich bleibt).

    Wenn die Kaufkraft des Euros um 5% sinkt, dann bedeutet dies (ins vorherige Beispiel eingerechnet), dass Gold real 0,5% Wert verloren hat, der Dollar allerdings 10,3 %.

    Schlussendlich kann man sagen, dass immer entscheidend ist, was man für eine Unze Gold kaufen kann. Gold gegen Ware. Alles andere sind nur Wechselkurse.



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