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Stand: 14.04.2022 von Hannes Zipfel
Einen Monat nach dem der Branchenverband LBMA den Handel mit russischen Goldbarren in London und Zürich aussetzte, wurden nun zwei im russischen Staatsbesitz befindliche Platin- und Palladium-Raffinerien von der Handelsliste des Schwesterverbandes LPPM gestrichen. Davon ist auch der größte Palladium-Produzent der Welt betroffen.
Russisches Platin und Palladium vom Handel suspendiert

Ohne Gütesiegel kein Handel

Im außerbörslichen Großhandel mit Edelmetallbarren haben Vertrauen und Seriosität oberste Priorität. Nur Barren von Herstellern, die den „Good Delivery“-Standard erfüllen, werden an den Marktplätzen in London und Zürich angeboten.

Der Good Delivery Standard basiert auf bestimmten Kriterien der London Bullion Market Association (LBMA). So müssen die Anbieter zum Beispiel seit mindestens fünf Jahren am Markt aktiv sein und sich zu nachhaltiger Edelmetallgewinnung verpflichten (Responsible Sourcing). Aktuell dürfen 63 Raffinerien und Minengesellschaften laut LBMA das Gütesiegel Good Delivery verwenden und an dem außerbörslichen Großhandel mit Banken teilnehmen.

Russische Anbieter sind seit dem 29. März nicht mehr auf der Liste zu finden.

Analog zur LBMA führt der Branchenverband London Platinum & Palladium Market (LPPM) eine Liste mit aktuell 31 Herstellern von Platinbarren und 27 Herstellern von Palladiumbarren. Nicht mehr mit dabei sind die beiden in russischem Staatsbesitz befindlichen Raffinerien Gulidov Krasnoyarsk „Krastsvetmet“ und das Prioksky Plant of Non-Ferrous Metals (PZCM).

Lediglich vor dem 8. April geliefertes Material dieser beiden Anbieter darf noch weiter gehandelt werden.

London und Zürich bilden zusammen das weltweit größte Handelszentrum für physische Edelmetallbarren. Der „Good Delivery“-Standard ist weltweit akzeptiert und die Qualitätsbenchmark im Großhandel schlechthin.

Als Begründung für ihre Entscheidung, die beiden russischen Raffinerien von der Liste zu streichen, gibt die LPPM den völkerrechtswidrigen Krieg Russlands gegen die Ukraine an.

Palladiummarkt besonders betroffen

Während der Platinmarkt mit weitem Abstand von Südafrika dominiert wird und mögliche Lieferengpässe von Simbabwe, den USA und Kanada abgefedert werden können, sieht es bei Palladium anders aus. Hier dominiert Russland den Weltmarkt.

Anteil der Minenproduktion bei Palladium nach Ländern

Die Versorgungslage bei den größten Nachfragern nach Palladium ist ohnehin bereits angespannt, die Produktion auch mangels Materials schon rückläufig. Dies gilt besonders für die Automobilindustrie, wo Palladium v. a. als Katalysatormetall zur Abgasreinigung in Otto-Motoren genutzt wird.

Palladiumnachfrage weltweit nach Sektoren

Auswirkungen hat die Verbannung der beiden russischen Raffinerien von der „Good Delivery“-Liste auch auf den Weltmarktführer Norilsk Nickel (Nornickel), der sein Nickel- und Kupfererz zur Herstellung von Palladium an Krastsvetmet, Prioksky und eine andere Raffinerie (Uralintech) schickt.

Nornickel geht davon aus, dass die LPPM-Entscheidung die Fähigkeiten des Unternehmens stark einschränkt, Palladiumbarren an Banken zu verkaufen. Wohingegen Lieferungen an Hersteller, die den Großteil des Geschäfts von Nornickel ausmachen, nicht direkt von dieser Entscheidung betroffen sind.

Allerdings erhöht die Entscheidung der LPPM den Druck auch auf die industriellen Abnehmer, russisches Platin und Palladium ebenfalls zu meiden.

Umso länger die Strafmaßnahmen gegen russische Palladium- und Platinproduzenten anhalten, umso spürbarer dürften die Effekte auf das Angebot speziell im Westen werden und sich auch auf die Preisentwicklung auswirken.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von horst | 17.04.2022, 20:15 Antworten

Sanktionen beenden, Nato abziehen, Amis ab nach Amerika, mit aller militärischen Technik, ab an den Verhandlungstisch, und zwar nur Ukraine und Russland. Wir sind alle Menschen, wer miteinander redet, dem kann geholfen werden. Denkt daran, wir haben nur eine Erde!

von ich | 15.04.2022, 00:58 Antworten

Richtig so!!! Mir geht das alles noch nicht weit genug. Wir sollten alle in den Hungerstreik gehen, lange wird Putin diesen Druck nicht standhalten können! Auch meine Schapka ist jetzt nicht mehr im Schrank, sondern im Keller! Würde doch bloß jeder im Volk so handeln, Putins Rücktritt wäre sicher!

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4 Antworten an ich anzeigen
von Peter L Ustig | 17.04.2022, 02:00 Antworten

Schwachsinn mit der Boykottiererei, wann schaltet der Mensch in BRD-Germanistan endlich mal wieder sein Gehirn und Verstand ein???
Anscheinend sind 98% vom Volk so sehr von den Medien gehirngewaschen,dass rationales Denken unmöglich geworden ist.
Ob unsere Obrigkeiten uns nun zur Boykottierung aufruft oder selbst Maßnahmen ergreift, es wird Russland nicht jucken.
Anscheinend haben fast alle den Verstand verloren. Krieg ist Scheisse,das ist Fakt und niemand den ich kenne,will Krieg haben... weswegen lässt sich das Volk trotzdem via Tagesschau und Konsorten dann fernsteuern und zur Kriegshetzerei missbrauchen???
Warum wird nichts mehr hinterfragt,was über Medienkanäle gesendet wird und stattdessen nur noch "Fertigfutter des Mainstream" konsumiert ?!?? Dekadenz hat anscheinend Hochkonjunktur!!!
Hauptsache nachplappern,was im TV gezeigt wurde.
Gehirnamputierte gibt's anscheinend genug.Propaganda ebenfalls.

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