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Stand: 06.09.2026 von Gresa Ferataj
Man hat oft zwei Optionen: lernen oder bereuen. Und im Hinblick auf wirtschaftliche Entwicklungen und die finanzielle Verantwortung, die mit dem Erwachsenenleben einhergeht, heißt es für mich heute: Ich will lernen. Meine finanzielle Bildung hätte (spätestens) in der 11. Klasse beginnen können. Tat sie aber nicht.
Sagt einem ja keiner – Finanzielle Bildung aus Perspektive der Gen Z

Mit 17 Jahren stellte ich mir den Wahlkurs Wirtschaft vor allem als trockene Zahlen, graue Lehrbücher und Graphen vor. Der Kurs erschien mir wenig interessant, weshalb ich mich stattdessen für Geschichte und Biologie entschied. Damit traf ich gleichzeitig die Entscheidung, mich nicht näher mit einem Thema auseinanderzusetzen, dessen langfristige Bedeutung mir damals schlicht nicht bewusst war.

Wieso? Sagt einem ja keiner.

Niemand in der Schule erklärte mir, welche Rolle wirtschaftliches und finanzielles Wissen später in meinem Alltag spielen würde. Ich beschäftigte mich mit naturwissenschaftlichen und historischen Inhalten, aber kaum mit der Frage, wie ein Gehalt aufgebaut ist, wie Steuern funktionieren, welchen Einfluss Inflation auf mein Geld hat oder welche Möglichkeiten es gibt, langfristig Vermögen aufzubauen.

Einen Gastvortrag zum Thema Steuern gab es zwar. Da uns allerdings bereits grundlegendes Wissen fehlte, blieb davon nur wenig hängen.

So machte ich mein Abitur, ohne mich im Unterricht ausführlicher mit Begriffen wie Investieren, Geldanlage oder unterschiedlichen Anlageformen beschäftigt zu haben.

Zu meinem Glück entschied ich mich später für ein wirtschaftliches Studium und konnte mir einen Teil dieses Wissens nachträglich aneignen. Doch nicht jeder schlägt nach der Schule einen wirtschaftlichen Bildungsweg ein.

Damit stellt sich für mich die Frage: Woher bekommen junge Menschen das Wissen, das sie früher oder später für ihre eigenen finanziellen Entscheidungen benötigen?

Finanzielle Bildung findet häufig außerhalb der Schule statt

Die Ergebnisse der aktuellen GOLD.DE-Umfrage zur finanziellen Bildung haben mich deshalb wenig überrascht.

Auf die Frage, wer ihnen am meisten über Geld beigebracht habe, nannten die Befragten folgendes:

  • 9,8 Prozent der Befragten die Schule.
  • Social Media wurde mit 19 Prozent fast doppelt so häufig genannt.
  • 30,5 Prozent gaben die Eltern als wichtigste Quelle an und
  • mit 34,7 Prozent brachte sich sogar der größte Anteil der Befragten finanzielles Wissen überwiegend selbst bei.

Auch ich gehöre zu denjenigen, die einen erheblichen Teil ihres praktischen Finanzwissens erst außerhalb der Schule erworben haben.

Über Online-Angebote und Social Media habe ich beispielsweise mehr darüber gelernt, wie man Geld zurücklegt, welche unterschiedlichen Möglichkeiten der Geldanlage existieren oder wie eine Steuererklärung grundsätzlich funktioniert.

Mittlerweile sagt es mir also einer.

Dass Social Media bei der finanziellen Bildung eine größere Rolle spielt, sehe ich allerdings nicht ausschließlich positiv. Finanzielle Informationen sind dadurch leicht zugänglich geworden, ihre Qualität unterscheidet sich jedoch erheblich.

Finfluencer erklären Aktien, ETFs, Anlagegold, Kryptowährungen wie Bitcoin und andere Anlageformen teilweise innerhalb weniger Minuten. Das kann ein guter Einstieg in ein Thema sein. Gleichzeitig sollte finanzielle Bildung meiner Meinung nach auch bedeuten, solche Inhalte hinterfragen und einordnen zu können.

Denn zwischen einer verständlichen Erklärung und einer guten finanziellen Entscheidung liegt ein Unterschied.

Die Reue einer Erwachsenen, das Unwissen einer Teenagerin

Heute bereue ich, dass ich mich in meiner Jugend kaum mit finanziellen Themen beschäftigt habe.

Nicht, weil ich bereits mit 17 jede Anlageform hätte verstehen oder investieren müssen. Ein grundlegendes Verständnis von Finanzen hätte mir den Einstieg in das Erwachsenenleben und später auch in mein Wirtschaftsstudium jedoch erleichtert.

Gleichzeitig kann ich meinem damaligen Ich kaum vorwerfen, die Bedeutung eines Themas unterschätzt zu haben, mit dem ich nur selten in Berührung gekommen bin.

Ohne Anregung entsteht häufig auch keine Auseinandersetzung.

Das kann ich rückblickend nicht ändern. Was ich jedoch ändern kann, ist mein Umgang mit dem Thema heute: weiterlernen, Informationen kritisch prüfen und Wissen weitergeben.

