Stand: 06.02.2017  0 Kommentare

Seit mehr als 250 Jahren liegt das Wrack der brittischen Fregatte Lord Clive auf dem Meeresgrund vor der Küste von Uruguay. Experten glauben, dass sich Im Bauch des ehemaligen britischen Kaperschiffes Schätze im heutigen Gegenwert von mindestens 1,2 Milliarden Euro befinden. Jetzt wollen Schatzsucher das Schiff und dessen Fracht - darunter auch rund 100.000 Goldmünzen - in einem beispiellosen Unterfangen heben.

Mehr als 12 Jahre lang hat Ruben Callado auf diesen Moment gewartet. Jetzt wird es in wenigen Tagen endlich soweit sein. Der Schatzsucher aus Argentinien, der das Wrack der britischen Fregatte "Lord Clive" bereits im Jahr 2004 im Mündungsdelta des Rio de la Plata vor Uruguay geortet hat, wird die Bergung des einstigen Kaperschiffes der Britischen Ostindien-Kompanie leiten. Vergangenen September erst hat Callado die formelle Erlaubnis aus Montevideo erhalten - beantragt hatte er sie bereits im Jahr 2005.

Nun werden am 10. Februar dieses Jahres 80 Taucher und Techniker die ersten Schritte einleiten, um das einst mit 64 Kanonen bestückte Schlachtschiff wieder an die Oberfläche zu bringen. Das monströse Unterfangen soll mit rund fünf Millionen Euro zu Buche schlagen. Schatzsucher Callado, der die Bergungskosten aus eigener Tasche finanzieren wird, hält dies für eine geringe Investition. Er glaubt, dass die Bergung der "Lord Clive" mindestens 1,2 Milliarden Euro einbringen wird.

100.000 Liter Rum und 100.000 Goldmünzen

Und davon wird er gemäß seiner Vereinbarung mit der uruguayischen Regierung knapp die Hälfte in den eigenen Geldbeutel stecken können - abzüglich weiterer zehn Prozent, die demnach als Sonderposten an den maritimen Verwaltungsbezirk des Rio de la Plata abgegeben werden müssen. Ein großes unternehmerisches Risiko sieht der passionierte Schatzsucher Callado für sich keineswegs. Er ist sich sicher, dass schon allein die an Bord vermuteten Goldmünzen einen Milliardenbetrag abwerfen werden.  

Allerdings seien dabei noch nicht der Wert von "Gütern wie Rum, Opium und die in Bleirohren eingelagerte Seide" in dem Wrack eingerechnet, sagte Callado laut einem diesbezüglichen Bericht der britischen Sunday Times (Reg. erf.) vom vergangenen Wochenende. Dem spanischsprachigen Portal Vision Maritima des uruguayischen Kulturverbandes zufolge befanden sich zum Zeitpunkt des Untergangs der Fregatte gut 100.000 Liter Rum sowie geschätzte 100.000 nicht näher bezeichnete Goldmünzen an Bord.

Rio de la Plata macht Bergung für Schatzsucher schwierig

Wie es hieß, liegt das Wrack der "Lord Clive" in nur fünf bis sechs Metern Wassertiefe in einer Entfernung von knapp 350 Metern vom uruguayischen Ufer des Rio de la Plata und damit in Sichtweite der Kleinstadt Colonia del Sacramento, die im Schicksal des gesunkenen Schiffes eine bedeutende Rolle einnimmt. Dennoch wird die Bergung des Schiffes und seiner Schätze äußerst schwierig und anspruchsvoll werden, gibt Schatzsucher Callado zu bedenken. Doch dies liege nicht nur am trüben Wasser des Rio de la Plata, wo zudem eine starke Unterströmung den Tauchern gefährlich werden könne.

Des Weiteren habe sich das Wrack des Schiffes nach seiner Versenkung durch spanisches Kanonenfeuer fest im Schlamm des Rio de la Plata eingegraben. Darüber hinaus sei es damals von spanischen Soldaten mit großen und schweren Felsbrocken beschwert worden, damit es im relativ seichten Mündungsdelta des Rio de la Plata nicht wieder an die Oberfläche geschwemmt werden konnte. Callado rechnet deshalb mit einer schrittweisen und langwierigen Bergung.

Gesunkenes Schiff schreibt Geschichte der Neuen Welt um

Die Fregatte "Lord Clive" war Anfang des Jahres 1763 in den letzten Wochen des damals weltweit tobenden Siebenjährigen Krieges in das Mündungsdelta des Rio de la Plata gesegelt mit dem Ziel, die dortige Festungsstadt Colonia del Sacramento von den Spaniern zurück zu erobern. Letztere hatten die Stadt im Verlauf des Krieges von den Portugiesen eingenommen. Der Kapitän des Schiffes, Robert McNamara, brachte die hochgerüstete Fregatte in Stellung und nahm die Stadt unter Beschuss. Dem Schatzsucher Callado zufolge hätte das überlegene Kriegsgerät der Engländer die Stadt binnen einer Stunde zerstören können.

Doch entweder sei es ein Fehler des Kapitäns oder ein Missgeschick gewesen, dass das Schiff zu nahe an die Küste und damit ebenfalls in Reichweite der spanischen Kanonen geriet. Von dort hagelte es nun Brandmunition auf die Fregatte, die in der Folge in Flammen aufging und das Pulvermagazin des Schiffes schließlich zur Explosion brachte. Der Sunday Times zufolge starben 272 Matrosen auf der Stelle, 78 retteten sich an Land, wo sie vor ein Militärgericht gestellt und zumindest die überlebenden Offiziere gehängt wurden. Callado glaubt, dass mit diesem Ereignis die Geschichte der Neuen Welt umgeschrieben wurde. Denn:

"Wäre dieses Schiff nicht bei dem Versuch gescheitert, die Stadt Colonia del Sacramento wieder einzunehmen, würden wir heute möglicherweise in ganz Lateinamerika Englisch sprechen".

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