| GOLD | 4.134,89 $/oz | 3.623,65 €/oz | 116,50 €/g | 116.503 €/kg |
| SILBER | 59,75 $/oz | 52,37 €/oz | 1,68 €/g | 1.683,73 €/kg |
Russland ist der zweitgrößte Goldproduzent der Welt. Dennoch sah sich die Zentralbank des Landes gezwungen, seit Beginn dieses Jahres bis einschließlich Mai 22 Tonnen Gold zu veräußern, um den Devisenbedarf zu decken und Haushaltslöcher zu stopfen.

Die russische Wirtschaft hat den ersten Schock der westlichen Sanktionen erstaunlich lange abgefedert. Kapitalverkehrskontrollen, hohe Energieeinnahmen, staatliche Rüstungsaufträge und eine aggressive Umleitung des Außenhandels Richtung China, Indien und Nahost stabilisierten das System.
Die russische Zentralbank-Umfrage vom Juni 2026 senkte die BIP-Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf nur noch 0,7 Prozent; der IWF liegt mit 1,1 Prozent ebenfalls nur knapp darüber. Im vergangenen Jahr 2025 waren es noch 1,7 Prozent.
Gleichzeitig erwarten die befragten Analysten für Russland 2026 eine Inflation von 5,3 Prozent und einen durchschnittlichen Leitzins von 14,1 Prozent – ein extrem restriktives Umfeld für Investitionen und Wachstum außerhalb des Militärsektors.
Damit verändert sich die Qualität der russischen Kriegswirtschaft. Aus dem anfänglichen Nachfrageimpuls durch Rüstungsproduktion wird ein Verdrängungsprozess: Arbeitskräfte fehlen in zivilen Branchen, Unternehmen leiden unter hohen Finanzierungskosten, der Staat konkurriert mit dem Privatsektor um Kapital und Material.
Reuters berichtete am 19. Juni 2026, dass die russische Wirtschaft im ersten Quartal um 0,2 Prozent schrumpfte und im ersten Halbjahr nur um etwa 0,5 Prozent wachsen dürfte. Zugleich lag das Haushaltsdefizit in den ersten fünf Monaten bereits bei 2,6 Prozent des BIP und damit über dem offiziellen Jahresziel von 1,6 Prozent.
Besonders kritisch ist die Einnahmeseite: Öl- und Gaseinnahmen bleiben zwar zentral, schwanken aber stark mit Weltmarktpreisen, Sanktionen, Preisabschlägen und Rubelkurs.
Die Ausgabenseite ist dagegen strukturell hoch: Militär, Sicherheitsapparat, Veteranenzahlungen, Subventionen und regionale Haushalte binden dauerhaft Mittel.
Russland ist also nicht „pleite“, aber der fiskalische Spielraum wird enger.
Die Goldverkäufe sind deshalb so brisant, weil Russland über viele Jahre zu den aggressivsten staatlichen Goldkäufern der Welt gehörte. Gold diente Moskau als Absicherung gegen Dollar-Sanktionen, als Symbol monetärer Souveränität und als Baustein einer stärker „entdollarisierten“ Reservepolitik.
Nach dem Einfrieren großer Teile russischer Devisenreserven durch westliche Staaten gewann physisches Gold zusätzlich an Bedeutung, weil es politisch schwerer zu blockieren ist als Bankguthaben in Dollar oder Euro.
Nun zeigt sich jedoch: Auch Gold ist nicht nur Machtreserve, sondern im Ernstfall verkaufbare Liquidität. Laut Daten, die von Mining.com veröffentlicht wurden, verkaufte die russische Zentralbank bis Anfang April 2026 rund 700.000 Feinunzen Gold. Die Bestände fielen demnach von 74,8 Millionen Feinunzen zu Jahresbeginn auf 74,1 Millionen Feinunzen Anfang April.
Der World Gold Council bestätigte Anfang Juni, dass Russland im April den vierten Monat in Folge netto Gold verkaufte: 6 Tonnen im April und 22 Tonnen seit Jahresbeginn. Bemerkenswert ist der Kontrast zum Welttrend, denn global wurden die Zentralbanken im April wieder zu Nettokäufern von Gold.
Auch die Tonnen-Daten zeigen die Bewegung: Russlands Goldreserven sanken laut World-Gold-Council-Daten von 2.326,52 Tonnen im vierten Quartal 2025 auf 2.304,75 Tonnen im ersten Quartal 2026.
Die offiziellen Monatswerte der Bank of Russia zeigen zudem, wie stark der Bewertungswert schwankte: Der Goldanteil der internationalen Reserven lag Ende Januar 2026 bei 402,7 Milliarden US-Dollar, Ende Mai aber nur noch bei 325,9 Milliarden US-Dollar.

Diese Veränderung ist nicht mit physischen Verkäufen gleichzusetzen, da auch der Goldpreis schwankt; sie verdeutlicht aber, wie groß die Rolle von Gold in Russlands Reserven geworden ist.
Die zentrale Botschaft lautet: Russland verkauft nicht, weil Gold unattraktiv geworden wäre. Russland verkauft, weil der Staat Geld braucht, während Dollar- und Euro-Transaktionen sanktionsbedingt eingeschränkt sind.
Gold und Yuan sind für Moskau inzwischen deutlich wichtigere operative Reservebausteine als klassische westliche Devisen.
Genau deshalb ist der Verkauf politisch und marktpsychologisch relevant.

