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Stand: 23.04.2021 von Hannes Zipfel
Nach einem Rückgang der Silbernachfrage im letzten Jahr um gut zehn Prozent wird für dieses Jahr mit einer deutlichen Erholung um 15 Prozent gerechnet. Aber auch der Minenausstoß von Silber wird sich nach dem Ende vieler produktionseinschränkender Maßnahmen wieder erholen.
Silber: Ausnahmejahr 2020 und neue Prognosen für 2021

Ausnahmejahr 2020: Wegbrechende Industrienachfrage vs. enormes Anlegerinteresse

Auch für den Silbermarkt stellte das letzte Jahr eine Ausnahmeerscheinung dar. Die Minenproduktion sank bedingt durch Shutdowns weltweit deutlich um sechs Prozent. Unter Berücksichtigung von Absicherungsgeschäften der Minengesellschaften und Verkäufen des öffentlichen Sektors wurde 2020 vier Prozent weniger Silber am Weltmarkt angeboten.

Die Industrie verarbeitete gleichzeitig fünf Prozent weniger des weißen Edelmetalls. Der Schmucksektor orderte 26 Prozent weniger Silber und im Bereich Silbergeschirr brach die Nachfrage sogar um knapp die Hälfte ein (-48 Prozent, Quelle: Metals Focus). Unter Berücksichtigung der Nettokäufe von Münzen und Barren bildete sich der physische Bedarf um zehn Prozent zurück und damit stärker als das Angebot.

Die Tatsache, dass sich Silber im Jahresverlauf 2020 in US-Dollar dennoch um über die Hälfte verteuerte, ist der enormen Nachfrage von Anlegern zu verdanken. Der Absatz von Münzen und Barren (Net Physical Investment) stieg um acht Prozent auf über 200 Millionen Unzen an.

Noch größer fielen die Steigerungen bei den Silber-ETPs aus (ETP = Exchange Traded Products). Die mit physischem Metall hinterlegten ETPs akkumulierten im vergangenen Jahr 331,1 Millionen Unzen, nach nur 83,3 Millionen Unzen im Jahr 2019. Der Anstieg des Anlegerinteresses nach ETPs hievte deren Silberbestände auf einen neuen Rekord.

Gleichzeitig führte der Zufluss an Silber in die Lager der ETPs insgesamt zu einem Angebotsdefizit von knapp einer Viertelmilliarde Unzen Silber (-251 Mio.).

Vor allem die explodierenden Staatsdefizite, die sehr lockere Geldpolitik, die niedrige Zinsen sowie die Befürchtung signifikant höherer Inflationsraten in der Zukunft steigerten das Interesse an dem Edelmetall mit monetärer Historie (Silber war lange Zeit das bedeutendste Geldmetall der Welt).

Das Comeback der Industrienachfrage und rückläufiges Anlegerinteresse

Für dieses Jahr wird mit einer Silber-ETP-Nachfrage von netto 150 Mio. Unzen gerechnet, was gleichwohl immer noch fast doppelt so viel wäre wie im Jahr 2019. Damit rechnet zumindest die weltweit größte Lobbyvereinigung der Minengesellschaften und Silber-Verarbeiter The Silver Institute, das zusammen mit dem Analysehaus Metals Focus in dieser Woche ihre Erwartungen für den Silbermarkt 2021 vorstellte:

Die Aussichten für die Silbernachfrage aus der Industrie, der Schmuckbranche und dem Segment Silbergeschirr sind demnach besonders positiv.

Aber auch das Interesse an Silbermünzen und Silberbarren soll sich im laufenden Jahr um gut ein Viertel auf ein neues Sechsjahreshoch ausweiten.

Der weltweite Bedarf an Silber soll in diesem Jahr ebenfalls ein Sechsjahreshoch in Höhe von 1,033 Milliarden Unzen erreichen und damit die im Jahr 2020 erlittenen Rückschläge wettmachen. Die industrielle Nachfrage wird 2021 gemäß den Prognosen von Metals Focus voraussichtlich ein Vierjahreshoch in Höhe von 524 Millionen Unzen erreichen, was einem Anstieg von acht Prozent gegenüber 2020 entspricht.

