Stand: 11.03.2020 von Jörg Bernhard
Während die wichtigsten Notenbanken der Welt durch ihre expansive Geldpolitik Kaufargumente für Gold generieren, liefern insbesondere die Zentralbanken diverser Schwellenländer durch das Aufstocken ihrer Goldreserven die besten Kaufgründe.
Russland und Notenbanken kaufen weiter Gold

Coronavirus sorgt für weltweiten Renditerutsch

Mit ihrer außerplanmäßigen Zinssenkung um 50 Basispunkte hat die Fed der Finanzwelt zwei Dinge vor eindrucksvoll Augen geführt. 

  • Erstens: Die Lage scheint sehr ernst zu sein.

  • Zweitens: Die Zeiten positiver Realzinsen dürften erst einmal passé zu sein. 

Nach der Zinssenkung in der vergangenen Woche rutschte nämlich die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen deutlich unter die Marke von 0,6 Prozent – und das bei einer US-Inflationsrate (Januar) in Höhe von 2,5 Prozent p.a. Mit Staatsanleihen bester Bonität ist nach Abzug von Inflation und Steuern somit die systematische Vermögensvernichtung vorprogrammiert.

Selbst bei Laufzeiten von 30 Jahren wird in den USA die magere Rendite von weniger als einem Prozent von der Inflation „aufgefressen“. Staatsanleihen aus Deutschland oder Schweiz weisen – trotz 30 Jahren Laufzeit – aufgrund der aktuellen Verunsicherung der Investoren derzeit sogar Negativrenditen in Höhe von 0,2 bzw. 0,3 Prozent aus.

In der Vergangenheit wurde regelmäßig mit folgendem Argument von Gold abgeraten: Gold bietet keine Zinsen. Angesichts eskalierender Strafzinsen für Bankeinlagen und negativ rentierender Staatsanleihen sollte man nun stets im Hinterkopf behalten, dass der Krisenschutz Gold keine Zinsen kostet, schuldenfrei ist und mit keinem Kontrahentenrisiko verbunden ist – bleibt noch das Kursrisiko.

Aber dieses existiert auch bei jeder Aktie und Anleihe und könnte in einem Worst-Case-Szenario hier sogar einen Totalverlust mit sich bringen. Seit seiner Existenz als Währung blieb das gelbe Edelmetall von diesem Schicksal verschont, was nicht jede Aktie, Anleihe oder Währung von sich behaupten kann.

Währungshüter „schwören“ auf Gold

Das jüngste Update des World Gold Council (WGC) brachte es wieder einmal an den Tag: Auf der ganzen Welt halten die Notenbanken offensichtlich sehr viel von der altbewährten Krisenwährung Gold. Die einen geben ihre Goldreserven nicht aus der Hand und die anderen stocken diese sogar auf.

Laut WGC haben sich die weltweiten Goldbestände dieser Institutionen (Stand: Dezember/Januar) um über 170 Tonnen auf mehr als 34.735 Tonnen erhöht. Wieder einmal entpuppte sich Russland als das Land mit dem stärksten Goldappetit.

Hier meldete der WGC eine Aufstockung um 17,7 auf 2.279,2 Tonnen. Deutlich gestiegene Goldreserven gab es auch zu beobachten in der:

  • Türkei (plus 13,5 auf 428,7 Tonnen)

  • Australien (plus 11,2 auf 79,9 Tonnen)

  • Indien (plus 9,4 auf 635,0 Tonnen)

Nennenswerte Goldkäufe meldeten zudem folgende Länder: 

  • Vereinigte Arabische Emirate (plus 5,1 auf 22,5 Tonnen)

  • Ecuador (plus 5,0 auf 21,9 Tonnen) 

  • Kasachstan (plus 4,5 auf 386,5 Tonnen)

Aktuelle Übersicht Goldkäufe der Notenbanken 

Land Goldreserven Veränderung
Russland 2.279,2 t +17,7 t
Türkei 428,7 t +13,5 t
Australien 79,9 t +11,2 t
Indien 635,0 t +9,4 t
Vereinigte Arabische Emirate 22,5 t +5,1 t
Ecuador 21,9 t +5,0 t
Kasachstan 386,5 t +4,5 t
Quelle: World Gold Council; Stand: Dezember 2019 / Januar 2020

Besonders interessant für uns Europäer: Inklusive der EZB halten europäische Länder aktuell 10.776 Tonnen Gold, was mehr als 58 Prozent der weltweiten Goldreserven staatlicher Institutionen entspricht. Deshalb sollten auch Privatanleger der Gemeinschaftswährung Euro nicht grenzen- und bedingungslos vertrauen.

Ein Standbein innerhalb des liquiden Vermögens sollte daher unbedingt aus Gold bestehen.

Ausblick für die laufende Woche

In dieser Handelswoche erfahren die Investoren, wie sich das BIP-Wachstum in der Eurozone und in Großbritannien entwickelt hat.

Zum Wochenstart meldete zum Beispiel Japan für das vierte Quartal einen Einbruch von plus 0,5 auf minus 7,1 Prozent p.a. und darin sind die Negativfolgen des Coronavirus noch gar nicht enthalten.

Für ein hohes Maß an Spannung dürfte aber auch die für Donnerstag anberaumte Sitzung der Europäischen Zentralbank sorgen. Ihr „Waffenarsenal“ zur Bekämpfung potenzieller Krisen fällt allerdings um einiges dürftiger als das der US-Notenbank Fed aus, schließlich liegen die europäischen Leitzinsen bereits seit vier Jahren bei null Prozent.

Machbar wäre natürlich eine weitere Absenkung des Zinssatzes für EZB-Einlagen. Dies wäre für deutsche Banken und Sparer eine schlechte Nachricht, für das gelbe Edelmetall hingegen eher positiv, schließlich würde dann das Argument

 „Gold kostet keine Zinsen“ weitere Nahrung erhalten.
Autor: Jörg Bernhard
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"