Stand: 05.03.2016 von Florian Grummes 0 Kommentare

Während sich der Goldpreis nach dem fulminanten Jahresauftakt in den letzten Wochen auf hohem Niveau halten konnte und seit gut drei Wochen in eine volatile Konsolidierung übergegangen ist, gelingt es dem Silberpreis bisher nicht, ein ähnlich bullisches Momentum zu entfachen. Vielmehr gab Silber vom Hoch am 11. Februar bei 15,92 US-Dollar zwischenzeitlich bereits knapp 8,3 % ab. Allerdings ist in den letzten Tagen ausgehend von 14,68 US-Dollar eine rasche Stabilisierung zu beobachten gewesen. Während der Goldpreis aus seinem mehrjährigen Keil bereits klar nach oben ausgebrochen ist, hat der kleine Bruder Silber diese Herausforderung noch vor sich. Aktuell benötigt es dazu einen nachhaltigen Anstieg über 16,00 US-Dollar.

Silber bleibt krass unterbewertet

Neben der Tatsache, dass Silber in der Regel erst im weiteren Verlauf einer Edelmetallhausse in die Gänge kommt, fehlt derzeit einfach das von Silber so geliebte inflationäre Umfeld. Auch ist seitens der ETFs bisher keine deutlich gestiegene Nachfrage zu verzeichnen. Der Goldmarkt hingegen wird derzeit ganz klar von den sprunghaft gestiegenen ETF-Käufern physisch unter Druck gesetzt. Vor allem derSPDR Gold Shares ETF (Symbol GLD) hat seit Jahresbeginn knapp 150 Tonnen mehr Gold in seinen Beständen angehäuft. Offensichtlich ist durch den miserablen Jahresauftakt an den Aktienmärkten das Bedürfnis nach Sicherheit bei vielen Anlegern stark gestiegen. Hinzu kommen nun die auch im Dollarraum ganz offiziell angestrebten negativen Realzinsen.

Auch wenn Silber über weite Teile des Mittelalters als auch der frühen Neuzeit oft als offizielle Währung verwendet wurde, so ist es aktuell doch fast vollständig entmonetarisiert. Das Gold/Silber-Ratio liegt mit aktuell knapp 83:1 auf dem höchsten Stand seit über sieben Jahren. Legt man die natürlichen Gold- und Silbervorkommen in der Erdkruste zu Grunde, ergibt sich jedoch ein Verhältnis von lediglich ca. 17,5:1. Fundamental betrachtet ist Silber derzeit also krass unterbewertet und bietet auf Sicht der nächsten Jahre sicherlich deutlich mehr Potential als der kurzfristig doch etwas heiß gelaufene Goldpreis.

Wochenchart Silber in Euro

Auf dem logarithmischen Wochenchart konnte sich der Silberpreis in Euro gerechnet bisher nicht aus seinem 14-monatigen Dreieck befreien. Zuletzt misslang ein weiterer Versuch nach oben auszubrechen. Allerdings konnten die Bullen bereits an der wichtigen Unterstützungslinie um 13,50 Euro ihre Kräfte wieder sammeln und scheinen einen erneuten Angriff auf die obere Dreiecksbegrenzung gestartet zu haben. Aber erst mit einem Wochenschlusskurs oberhalb von 14,00 Euro wäre der Befreiungsschlag tatsächlich geglückt. In diesem Fall sollte dann die nächste Abwärtstrendlinie im Bereich um 15,00 Euro direkt angesteuert werden können. Das Kaufsignal beim MACD-Indikator dürfte hierfür zusätzlichen Schub liefern.

Sollte jedoch die wichtige Unterstützung um 13,50 Euro wieder Erwarten nicht halten, so müsste die untere Trendlinie des Dreiecks zügig getestet werden. Diese verläuft aktuell bei ca. 12,50 Euro. Ein Wochenschlusskurs unter dieser Marke würde das Dreieck schließlich bärisch auflösen und vermutlich einen Abverkauf bis zum Tief aus dem Dezember 2014 bei 11,50 Euro erzwingen. Die chart-technische Situation favorisiert aktuell klar den Ausbruch nach oben.

Übergeordnet lässt sich das eindeutige Ende der fast fünfjährigen Baisse am Silbermarkt auf Eurobasis aber erst mit einem Wochenschlusskurs oberhalb von 16,00 Euro ausrufen.

Tageschart Silber in Euro

Auf dem Tageschart brach der Silberpreis aus seinem relativ flachen Aufwärtstrendkanal in den letzten Wochen zunächst nach oben aus, nur um dann wieder in diesen zurückzufallen. Positiv ist dabei vor allem die Tatsache, dass sich Silber nun ganz offensichtlich oberhalb seiner 200-Tagelinie (13,51 Euro) behaupten kann. Zudem steigt die 50-Tagelinie (13,25 Euro) mittlerweile steil an und bietet den Bullen zusätzliche Unterstützung. In den kommenden Wochen wird es daher spannend. Gelingt den Bullen der Ausbruch aus dem Dreieck, wäre der Weg bis ca. 15,00 Euro frei. Auf der Unterseite hingegen wird es erst unterhalb von 13,00 Euro ungemütlich. Auf dem Weg dorthin wäre der Silberpreis neben den genannten gleitenden Durchschnitten auch vom unteren Bollinger Band stark unterstützt. Ein Ausbruch nach oben ist aktuell sicherlich das deutlich wahrscheinlichere Szenario.

Saisonalität und Terminmarkt senden Warnsignale

Gegen den bullischen Befreiungsschlag spricht jedoch der saisonale Zyklus. Sowohl Gold als auch Silber haben hier vorerst ihre beste Phase hinter sich. Typischerweise entwickeln sich beide Edelmetalle bis zum Frühsommer eher schwach. Fast immer war in den letzten Jahren zwischen Mitte Juni und Ende Juli ein wichtiges Tief zu beobachten. Erst ab August dreht hier die Statistik auf stark bullisch. Allerdings ist aktuell in dem von Angst und Panik geprägten Marktumfeld auch eine deutliche Abweichung denkbar.

Negativ präsentieren jedoch die neuesten Daten vom Terminmarkt. Hier haben die professionellen Hedger in den überschaubaren Kursanstieg ihre Leerverkaufspositionen stark ausgeweitet und halten derzeit die höchste Shortposition seit 2008. Dies ist ein klares Warnsignal und müsste in den kommenden Monaten zu einem größeren Rücksetzer führen.

Nächste Einstiegschance unterhalb von 13,35 Euro

Mit einem Tiefstkurs bei 13,36 Euro wurde das vor vier Wochen ausgegebene Kauflimit bei 12,95 Euro leider verfehlt. Eine neue Nachkaufgelegenheit müsste sich im Laufe des Frühlings ergeben. Allerdings sind Kurse unterhalb von 13,00 Euro derzeit nicht absehbar. Insofern empfiehlt sich eine Anhebung des Kauflimits auf 13,35 Euro.

Im großen Bild bleibt Silber das aussichtsreichste Edelmetall und sollte in den nächsten Rücksetzer weiter akkumuliert werden.

Silber in Euro - Wann kommt der Ausbruch?
Florian Grummes - Florian Grummes ist unabhängiger Finanzanalyst und Berater sowie internationaler Referent mit über 20 Jahren Erfahrung auf den Finanzmärkten. Dabei hat sich Herr Grummes auf die Edelmetalle, Kryptowährungen und die technische Analyse spezialisiert. Mit der Kombination aus technischer, fundamentaler sowie Sentiment Analyse gelingt ihm häufig eine akkurate Konklusion und Prognose zum Goldmarkt.
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