Die Nachfrage aus dem Elektro- und Elektroniksektor dürfte dabei den größten Teil der Gewinne ausmachen. Mit der zunehmenden Verbreitung der 5G-Technologie in der Unterhaltungselektronik erwarten die Experten für den Silbermarkt, dass dieser Sektor zu signifikanten Zuwächsen bei der Silberabnahme führen wird. Bereits im Jahr 2020 stieg der Bedarf in diesem Bereich um sieben Prozent auf über 300 Millionen Unzen an.

Auch die Silbernachfrage für Photovoltaikanlagen erholte sich bereits ab der zweiten Jahreshälfte 2020 stark, und diese Dynamik dürfte sich 2021 fortsetzen, so Metals Focus. Die Gesamtnachfrage für diesen Sektor wird auf 105 Millionen Unzen geschätzt. Der Bedarf wird vor allem von einer wachsenden Anzahl von Ländern profitieren, die neue Photovoltaik-Kapazitäten zur Erreichung ihrer Klimaziele und aus industriepolitischen Gründen installieren. Vor allem in vielen Entwicklungsländern stellt die dezentrale Stromerzeugung eine wichtige und vor allem stabile Versorgungsquelle dar.

Der Einsatz von Silber auf dem Automobilmarkt dürfte sich im Jahr 2021 ebenfalls stark erholen und auf etwas mehr als 60 Millionen Unzen ansteigen. Dieser Zuwachs ist sowohl auf die zunehmende Elektrifizierung und die Subventionierung von E-Autos und Hybridfahrzeugen zurückzuführen als auch auf die Digitalisierung der Fahrzeuge, unabhängig von deren Antriebsart. Silber wird aufgrund seiner hervorragenden elektrischen Leitfähigkeit v. a. in Leiterplatten und in anderen Bereichen als Kontaktstellen verwendet.

Die weltweite Schmucknachfrage wird sich nach herben Verlusten im vergangenen Jahr voraussichtlich auf 184,4 Millionen Unzen erhöhen, aber noch leicht unter dem Niveau von 2019 mit 202 Mio. Unzen verharren. Der Grund dafür ist die Erwartung einer nur moderaten Erholung aus Indien, wo sich die Pandemie weiter dynamisch ausbreitet und die Schwäche der Landeswährung die Kaufkraft in US-Dollar schmälert.

Eine ähnliche Prognose ergibt sich laut Metals Focus bei Silbergeschirr, das vom indischen Markt dominiert wird. Auch die Rückgänge im Bereich der gehobenen Hotellerie und Gastronomie belastet den Markt für das edle Geschirr noch in diesem Jahr.

Fazit und Ausblick

Zusammen mit der weltweiten Konjunktur wird sich die Silber-Nachfrage aus dem verarbeitenden Sektor erholen. Positive Nachfragetrends wie die aus der Elektroindustrie, der Kommunikation, der E-Mobilität und der Photovoltaik werden zudem wieder aufgenommen oder fortgesetzt.

Für die Preisgestaltung wird jedoch wie bereits im vergangenen Jahr die Nachfrage nach Münzen, Barren und Silber-ETPs entscheidend sein. Bleibt das Anlegerinteresse aufgrund der monetären und fiskalischen Rahmenbedingungen und der sich abzeichnenden industriellen Erholung hoch, dann sind weitere deutliche Anstiege des Silberpreises möglich.

Insgesamt erwarten die Analysten von Metals Focus und The Silver Institute neben einer neuen Rekordnachfrage auch einen weiter steigenden Silberpreis. Im Durchschnitt soll dieser mit 27,30 US-Dollar pro Unze um ein Drittel höher liegen als noch 2020

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Walter von der Vogelweide | 23.04.2021, 18:51 Antworten

Der Artikel ist wirklich aufschlussreich, jedoch habt ihr in letzter Zeit die Artikel besser und lesefreundlicher gestaltet.
Meckern auf hohem Niveau, vielen Dank, dass ihr diese Informationen kostenfrei bereitstellt.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"