Stand: 12.09.2015 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Derzeit geht es in deutschen Landen massenmedial ja scheinbar nur noch um das Thema Flucht und Asyl. Alle anderen Themen scheinen von diesem Mega-Trend in den Hintergrund gedrängt zu werden. Wie auch immer, die Themen Eurokrise oder Krise in Griechenland kommen überhaupt nicht mehr, oder nur noch am Rande in die Berichterstattung.

Rücktritt von Alexis Tsipras

Wenn überhaupt die Griechen in diesen schicksalhaften Tagen der Krise in den Fokus kommen, dann ist es wieder und immer wieder nur das Thema Flucht und Asyl. Dann geht es um die gigantische Zahl an Menschen, die auf Lesbos, Kos oder anderen Inseln ankommen. Derweil ging völlig unter, dass an der politischen Front der griechische Premier Alexis Tsipras seinen Rücktritt verkündet hat. Auch der Termin für Neuwahlen steht fest. Diese soll es am 20. September geben. Zunächst wird das Land von der Richterin Vasiliki Thanou-Christofilou geführt. Jüngsten Umfragen zufolge könnte die Syriza-Partei von Alexis Tsipras zwar die Neuwahlen knapp gewinnen. Aber es scheint fraglich und zweifelhaft, ob es für den Ex-Premier zur absoluten Mehrheit reichen wird.

Neue Verhandlungen in Sicht?

Im Wahlkampf spricht sich Herr Tsipras derweilen trotz der Vereinbarungen zum dritten Sparpaket mit den Gläubigen für neue Verhandlungen aus. In einer Ansprache bei der Internationalen Messe in Thessaloniki versprach Tsipras, er wolle mit seiner Regierung eine Schuldenerleichterung erreichen. Auch seien dringende Verbesserungen der geplanten Reformen nötig, um die Arbeitslosen und armen Familien zu entlasten. Wörtlich sagte er:

"Die Schlacht um seine Verbesserung ist noch längst nicht vorbei."

Auf der Messe stellte Tsipras das Programm seiner linken Syriza-Partei in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Arbeit und Verwaltung vor, das er als erneuter Regierungschef verfolgen würde. Diese politischen Pläne ähnelten vorherigen von anderen Regierungen, die diese mit Ausnahme aber niemals umgesetzt hätten, sagte Tsipras.

Realwirtschaft bricht weiter ein

Derweil sieht es es an der realwirtschaftlichen Front in Griechenland weiter düster aus. Die Volkswirte der krisengeplagten Eurobank sagen für die Abschlussquartal des Jahres 2015 wenig Erfreuliches vorher. Die Ökonomen schätzen jedenfalls, dass der Rückgang der Investitionen im Krisenland ein Anzeichen für eine wahrscheinliche Schrumpfung der Wirtschaftsaktivität in der nahen Zukunft ist.

Abgesehen von dem Umstand, dass der Rückgang der Investitionen die Nachfrage senkt, stellt er den Analysten zufolge auch ein Hindernis für das Wirtschaftswachstums in der Zukunft dar. Der Grund liegt den Experten zufolge darin, dass natürliche Kapitalbildung dadurch deutlich verlangsamt werde. Betreffe der Rückgang der Investitionen hauptsächlich Kapitalgüter, die einen technologischen Fortschritt beinhalten, könne er dann den Ökonomen der Eurobank zufolge zusätzlich einen Rückgang der Gesamtproduktivität verursachen. Kurzum, ein alles andere als erbauliches Szenario. Insofern verwundert es wenig, wenn die Analysten auf die massive Schrumpfung der griechischen Wirtschaft hinweisen. Fakt ist ja demnach, dass im Verhältnis zu dem Hoch des zweiten Quartals 2007 das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Griechenland um fast 26 Prozent geschrumpft sei. Aktuell befindet sich das Krisenland im Süden Europas auf einem ähnlichen Niveau beim BIP wie im zweiten Quartal 2000. Das ist wahrlich eine epochale Schrumpfung.

Unternehmen beenden die Geschäftstätigkeit

Noch dramatischer ist allerdings die Prognose des Zentralen Dachverbands der Freiberufler, Gewerbetreibenden und Kaufleute in Griechenland. Laut der letzten Untersuchung des "Instituts für Kleinunternehmen des Dachverbands der Gewerbetreibenden, Handwerker und Kaufleute Griechenlands" (IME-GSEVEE) ist die Lage derart schlecht, dass im zweiten Halbjahr des laufenden Jahres 63.000 - hauptsächlich Klein- und mittelständische - Unternehmen die Schließung und das Ende des Geschäftsbetriebs erwägen. 138.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

Massiver Rückgang der Investitionen

Und auch aus dem Bericht von der Basis der Realwirtschaft geht hervor, dass in dem Krisenland nichts mehr investiert wird. Im Gegenteil, es wird abgebaut. Der Desinvestitions-Index liegt auf hohem Niveau. Fast die Hälfte plant demnach eine Senkung der Investitionen; nicht einmal fünf Prozent sind an einer Steigerung interessiert. Anders formuliert, der deflationäre Teufelskreis bleibt leider intakt.

