Stand: 15.02.2021 von Hannes Zipfel
Bereits zum Wochenauftakt zeigt sich der Silberpreis erneut deutlich robuster als der Goldpreis. Wird dieser Trend anhalten?
Wochenausblick: Setzt sich die Entkopplung des Silberpreises fort?

Silberpreis eilt dem Goldpreis davon

Die Preise für Industriemetalle entwickelten sich seit dem Kurseinbruch im März letzten Jahres deutlich positiver als der Goldpreis. Das gilt auch für den Silberpreis, der sich seit Mitte Januar 2021 vom Goldpreis völlig entkoppelt und entgegengesetzt zum gelben Edelmetall dynamisch ansteigt.

Investoren sehen im Zuge einer Erholung der Weltwirtschaft mehr Nachfragepotenzial bei den Rohstoffen, die von der Industrie benötigt werden. Dies gilt auch für Silber, dessen Gesamtangebot vor der Pandemie zur Hälfte von der Industrie absorbiert wurde.

Auch die Nachfrage von Investorenseite ist seit März 2020 stark angestiegen und entwickelt sich in diesem Jahr weiterhin positiv. Zuletzt hatte der größte Vermögensverwalter der Welt, BlackRock, in einer Pflichtmitteilung Umschichtungen von Gold- in Silber ETFs an die US-Börsenaufsicht SEC berichtet.

Vier Faktoren eröffnen dem Silberpreis mehr Potenzial als dem Goldpreis

  1. Der Silbermarkt ist gemessen am physischen Gesamtangebot pro Jahr mit einem Gegenwert von ca. 27 Mrd. US-Dollar zehnmal kleiner als der Goldmarkt und reagiert sensibler auf Nachfragesteigerungen.

  2. Der Silbermarkt wies 2020 ein enormes Angebots-Defizit in Höhe von knapp einem Viertel der Gesamtnachfrage auf. Auch in diesem Jahr rechnet das Silver Institute mit physischer Knappheit und Versorgungsengpässen bei Münzen- und Barren.

  3. Silber reagiert deutlich sensibler auf Inflationsanstiege als Gold. Die Berichte starker Preisanstiege bei Vorprodukten durch Einkaufsmanager aus dem verarbeitenden Gewerbe in den letzten Monaten führen aktuell zu einer spürbar ansteigenden Inflationserwartung auch bei der Konsumententeuerung.

  4. Überirdische bekannte Goldbestände haben einen Gegenwert von aktuell ca. 9 Billionen US-Dollar. Der Wert der überirdisch gelagerten (bekannten) Silberbestände beläuft sich nur auf 1,6 Billionen US-Dollar.

Silberpreis vs. Goldpreis Tageschart

Quelle: Tradingview.com

Wichtige Konjunkturdaten in dieser Woche

Und so werden auch in dieser Woche, die in den USA mit einem Feiertag zu Ehren des ersten Präsidenten George Washington beginnt, die Investoren vor allem auf die Preiskomponenten der Einkaufsmanager-Indizes und Daten zum Privatkonsum schauen.

Montag 15.02.:

Gemäß Montagmorgen gemeldeter Daten der japanischen Regierung (vom Cabinet Office) hat sich der Privatkonsum im vierten Quartal in Japan gegenüber dem Vorquartal um 2,2 Prozent weiter leicht erholt (im Q3 +5,1 Prozent).

Dienstag 16.02.:

Am Dienstag um 11:00 Uhr berichtet das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus Mannheim den ZEW-Index zur Einschätzung der aktuellen Wirtschaftslage in Deutschland sowie zur Konjunktur-Erwartung. Dazu werden vor allem Finanzexperten aus Banken, Versicherungen u. a. Unternehmen befragt.

Die Prognosen zur Lageeinschätzung liegen bei anhaltend depressiven -67 Punkten. Im Februar 2020 befand sich der ZEW-Index bereits im negativen Terrain, allerdings „nur“ mit -15,7 Punkten.

Der positive Rekordstand stammt aus dem Januar 2018 mit +95,2 Punkten. Der ZEW-Index zeigt, wie dramatisch sich in den Augen der Finanzexperten der Zustand der deutschen Wirtschaft innerhalb von nur knapp drei Jahren verschlechtert hat.

Allerdings spiegelt der Analysten-Konsens für die ZEW-Konjunktur-Erwartungen mit +59,6 Punkten die großen Hoffnungen in eine ökonomische Erholung wider.

Aus den USA folgt dann am Dienstag um 14:30 Uhr MEZ der Empire State Manufacturing Index, der die Lage im produzierenden Gewerbe im Bundesstaat New York misst und von der Federal Reserve Bank of New York erhoben wird. Hier rechnen die Analysten mit einer leichten Erholung von 3,5 Punkten im Januar auf 6 Punkte im Februar.

Indexwerte über 0 signalisieren eine positive Geschäftsentwicklung der ca. 200 befragten Industriebetriebe im gesamten Bundesstaat.

