Stand: 04.06.2020 von Florian Grummes
Im Anschluss an eine vierwöchige Seitwärtskonsolidierung haussiert der Silberpreis seit dem 14. Mai und erreicht zuletzt mit 18,38 USD am Pfingstmontag den höchsten Stand seit dem 25. Februar. Damit hat nun auch Silber alle durch den „Corona-Crash“ entstandenen Verluste wieder aufgeholt. Ähnlich wie der Goldpreis, die Bitcoin-Notierungen und zuletzt vor allem auch die Aktienmärkte hat also der Silberpreis ebenfalls eine V-förmige Erholung aufs Parkett gezaubert.
Silber: Da ist noch Luft nach oben

Der Grund für diese starken Erholungsmuster liegt aber nicht etwa in einer boomenden Realwirtschaft. Vielmehr haben Politiker und Notenbanker weltweit mit ihren historisch einmaligen Geldmengenausweitungen vermutlich den Beginn des Crack-up-Booms entfacht.

Dabei steigen zunächst die Preise für Finanzanlagen und dann auch Lebensmittelpreise nominal stark an, während sich die Realwirtschaft auf Talfahrt bzw. in einer Rezession oder Depression befindet.

Die Börsenkurse zeichnen dabei nur den Anstieg der Notenbankbilanzen nach, während sich die Finanzwirtschaft damit vollständig von der Realwirtschaft entkoppelt. Daher spricht man beim Crack-up-Boom auch von einer Katastrophenhausse. Mit freier Marktwirtschaft hat das alles nichts mehr zu tun. Vielmehr handelt es sich um das Endspiel in dem mittlerweile fünfzigjährigen Papiergeld-Experiment, welches mit dem sogenannten Schließen des Goldfensters 1971 begann.

Die physischen Edelmetalle sind in einem Crack-up-Boom eine „sichere Bank“ und die großen Gewinner, da sie außerhalb des untergehenden Systems stehen und Anlegern einen einfachen Weg bieten, um die Kaufkraft zu retten. Insbesondere Silber dürfte dabei auf die anziehende Inflation mit starken Anstiegen reagieren.

Tageschart Silber in US Dollar – Wie schnell kommen die Bullen zurück?

Tageschart Silber USD

Rückblickend brach der Silberpreis gut eine Woche nach unserer letzten Analyse aus seiner Seitwärtskonsolidierung nach oben aus. Wie beschrieben hatte sich einiges an Druck aufgebaut, welcher sich dann zügig in den letzten drei Wochen entlud. Schnell zogen die Silbernotierungen zunächst bis auf 17,60 USD an.

Nach einer kurzen Zwischenkonsolidierung ging es bis zum Pfingstmontag direkt weiter nach oben. Dabei wurde mit 18,38 US-Dollar bereits die nächste Widerstandszone zwischen 18,30 und 18,60 US-Dollar angelaufen.

In den letzten drei Handelstagen kam es jedoch zu einem Rücksetzer, welcher sich bislang allerdings noch oberhalb der letzten kleinen Konsolidierungszone und insbesondere oberhalb der Unterstützungszone um 17,20 US-Dollar halten kann.

Gleichzeitig könnten die 200-Tagelinie (16,92 US-Dollar) als auch der seit dem Corona Tief entstandene Aufwärtstrendkanal durchaus noch Rücksetzer bis leicht unter die psychologische Marke von 17,00 US-Dollar tolerieren.

Silber seasonax
Silber seasonax 2

Aus der saisonalen Perspektive endet die statistisch schwierige Phase zwischen März und Juli für die Edelmetalle jedoch erst in ein paar Wochen. Allerdings stehen in diesem Jahr am 3. November die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten an. Schon in Kürze dürfte dieses Thema alles andere überschatten. 

Für den Silberpreis ist in den US-Wahljahren ein etwas anderer saisonaler Verlauf typisch. Demnach verhält sich Silber meist bis in den Hochsommer hinein recht stark und beginnt dann erst ab Mitte/Ende Juli eine erste Korrektur. 

Nach einer Zwischenerholung sorgen dann die letzten sechs bis acht Wochen vor den Wahlen für einen durchaus starken Ausverkauf. Dieser zieht sich bis zum Wahltag Anfang November hin. Ähnliches ist auch für den Goldpreis zu beobachten. Die Saisonalität lässt in diesem Jahr also auf Sicht der kommenden sechs Wochen eher steigende Kurse erwarten.

Gold Futures 50 + 200-Tageslinie

Im größeren Bild ist vor allem der Goldpreis nach gut 21 Monaten Aufwärtsbewegung und einem Kursanstieg von fast 50% überkauft. Eine gesunder Rücksetzer in Richtung der steigenden 200-Tagelinie würde hier sicherlich gut tun und etwas heiße Luft ablassen. 

Ob es dazu aber überhaupt kommt, ist mittlerweile doch fraglich geworden. So hat sich auf dem Tageschart für den Gold Future erneut ein Konsolidierungsdreieck entwickelt, welches in der Regel trendkonform nach oben aufgelöst werden müsste.

Die relative Stärke in der saisonal eher schwierigen Frühlingsphase als auch der um sich greifende Crack-up-Boom könnten daher bereits dafür sorgen, dass der Gold-Future nicht mehr deutlich unter 1.685 US-Dollar fällt.

Zusammengefasst bedeutet dies für Silber, dass die Kurse kurzfristig nicht mehr deutlich unter 17,00 US-Dollar fallen sollten. Vielmehr dürfte sich in Kürze ein neuerlicher Angriff in Richtung 18,00 bis 18,50 US-Dollar formieren. Sollte hier in den kommenden Wochen der Durchbruch gelingen, wäre im Hochsommer eine parabolische Fortsetzung der Rally bis ca. 21,15 US-Dollar denkbar. Und erst ab Mitte September sollte man dann wirklich vorsichtig werden und mit dem Beginn einer größeren Korrektur rechnen.

Kauflimit unterhalb von 14,00 Euro erfolgreich

Gerade noch rechtzeitig hat das erneuerte Kauflimit am 7. Mai bei Kursen unterhalb von 14,00 Euro gegriffen. Mittlerweile wird die Feinunze Silber am Spotmarkt gut 12 % teurer gehandelt. Gleichzeitig haben sich die Aufgelder auf physische Silbermünzen und Silberbarren zuletzt weiter beruhigt. 

Wir gehen langfristig von deutlich höheren Silberkursen aus und sehen auch jetzt noch beim Silber das beste Chance/Risiko-Verhältnis unter den Edelmetallen. Wichtig ist allerdings, dass Anleger hier einen wirklich langen Zeithorizont mitbringen. Ein neues Kauflimit empfiehlt sich zunächst nicht.

Bitte erwarten Sie grundsätzlich keine fulminanten Kursgewinne, sondern machen Sie sich nochmals klar, dass es sich bei Edelmetallen um eine Versicherung gegen dramatische Verwerfungen an den Finanzmärkten handelt!

Auch wenn die Performance im Vergleich zu anderen Anlageklassen in den letzten Jahren eher enttäuschend war, führt an den Edelmetallen als Stabilisator und ruhender Anker kein Weg vorbei.

Autor: Florian Grummes
Technischer Analyst

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"