| GOLD | 4.701,04 $/oz | 4.015,60 €/oz | 129,10 €/g | 129.105 €/kg |
| SILBER | 87,34 $/oz | 74,62 €/oz | 2,40 €/g | 2.399,09 €/kg |
Der Goldpreis hingegen tat sich etwas schwerer, denn die leicht fallende 50-Tage-Linie (4.974 US-Dollar) konnte hier lediglich intraday kurz erreicht werden. In dieser Woche gaben die Goldnotierungen bereits wieder rund 200 US-Dollar nach. Insgesamt bleibt das korrektive Bild damit intakt und die Ende Januar begonnene gesunde Verschnaufpause im Edelmetall-Sektor setzt sich fort.
Shanghai- vs. westliche Silber-Spotpreise, vom 23. April 2026. © https://metalcharts.org/shanghai
Trotzdem bleibt die Lage am Silbermarkt angespannt, denn die Aufspaltung zwischen dem westlichen Papiermarkt und dem physischen Markt in Asien besteht weiterhin. Während sich in China die Lagerbestände wieder aufbauen, liegt der Aufschlag auf physisches Silber dort aktuell bei rund 15 %.
Kombinierte chinesische Silberbestände, vom 21. April 2026. © Inproved, Hugo Pascal
Zusammengenommen haben die Bestände der Shanghai Futures Exchange und der Shanghai Gold Exchange mit 1.062 Tonnen beziehungsweise 34,1 Millionen Unzen ein Drei-Monats-Hoch erreicht.
Gleichzeitig bleibt die fundamentale Nachfrage robust. Für 2026 erwartet das Silver Institute zwar einen Rückgang der industriellen Silbernachfrage um 3 % auf 639,6 Millionen Unzen, doch bleibt die Industrie – insbesondere der Solarsektor – mit 58 % der Gesamtnachfrage das Rückgrat des Silbermarktes.
Steigende Preise setzen dieser Entwicklung jedoch Grenzen: Bei deutlich höheren Notierungen wird Silber in Solaranwendungen zu einem immer größeren Kostenfaktor, weshalb Hersteller verstärkt auf Thrifting und teilweise auf Kupfer ausweichen. Dies ist weniger ein abrupter Strategiewechsel infolge steigender Preise, sondern vielmehr Ausdruck des anhaltenden Margendrucks in einer Branche, die bereits zuvor unter niedrigen Preisen und Überkapazitäten litt.
China importiert im März so viel Silber wie nie zuvor, vom 22. April 2026. © The Kobeissi Letter
Dennoch zeigt China eine bemerkenswerte Aufnahmefähigkeit für Silber. Die Importe sind im März wieder sprunghaft gestiegen, getrieben sowohl von der Retail-Nachfrage nach kleineren Barren als auch von Solar-Herstellern, die im Vorfeld des Wegfalls von Exportsteuerrabatten ihre Käufe vorgezogen haben. Dies spricht eher für eine weiterhin starke reale Nachfrage als für eine nachlassende Marktattraktivität.
Hinzu kommt ein instabiles geopolitisches und makroökonomisches Umfeld, das Silber langfristig stützen dürfte. Rekordhohe globale Schulden, steigende Zinslasten und anhaltende fiskalische Spannungen erhöhen die Attraktivität harter Sachwerte, während ein absehbares globales Wettrüsten die physische Silbernachfrage zusätzlich ankurbeln könnte.
Kurzfristig bleibt Silber zwar volatil und der gesunden Korrektur gefangen, doch strukturell und fundamental spricht alles dafür, dass Schwächephasen neues Kaufinteresse hervorrufen werden und der übergeordnete Aufwärtstrend früher oder später fortgesetzt werden wird.
Silber in US-Dollar, Tageschart vom 23. April 2026. © GOLD.DE
Tatsächlich gelang dem Silberpreis in den vergangenen drei Wochen die erhoffte Erholung bis an die 50‑Tage-Linie (78,60 US-Dollar). Mit einem Hoch bei 83,05 US-Dollar wurde dieser Durchschnitt zwischenzeitlich sogar klar überschritten und das wichtige 61,8 %-Retracement der vorangegangenen Abwärtsbewegung abgearbeitet. Letztlich wurden die Bullen hier jedoch recht abrupt ausgebremst und zurückgeworfen, sodass Silber am heutigen Donnerstag im Tief bereits wieder bis auf 74,24 US-Dollar zurückfiel.
Die Tages-Stochastik hat durch diesen Rücksetzer ein neues Verkaufssignal generiert, und auch das übergeordnete Bild spricht weiterhin für eine Fortsetzung der gesunden Korrektur. Bislang verläuft diese klar oberhalb der dynamisch steigenden 200‑Tage-Linie (61,68 US-Dollar). Wir gehen jedoch davon aus, dass sich der viel beachtete Durchschnitt bis zum Frühsommer mit dem Silberpreis treffen wird wollen.
Ein Rücksetzer bis an das untere Bollinger Band (68,50 US-Dollar) wäre dafür aktuell nicht ausreichend. Entweder benötigt die Korrektur daher deutlich mehr Zeit, sodass die 200‑Tage-Linie zwischenzeitlich weiter Boden gut machen kann, oder es kommt zu einer weiteren, schärferen Abwärtswelle.
Da der Monat Mai im Edelmetall-Sektor saisonal eher schwach ist, bleiben wir vorsichtig und sehen derzeit keinen Anlass für überstürztes Handeln. Solange ein weiteres geopolitisches Drama ausbleibt, dürfte sich der Silberpreis zunächst in einer Seitwärtsrange zwischen 70 und 80 US-Dollar bewegen.
Die laufende Korrektur im Silbermarkt ist bislang als konstruktiv einzuordnen und stellt keine übergeordnete Trendwende dar. Zwar sorgen technische Faktoren wie das Scheitern an der 50‑Tage-Linie sowie neue Verkaufssignale kurz- bis mittelfristig für Gegenwind, doch verläuft die Korrekturbewegung insgesamt trotz der starken Ausschläge weiterhin geordnet oberhalb zentraler Unterstützungen wie der steigenden 200‑Tage-Linie.
Damit bleibt das übergeordnete Bild intakt, auch wenn sich die Korrektur noch hinziehen könnte. Im "Worst-Case-Szenario" könnte eine weitere Abwärtswelle zum Test der Ausbruchszone zwischen 45 und 55 US-Dollar führen.
Gleichzeitig liefert die fundamentale Seite weiterhin Rückhalt: Die robuste physische Nachfrage, insbesondere aus Asien, sowie strukturelle Faktoren wie geopolitische Spannungen und hohe globale Verschuldung sprechen klar für ein anhaltend hohes Interesse an Silber. Vor diesem Hintergrund dürften Schwächephasen zunehmend als Einstiegsgelegenheiten wahrgenommen werden. Kurzfristig ist zwar mit anhaltender Volatilität und der Seitwärtsbewegung zwischen 70 und 80 US-Dollar zu rechnen, mittel- und vor allem langfristig überwiegen jedoch die Argumente für eine Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends.