Stand: 07.02.2016 von Florian Grummes 0 Kommentare

Die ersten fünf Wochen im neuen Jahr sind bereits vorüber und die Börsenwelt steht auf dem Kopf. Obwohl die Notenbanken auch weiterhin weltweit für Liquidität sorgen, legten sowohl der heimische DAX als auch die US-Weltleitbörse DowJones einen katastrophalen Start ins neue Börsenjahr auf das Parkett. Hauptursache dürften die Verwerfungen am chinesischen Aktienmarkt sein. Immer deutlicher stellt sich das dortige Wirtschaftswunder als ein auf Sand gebautes Kartenhaus dar. Konsequenterweise ist einer der wichtigsten Frühindikatoren für die Weltwirtschaft, der Baltic Dry Index (Preisindex für die Verschiffung von Frachtgütern), in den letzten Wochen auf den tiefsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gefallen. Der extreme Preisverfall beim Ölpreis wird daher nicht mehr als Konjunkturprogramm wahrgenommen, sondern als Bestätigung für eine herannahende Weltwirtschaftskrise.

Die Profiteure dieser Dramatik sind bisher neben einem stärkeren Euro vor allem die Edelmetalle und ganz besonders der Goldpreis.

Die Edelmetalle gewinnen an Momentum

Relativ gemächlich, aber doch klar erholt von den Dezembertiefs starteten Gold und Silber zunächst in das neue Jahr. Nach mehrmaligen Rücksetzern an wichtigen Widerstandsmarken, ist in den letzten Tagen mit dem Ausbruch über die 200-Tagelinie jedoch deutlich mehr Bewegung in den Goldmarkt hineingekommen. Die Bullen haben das Momentum genutzt und konnten den Preis mit 1.161 US-Dollar auf den höchsten Stand seit über drei Monaten treiben. Auffällig sind aber vor allem die stürmischen Kursanstiege zahlreicher Goldminenaktien. Während die südafrikanischen Minenunternehmen bereits seit Anfang/Mitte Dezember haussieren, brach der HUI-Goldbugsindex im Januar zwischenzeitlich noch auf ein neues Tief ein. Schnell stellt sich dies aber als üble Bärenfalle heraus und der Index konnte in den letzten 13 Handelstagen aus dem Stand heraus in der Spitze bereits über 43 % zulegen. Die Stimmung an den Edelmetallmärkten hat sich damit deutlich verbessert. Immer mehr Marktteilnehmer gehen nun nach fast fünfjähriger Korrektur von einer erfolgreichen Trendwende aus.

Wochenchart Silber in Euro

Wochenchart Silber in Euro


Aufgrund des schwächeren US-Dollars hält sich die Kursentwicklung beim Silber in Euro gerechnet jedoch bis jetzt in Grenzen. Allerdings hat die seit Dezember 2014 stützende Aufwärtstrendlinie im Dezember klar gehalten und für eine Erholung gesorgt. Diese hätte kurzfristig auch noch etwas Platz nach oben. Übergeordnet scheint der Silberpreis auf dem Wochenschart weiterhin in ein Dreieck hinein zulaufen, welches das Kursgeschehen auf der Oberseite bei ca. 14,10 Euro und auf der Unterseite bei ca. 12,60 Euro begrenzt. Innerhalb dieser Marken könnten die Notierungen bis zum Sommer weiter konsolidieren und damit unterm Strich seitwärts verlaufen. Beendet ist die Baisse aber erst mit einem Wochenschlusskurs oberhalb von 16,05 Euro.

Tageschart Silber in Euro

Tageschart Silber in Euro


Auf dem Tageschart hat sich der Silberpreis ganz gut an die vor vier Wochen ausgegebene Marschroute gehalten. Ein Anstieg bis 13,55 Euro war aber bisher nicht zu beobachten. Da sich die fallende 200-Tagelinie (13,64 Euro) dieser Widerstandszone zunehmend nähert, wäre ein Anstieg bis dorthin in den kommenden Wochen durchaus noch denkbar. Auch das seit Mitte Dezember aktive MACD-Kaufsignal unterstützt die Aufwärtsbewegung und hat noch Luft nach oben.

Auf der Unterseite bietet zunächst die 50-Tagelinie um 12,95 Euro eine gute erste Unterstützung. Eine Etage tiefer bilden dann das untere Bollinger Band und die Aufwärtstrendlinie um 12,60 Euro ein Bollwerk gegen die Bären, welches wohl nicht mehr unterschritten werden wird. Insgesamt liefert das technische Bild aktuell einen verhalten positiven Eindruck, das kurz- bis mittelfristige Anstiegspotential erscheint aber begrenzt. Erst ein Ausbruch über die Marke von 13,55 Euro würde die Lage weiter aufzuhellen.

Saisonal betrachtet, laufen die Edelmetalle auf Sicht der kommenden vier Monate nun zunehmend unter einem ungünstigen Stern, denn der saisonale Zyklus bringt typischerweise erst ab dem Sommer (Juni/Juli) wieder eine nachhaltige Aufwärtsbewegung. Natürlich kann man argumentieren, dass dieser saisonale Zyklus in solch dramatischen Zeiten keine Rolle spielt, ganz außer Acht lassen sollte man ihn aber auch nicht. Neben der Saisonalität mahnt momentan auch das Sentiment zumindest kurzfristig zur Vorsicht. Die Kitco-Gold Umfrage liefert die dritte Woche hintereinander einen Bullenwert von über 80 %. Das hat sich in der Vergangenheit immer als sehr guter Kontraindikator bewährt. Zudem dürften sich auch die Daten vom Terminmarkt nun längst nicht mehr so positiv wie noch Ende Dezember präsentieren.

Nächste Einstiegschance um die 50-Tagelinie bei 12,95 Euro

Das vor vier Wochen ausgegebene Kauflimit bei 12,85 Euro wurde bereits am nächsten Handelstag ausgeführt. Mittlerweile liegen sie mit diesem Kauf bereits solide im Plus.

Als nächste Nachkaufgelegenheit könnte sich ein typischer Rücksetzer zurück an die 50-Tagelinie (12,96 Euro) herausstellen. Insofern empfiehlt sich eine minimale Anhebung des Kauflimits auf 12,95 Euro.

Im großen Bild bleibt Silber extrem unterbewertet und verfügt über deutlich größere Anstiegschancen als Gold, denn aktuell müssen sie für eine Unze Gold fast 78 Unzen Silber auf den Tisch legen! Damit ist Silber langfristig betrachtet viel zu günstig.

Silber in Euro - Mit angezogener Handbremse
Florian Grummes - Florian Grummes ist unabhängiger Finanzanalyst und Berater sowie internationaler Referent mit über 20 Jahren Erfahrung auf den Finanzmärkten. Dabei hat sich Herr Grummes auf die Edelmetalle, Kryptowährungen und die technische Analyse spezialisiert. Mit der Kombination aus technischer, fundamentaler sowie Sentiment Analyse gelingt ihm häufig eine akkurate Konklusion und Prognose zum Goldmarkt.
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