Die Ergebnisse der GOLD.DE-Befragung zeigen, dass finanzielle Bildung in Deutschland für viele Menschen noch immer etwas ist, das sie sich selbst aneignen müssen.

Der diesjährige Tag des Goldes nimmt dieses Thema deshalb zu Recht in den Fokus. Dabei sollte finanzielle Bildung nicht bedeuten, dass jeder zum Finanzexperten werden muss.

Aber sie sollte dafür sorgen, dass grundlegende finanzielle Entscheidungen nicht erst dann verstanden werden, wenn man sie bereits treffen muss.

Und dass der Satz „Sagt einem ja keiner“ irgendwann seltener fällt.

Gresa Ferataj

Beitrag zum Tag des Goldes von:
Gresa Ferataj
Online-Redakteurin bei GOLD.DE



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von anonymous1 | 07.09.2026, 19:46 Uhr Antworten

Wirklich wichtig und richtig! Auch wenn viele aus den älteren Generationen es aus Sicht der jüngeren bzw. der heutigen Gen Z manchmal nicht verstehen oder akzeptieren wollen bzw. können: Ich glaube, sehr viele junge Menschen können sich mit diesem Text identifizieren und darin wiederfinden.

Finanzielle Bildung ist ein Thema, das uns alle früher oder später betrifft, umso wichtiger wäre es, grundlegendes Wissen darüber bereits in der Schule zu vermitteln, statt junge Menschen damit allein zu lassen, ob heutzutage oder in früheren Zeiten. Doch, wie im Beitrag beschrieben, ist derzeitig Eigenverantwortung und Eigeninitiative ein Muss. Ein sehr treffender und wichtiger Beitrag, der genau diese Lücke sichtbar macht.

von Nitinios | 07.09.2026, 15:54 Uhr Antworten

Wichtiges Thema, auf den Punkt gebracht! Die Mischung aus eigenen Erfahrungen und harten Zahlen macht den Beitrag extrem nahbar und stark. Genau diese Art von Aufklärung braucht es – vielen Dank für den tollen Artikel!

von Buxdehude | 07.09.2026, 14:09 Uhr Antworten

Wenn ich dieses „Uns wurde das nicht beigebracht“ oder „Darauf hat uns keiner aufmerksam gemacht“ immer wieder höre, denke ich mir schon: Das ist auch ein Problem unserer Wohlstandsgesellschaft. Es entsteht teilweise die Erwartung, dass einem alles Wichtige fürs Leben beigebracht und am besten noch zum A... getragen werden muss. Nein, so funktioniert das nicht.

Uns wurde auch nicht erklärt, wie man richtig mit Geld umgeht, Vermögen aufbaut oder in Aktien investiert. Bitcoin gab es in meiner Jugend noch lange nicht. Na und? Dann muss man sich eben irgendwann selbst auf den A... setzen, sich informieren und etwas für sich lernen.

Natürlich wäre es sinnvoll, finanzielle Bildung stärker in der Schule zu vermitteln. Keine Frage. Aber fehlender Unterricht kann doch nicht dauerhaft die Begründung dafür sein, warum man sich selbst nicht mit seinen Finanzen beschäftigt. Irgendwann gehört Eigenverantwortung einfach zum Erwachsenwerden dazu.

Man darf nicht darauf hoffen oder warten, dass einem schon irgendjemand alles beibringen wird. Sonst läuft man irgendwann nur noch der Herde hinterher und übernimmt das, was andere einem erzählen. Wer etwas wissen will, muss lernen, selbst nachzufragen, zu lesen, Informationen zu prüfen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Wenn man sein Leben so weit unter Kontrolle hat, dass man weiß, dass man Geld zum Leben braucht und dass dieses Geld verdient werden muss, sollte einem auch klar sein, dass man sich mit seinen Finanzen beschäftigen muss. Und auch wenn man später einmal etwas mehr hat: Das Geld wurde in der Regel nicht einfach geschenkt. Es wurde verdient, oft hart verdient. Man hat gearbeitet, gespart und vielleicht auch auf Dinge verzichtet.

Wir haben uns früher teilweise noch geschämt, wenn wir zum Amt mussten und Unterstützung benötigten. Sicherlich war auch das nicht immer die richtige Einstellung. Aber dahinter stand zumindest der Anspruch, möglichst selbst für sein Leben aufzukommen und nicht selbstverständlich davon auszugehen, dass andere es für einen regeln.

Deshalb sehe ich es etwas anders als im Artikel: Ja, finanzielle Bildung sollte früher beginnen und die Schule kann dazu ihren Teil beitragen. Aber genauso wichtig ist es, jungen Menschen beizubringen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Niemand kann einem jedes Wissen vermitteln, das man später einmal brauchen wird.

„Sagt einem ja keiner“ mag manchmal stimmen. Aber irgendwann muss man eben anfangen, es sich selbst zu sagen: Ich brauche dieses Wissen, also eigne ich es mir an.

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