Der militärische Druck verschärft die finanzielle Lage Russlands zusätzlich. Putin hält an seinen Angriffen auf ukrainische Städte, Energieanlagen und Frontabschnitte fest, doch die Ukraine hat ihre Strategie ebenfalls angepasst. Neben der Verteidigung entlang der Front setzt Kiew immer stärker auf Langstreckenangriffe gegen russische Logistik, Raffinerien, Treibstoffversorgung und militärische Infrastruktur. Das trifft nicht nur die Armee, sondern zunehmend die russische Binnenwirtschaft.
Die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti berichtete am 22. Juni 2026, dass die russisch besetzte Krim wegen ukrainischer Angriffe auf Versorgungsrouten mit einer Treibstoffkrise kämpft.
Kinderferienlager und touristische Aktivitäten wurden bis zum 1. September ausgesetzt; Tankstellen stoppten den Verkauf an Privatpersonen und Unternehmen.
Zugleich meldeten Marktquellen, dass Russland zuletzt etwa 25 Prozent seiner Benzinproduktion gegenüber dem Tagesdurchschnitt vom Juni 2025 verloren habe und die seewärtigen Ölproduktexporte in der ersten Junihälfte um 15 Prozent gegenüber dem Vormonat sanken.
Für Europa problematisch: Aufgrund der heimischen Engpässe hat Russland mittlerweile den Export von Benzin, Diesel und Kerosin verboten.
Betroffen sind auch europäische Staaten, die russische Ölprodukte, wie Benzin, Kerosin und Diesel nach der Weiterverarbeitung oder Umetikettierung in Indien und Marokko beziehen.
Hier vor allem: Frankreich (Diesel aus Indien), Deutschland (Diesel und Kerosin aus Indien, Spanien (aus Marokko) und Belgien.
Mit der gegenseitigen Zerstörung von Infrastruktur bekommt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine eine neue finanzielle Dimension: Jeder erfolgreiche Drohnenangriff auf Raffinerien, Tanklager oder Transportkorridore erhöht die Kosten, erschwert die Versorgung der Front und schwächt potenziell die fiskalische Basis.
Das trifft in einer ohnehin angespannten Versorgungslage mit Energie und Düngemitteln – auch hier spielte Russland vor dem Krieg eine wichtige Rolle – die gesamte Weltwirtschaft.
Die militärischen Erfolge der Ukraine bezüglich der Angriffe auf die Versorgungsinfrastruktur im russischen Hinterland sind gleichzeitig also auch ein Problem für die globalen Lieferketten.
Gleichzeitig bleibt der Krieg für die Ukraine extrem verlustreich. Das Deutsche Auswärtige Amt warnt weiterhin vor Reisen in die Ukraine und verweist darauf, dass fast täglich russische Luftangriffe mit Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen stattfinden und alle Landesteile betroffen sein können.
Militärisch ist Russland aber nicht geschlagen. Doch der Preis des Krieges steigt – materiell, fiskalisch und politisch. Genau dieser steigende Preis erklärt, warum russische Goldverkäufe plötzlich rational werden.
Russlands Goldverkäufe sind kein Beweis für einen unmittelbar bevorstehenden Staatsbankrott. Dafür verfügt Moskau weiterhin über Rohstoffeinnahmen, Inlandsschuldenmärkte, Steuererhöhungen, Zwangsmaßnahmen und politische Kontrolle. Aber sie sind ein klares Stresssignal.
Ein Staat verkauft seine strategischen Goldreserven nicht ohne Grund – erst recht nicht ein Staat, der Gold über Jahre als monetären Schutzschild gegen den Westen aufgebaut hat.
Für den Goldmarkt ist die Entwicklung ambivalent. Kurzfristig können russische Verkäufe zusätzliches Angebot schaffen. Strukturell sprichtder Vorgang jedoch eher für als gegen Gold. Denn wenn selbst Russland, trotz hoher Goldreserven und trotz Rohstoffbasis, auf Gold als Liquiditätsreserve zurückgreifen muss, bestätigt das die Funktion des Edelmetalls als ultimative Krisenreserve.
Andere Zentralbanken, vor allem in Asien und Osteuropa, kaufen weiter zu. Russland verkauft also nicht, weil Gold seine strategische Bedeutung verliert, sondern weil der Krieg Liquidität verschlingt.
Der Ausblick hängt an drei Variablen:
Bleibt der militärische Druck hoch und wächst das Haushaltsloch, dürften weitere Goldverkäufe nicht überraschen.
In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu wissen, an wen Russland sein Gold verkauft.
Da Russland über lange Zeit auf der Käuferseite stand, dürfte es sich um Gewinne bei der Veräußerung handeln. Glückwunsch für das weitsichtige Handeln. Wenn man jetzt Krieg gegen die gesamten NATO- Staaten bzw. deren Waffenlieferungen führen muss, dann kostet es natürlich Papiergeld. Gut wenn man so schnell werthaltiges in Papiergeld tauschen kann.