Wenig überraschend also, dass der Untersuchung zufolge 41,1 % der Unternehmen erklären, dass es sehr wahrscheinlich sei, im kommenden Halbjahr Löhne oder Arbeitszeiten zu senken. Fast die Hälfte aller Unternehmen ist ferner derzeit nicht in der Lage, die Löhne pünktlich zu zahlen. Das ist schon wahrlich dramatisch, wenn man bedenkt, dass jedes vierte Unternehmen in jüngster Vergangenheit die Löhne der Mitarbeiter kürzen musste. Die Firmen leiden nach wie vor zudem an den verhängten Kapitalverkehrskontrollen. Diese hätten massive Einbussen bei den Erlösen als unmittelbare Folge. 84,5 Prozent der Firmen beklagen folglich einen Rückgang der Nachfrage; mehr als drei Viertel der Betriebe müssen einen deutlichen Einbruch der Auftragseingänge hinnehmen. Die Liquiditätslage habe sich demnach bei fast 82 Prozent der griechischen Firmen verschlechtert.

Anders formuliert, dem Land, der Privatwirtschaft, den Menschen in Griechenland geht es weiter sehr schlecht. Ob der gordische Knoten der deflationären Abwärtsspirale von einer neuen Regierung rasch durchtrennt werden kann, ist sehr zu bezweifeln. Fraglich ist und bleibt weiter, ob es nicht besser wäre, wenn die Griechen am Ende doch den Ausstieg aus dem Euro wagen.

Interessant ist jedenfalls, dass der FDP-Chef, Christian Lindner, nunmehr für einen Grexit plädiert. Herr Lindner kritisierte die Griechenland-Politik der Bundesregierung scharf und forderte einen Euro-Austritt des Landes nach der Neuwahl. Weil Griechenland überschuldet und politisch gelähmt sei, verschenken wir Milliarden ohne Aussicht auf Erfolg, sagte der FDP-Chef gegenüber der "Bild"-Zeitung.

Ehrlicher wäre ein Schuldenschnitt und Reformen außerhalb des Euro, so die Meinung von Christian Lindner. Ob diese ehrliche "Variante" aber am Ende in der EU mehrheitsfähig und durchgesetzt werden wird, ist allerdings stark zu bezweifeln. Zumindest aus heutiger Sicht der Dinge.

Griechisches Drama geht weiter...
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [1]
  • von alexandros m. pfaff | 14.09.2015, 09:44 Antworten

    Was im nationalen und internationalen Medienverkehr(t) grundsätzlich als Tabuthema außen vor gelassen wird, ist die Tatsache, daß alle Regierungen spätestens seit Beginn der Memoranden wegen Hochverrats illegal, also null und nichtig waren und sind! Speziell im Fall des Pseudolinken, Tsipras, haben wir es mit dem größtmöglichen Hochverrat aller zu tun, da dieser zum demokratischen Mitel der Volksbefragung gegriffen hat und dann aus dem klaren OXI (NEIN) ebeneinfach ein "wir konnten nicht anders als unterschreiben - JA" interpretiert bzw. geformt hat! Dies allein ist Grund genug, um, entsprechend der GR-Verfassung sofort alle beteiligten zu verhaften und wegen Landeshochverrats zu verurteilen! Sattdessen, und weil eben auch in GR die NWO und der Weltzionismus tief seine Hände im Spiel des Geschehens hat bzw. a priori die Fäden zieht (man beachte, daß 99% aller Politiker, die in ministerielle Posten gelangen grundsätzlich jüdischer Abstammung sind, was ja allein gar nicht schlimm wäre, sondern sie sind eben auch in Logen verpflochtene Zionisten und hier liegt der Hase im Pfeffer!), werden alle Hochverrats-Taten einfach ignoriert und business as usual gemacht: Man spielt einfach das Spielchen der legitimierten Regierung weiter und verkündet dann auch noch Neuwahlen! Welch eine Farce, Neuwahlen, um wen zu wählen, wen von dem illegalen, kriminellen Pack welches sich einmal wieder zur pseudo-demokratischen Neuwahl stellt??? Gerade ist der Volkswille zu 100% übergangen worden und nun will man sich wieder pseudo-legtimisieren??? Mit Wahlen von kriminellen Zionisten, Wölfen verkleidet in Schafsfellen??? Nicht ein einziges Mitglied des Parlaments ist unbefleckt bzw. des Hochverrats nicht schuldig und ähnlich sieht es mit den meisten zur Wahl stehenden Personen auch aus anderen Parteien aus. Und jene, die "sauber" sind, haben ohnehin keine Chance über die %-Hürde ins Parlament zu gelangen und selbst wenn, hätten sie dort nichts zu melden gegen die etablierten Kriminellen! Also wen oder was wählen, wo gerade klar ein NEIN zur Austerität "gewählt" aber ignoriert wurde!

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