Stand: 25.11.2019 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

In der vergangenen Woche veröffentlichte die Eidgenössische Zollverwaltung der Schweiz (EZV) aktuelle Zahlen zum Schweizer Goldhandel im Monat Oktober – mit interessanten Erkenntnissen. Schweizer Qualität auch beim Goldhandel weltweit gefragt.

Im internationalen Goldhandel gilt die Schweiz ganz klar als Nummer Eins. Dies dürfte auf mehrere Gründe zurückzuführen sein. Zum einen fungiert die Schweiz als Heimat der größten Goldraffinerien wie zum Beispiel Valcambi, Metalor Technologies, PAMP und Argor-Heraeus. Zum anderen wird die Schweiz als politisch extrem stabil und ihr Finanzsystem als sehr verschwiegen wahrgenommen – beste Voraussetzungen, um einen reibungslosen Goldhandel im großen Stil zu realisieren.

Außerdem genießt die Schweiz auch unter technologischen Aspekten – ähnlich wie Deutschland – international hohes Ansehen. Kein Wunder, dass sich Gold "Made in Switzerland" (siehe auch Schweizer Goldmünzen) zu einem wichtigen Exportschlager entwickelt hat. Da in der Schweiz keine Goldförderung betrieben wird, muss das Edelmetall aus dem Ausland importiert werden. 

Dabei wird verstärkt die Herkunft aus Ländern kritisiert, in denen die internationalen Sozial- und Umweltstandards nicht eingehalten werden. Das Interesse an so genanntem "fairen Gold" ist zwar relativ groß, noch kann man ihm aber allenfalls einen Nischenstatus attestieren.

Schweizer Gold landet in Großbritannien und Frankreich

Die Oktoberzahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung der Schweiz (EZV) hatten so manche Überraschung parat. Als größte Abnehmer haben sich diesmal nicht asiatische Länder wie China, Indien oder Hongkong entpuppt, sondern Großbritannien und Frankreich, auf deren Konto im Oktober mehr als 65 Prozent sämtlicher Schweizer Goldexporte ging.

Mit über 48 Tonnen im Marktwert von 2,3 Milliarden Franken war der Goldappetit der Briten mit Abstand am stärksten. Laut EZV sind von Januar bis Oktober sogar mehr als 372 Tonnen von der Schweiz nach Großbritannien transportiert worden. Die vorgezogenen Neuwahlen am 12. Dezember sowie das ungelöste Brexit-Problem dürften dabei die treibenden Kräfte gewesen sein.

Verunsichert scheinen aber auch die Franzosen zu sein, die im Oktober allein aus der Schweiz über 25 Tonnen Gold im Wert von mehr als 1,2 Milliarden Franken ins Land geholt haben. Mit lediglich 4,1 Tonnen landete Deutschland auf Rang 6 der wichtigsten Destinationen schweizerischer Goldexporte.

Übertroffen wurde diese Goldnachfrage von Staaten wie Indien (10,2 Tonnen), Türkei (7,4 Tonnen) und China (7,2 Tonnen) – alles Länder, deren Bevölkerung ein besonders inniges Verhältnis zu Gold nachgesagt wird. Weil der Goldpreis in türkischer Lira (siehe auch Türkische Goldmünzen) und indischen Rupien derzeit auf Rekordniveau notiert und in der chinesischen Währung nur knapp darunter notiert, bewegt sich deren Nachfrage tendenziell bergab. Das hat den großen Vorteil, dass im Falle einer anhaltenden technischen Korrektur ihr Appetit auf Gold wieder zunehmen dürfte. In den vergangenen Jahren erwiesen sich vor allem asiatische Goldfans als sehr preissensitiv.

Goldexporte der Schweiz im Oktober 2019

Land Menge (kg) Wert (in Mio. CHF)
Großbritannien 48.047 2.301,00
Frankreich 25.347 1.214,00
Indien 10.224 477,00
Türkei 7.444 356,00
China 7.202 339,00
Deutschland 4.119 198,00
Italien 1.917 90,70
Singapur 1.701 82,20
Thailand 1.510 73,30
VAE 1.141 54,90
Malaysia 680 32,60
USA 393 18,90
Katar 391 18,70
Südkorea 380 18,40
Taiwan 350 16,90
Hongkong 293 14,00
Libanon 171 8,20
Belarus 96 4,60
Estland 74 3,60
Polen 70 3,30
Gesamthandel 111.778 5.337,00
Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung (EZV)
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Ausblick für die laufende Woche

In den vergangenen Wochen hat die Risikoaversion der Anleger nachgelassen und dadurch das Interesse an einem Goldinvestment spürbar abkühlen lassen. Dies lässt sich besonders gut an der gehaltenen Goldmenge des weltgrößten Gold-ETFs SPDR Gold Shares ablesen. Seit seinem am 25. September markierten Jahreshoch in Höhe von 924,94 Tonnen ging es mit den Goldbeständen auf 891,79 Tonnen nach unten (-3,6 Prozent). Nachlassende Rezessionssorgen haben das Sicherheitsbedürfnis in den Hintergrund treten lassen und zu einem verstärkten Risikoappetit geführt.

Mit Blick auf Staatsanleihen und deren Realzinsen haben sich die Opportunitätskosten von Gold, die sich aus dem Zinsverzicht ergeben, zuletzt regelrecht in Luft aufgelöst. Bei Aktieninvestments locken aber nach wie vor mitunter üppige Dividendenrenditen.

Sollte eine Rezession ausbleiben, dürfte sich dies positiv auf die Unternehmensgewinne und damit auch auf die Dividendenzahlungen auswirken. Sobald Aktien als weniger rentables Investment gelten oder ihr Aufwärtstrend enden sollte, dürfte davon vor allem Gold profitieren. Da beim gelben Edelmetall derzeit lediglich ein Wechsel vom Aufwärts- in den Seitwärtsmodus zu beobachten ist, können Goldbesitzer relativ entspannt in die Zukunft blicken.

Mit einem Jahresplus von über 14 Prozent hat sich der Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz zwar weniger positiv als der DAX (+24,7 Prozent) entwickelt, so richtig absturzgefährdet scheint der Sachwert Gold (im Gegensatz zum DAX) aber nicht zu sein.

Schweiz: Goldimporte und Goldexporte im Oktober
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"