Um 22:00 Uhr MEZ werden vom US-Finanzministerium die Nettozuflüsse bzw. Abflüsse von Investoren in bzw. aus den USA publiziert. Sind die Kapitalströme in die USA positiv, wirkt sich dies tendenziell unterstützend für den Außenwert des Dollars und eher negativ für den Goldpreis aus (vice versa).

Mittwoch 17.02.:

Am Mittwochmorgen veröffentlicht Reuters den japanischen Tankan-Index, der Aufschluss über den Konjunkturtrend in Nippon gibt. In dieser Erhebung wurde im Juni letzten Jahres der Tiefpunkt bei -46 Punkten erreicht. Für Februar 2020 rechnen die Analysten erstmals seit Juni 2019 mit einem leicht positiven Stand von +1 Punkt.

Um 8.00 Uhr werden am Mittwoch die Zahlen zu den Autozulassungen in Deutschland veröffentlicht. Diese spielen besonders für Palladium, Platin und Silber eine gewisse Rolle, da dieser Sektor mit zu den größten Verarbeitern der drei Metalle gehört. Wobei Silber speziell bei den aktuell hochsubventionierten Elektrofahrzeugen, Platin in den Katalysatoren von Selbstzündern und Palladium in den Katalysatoren von Otto-Motoren zum Einsatz kommt. Für die von der European Automobile Manufacturers Association gibt sind keine Prognosen verfügbar. Im Januar 2021 schlug jedoch ein Plus von 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zubuche. Im April 2020 lag der Rückgang auf Jahresbasis noch bei -43,8 Prozent.

Ebenfalls um 8:00 Uhr am Mittwoch werden die als Frühindikator für die Inflation geltenden Großhandelspreise für Deutschland veröffentlicht. Nachdem die Preise hier seit Februar letzten Jahres rückläufig waren, stagnierten diese im Dezember 2020 und könnten nun für den Januar erstmals auf Jahresbasis wieder positiv berichtet werden.

Um 14:30 Uhr MEZ folgen die Erzeugerpreise für die USA, die ebenfalls als Inflationsfrühindikator gelten. Nach einem Anstieg von 0,8 Prozent auf Jahresbasis im Dezember wird für den Januar 2021 mit einem Anstieg von 0,9 Prozent gerechnet.

Ebenfalls um 14:30 Uhr MEZ veröffentlicht das Census Bureau die Einzelhandelsumsätze für die USA. Hier wird nach einem leichten Minus im Dezember 2020 von -0,7 Prozent mit einem Plus auf Monatsbasis von 1 Prozent gerechnet.

Der private Konsum gilt als wichtigste Stütze der US-Wirtschaft und als entscheidend für die Konsumentenpreis-Teuerung (Inflation).

Um 20:00 Uhr MEZ veröffentlicht die US-Notenbank Fed das Protokoll ihrer letzten Sitzung vom 26. und 27. Januar. Von dem Protokoll erwarten sich die Marktteilnehmer konkrete Hinweise auf künftige geldpolitische Entscheidungen, die besonders für die zinssensitiven Edelmetalle von hoher Bedeutung sind.

Donnerstag 18.02.:

Am Donnerstag um 14:30 Uhr verlautbart das Department of Labor die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA. Mit einem Zuwachs auf Wochenbasis von 765.000 wird nach wie vor mit Werten, die ca. dreifach über dem langfristigen Durchschnitt liegen, gerechnet.

Um 16:00 Uhr werden von der Europäischen Kommission die Daten zum Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Februar gemeldet. Gerechnet wird am Markt mit einem nach wie vor auf Depressionsniveau befindlichen Indexstand von -15,5. Der absolute Tiefststand wurde mit -22,7 im April 2020 erreicht.

Freitag 19.02.:

Am Freitagmorgen werden in Japan sowohl der nationale Verbraucherpreisindex als auch die Einkaufsmanagerindizes (EMI) für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor vom Ministry of Public Management bzw. Nomura veröffentlicht.

Um 9:30 Uhr folgen aus Deutschland die Einkaufsmanager-Indizes (EMIs) für die Industrie und den Dienstleistungssektor. Hier wird neben dem Gesamtindex erneut besonderes Augenmerk auf die Preiskomponente gelegt werden. Die Industrie wird mit erwarteten 56,5 Punkten weiter auf dem Erholungspfad gesehen, wohingegen der Dienstleistungsindex mit 46,5 weiter im Schrumpfungsmodus verharren sollte (alles unter 50 Punkten).

Um 10:00 Uhr folgen die entsprechenden EMIs für die Eurozone.

Um 15:45 Uhr MEZ kommen dann zum Wochenabschluss noch die US-Einkaufsmanager-Indizes auf den Tisch. Der vorläufige Wert für die Industrie soll im Februar 58,5 betragen und für den Dienstleistungssektor 57,5. Spannend wird auch hier die Unterkomponente „bezahlte Preise“.

Am Freitag ist zudem in den USA Options-Expiration-Day, an dem eine Vielzahl von Optionen auf diverse Underlyings, u. a. auch Edelmetalle auslaufen. Das kann zu höherer Volatilität an den Märkten führen.


Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"