Stand: 20.11.2011  1 Kommentare

Am 17.11. veröffentlichte der Informationsdienstleister GFMS seine neuste Analyse vom internationalen Silbermarkt. 2011 kaufen Anleger weniger Silber als im Vorjahr, müssen dafür aber aufgrund des stark gestiegenen Preises mehr Geld investieren.
Interessant ist vor allem, dass im kommenden Jahr ohne steigende Investmentnachfrage ein Angebotsüberschuss bei Silber existieren wird. Diese Tatsache bedeutet erhebliche Risiken für den Silberpreis, sollte die Investitionsnachfrage wider Erwarten nicht steigen oder sogar abnehmen.

Industrielle Silbernachfrage hält mit Wirtschaftswachstum Schritt

2011 wird laut GFMS die industrielle Nachfrage nach Silber um 4 % steigen, nach +10 % im Jahr 2010. In diesem Jahr wird voraussichtlich ein neues Allzeithoch bei der industriellen Nachfrage erreicht. 4 % sind jedoch nur ein zum allgemeinen Wirtschaftswachstum proportionaler Anstieg. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr ebenfalls um 4 % wachsen wird.

Demnach gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und industrieller Silbernachfrage, der offenbar unbeeinflusst bleibt durch Produktneuentwicklungen mit möglicherweise höherem Silberbedarf. GFMS deutet sogar an, dass der Silberverbrauch nur deshalb mit dem allgemeinen Wirtschaftswachstum Schritt hielt, weil die Industrie in diesem Jahr hohe Lagerbestände aufbaute. Die vorhandenen Lagerbestände bei industriellen Kunden würden wahrscheinlich die Nachfrage im kommenden Jahr reduzieren.

Schmuck: Jetzt lieber Silber als Gold

Während die Fotografie mit -10 % und Silberwaren wie Bestecke mit -8 % nicht zum Nachfrageanstieg beitrugen, wurde eine höhere Ordermenge der Schmuckindustrie verzeichnet. GFMS geht davon aus, dass aufgrund der stark gestiegenen Goldpreise eine Marktverschiebung weg von Gold- hin zu Silberschmuck stattfindet. Diese Einschätzung deckt sich mit den Daten des World Gold Council, die eine abnehmende Goldschmuck-Nachfrage zeigen.

Angebot- und Nachfrageanstieg hielten sich 2011 die Waage

Einem rund 4-prozentigen industriellen Nachfrageanstieg stand eine leicht schwächer steigende Minenförderung gegenüber. Trotz der merklich höheren Preise konnten die reinen Silberminen ihre Fördermenge seit 2010 kaum ausweiten. Dass das Minenangebot überhaupt mit der Nachfrage Schritt hielt, liegt an den Basismetallminen. Diese Minen fördern häufig Silber als Nebenprodukt - und haben Ihre Produktion 2011 aufgrund des hohen Wirtschaftswachstums ausgeweitet. Dabei fiel auch mehr Silber als Beiprodukt an.

Recyclingangebot wächst, staatliches Angebot schrumpft rapide

Das Angebot vom Recyclingmarkt stieg wie im Vorjahr um 10 %. Offensichtlich wird das hohe Preisniveau zum vermehrten Einschmelzen alter Silberbestände genutzt.
Gleichzeitig sank das Angebot aus staatlichen Beständen rapide, nachdem es im Vorjahr noch stark stieg. Das staatliche Angebot war so klein wie zuletzt vor mehr als einem Jahrzehnt. Auf die Käuferseite gewechselt sind die staatlichen Stellen bei Silber jedoch noch nicht, ganz im Gegensatz zu Gold.

Minen schrauben die Absicherung gegen Preisrückgänge zurück

Gesunken ist das Angebot der Minen auf den Terminmärkten - die Produzenten haben ihre Absicherungsgeschäfte um 30 % reduziert. Gleichwohl verkaufen die Minen noch immer Silber im Voraus, eine Praxis, die die Goldminen inzwischen fast zur Gänze eingestellt haben. Mit Vorausverkäufen sichern sich die Minen das aktuelle Preisniveau, müssen die Ware aber erst zu einem späteren Zeitpunkt liefern. Ein abnehmendes Volumen an Vorwärtsverkäufen deutet darauf hin, dass die Minenunternehmen mit steigenden Preisen rechnen.

An Investoren wurde 2011 weniger Silber verkauft als im Vorjahr

Im Jahr 2011 wurde etwas weniger Silber an Investoren verkauft als im Vorjahr. Gleichwohl war es das zweitgrößte Verkaufsvolumen aller Zeiten. Insgesamt werden voraussichtlich fast 280 Millionen Unzen zu Investitionszwecken nachgefragt.

Für diese 280 Millionen Unzen mussten die Investoren jedoch wesentlich tiefer in die Tasche greifen als noch im Vorjahr. Grund sind die im Jahresschnitt um 88 % gestiegenen Preise. Die nachgefragte Silbermenge entspricht daher einem Gegenwert von rund 10 Milliarden US-Dollar nach nur 4 Milliarden im Vorjahr.
Für Münzen wird im Jahr 2011 25 % mehr Silber verbraucht als im Vorjahr.

Silbernachfrage der Anleger in drei Jahren um Faktor 6 gestiegen

GFMS geht davon aus, dass im nächsten Jahr das Minenangebot weiter steigen wird. Die Industrie allein wird das Mehrangebot nicht aufnehmen können, so dass sich ein Angebotsüberschuss ergäbe. Der Angebotsüberschuss wird voraussichtlich von der wieder wachsenden Nachfrage zu Investitionszwecken aufgezehrt. Daher rechnet GFMS mit anziehenden Preisen und kalkuliert einen durchschnittlichen Silberpreis von mehr als 45 US-Dollar im Jahr 2012.

Sollte die Investitionsnachfrage wider Erwarten nicht zunehmen, dürften die Preise in den kommenden Jahren erheblich unter Druck geraten. Ungemach droht auch, sollten sich die Investoren irgendwann einmal von ihrem Silber trennen wollen. Inzwischen verschwindet mehr als ein Drittel der jährlichen Minenförderung sofort in Barren- und Münzenform als Anlagesilber in Tresoren. In den vergangenen drei Jahren hat sich die Investitionsnachfrage fast um den Faktor sechs erhöht.

Kehrt sich dieser Trend jemals um, würde das Angebot-Nachfrage-Verhältnis für mehrere Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, aus dem Gleichgewicht geraten. Die nur mäßig wachsenden industriellen Verbraucher wären nicht in der Lage, in kurzer Zeit die durch eventuelle Desinvestition auf den Markt strömenden Silbermengen aufzunehmen.

© Gold.de
Autor: Thomas Kallwass

Du hast eine Meinung dazu? Her damit!
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen siehst du?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Du kannst deine Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Hier findest du unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [1]
  • von Brösgen, Gerd | 06.12.2011, 11:50 Antworten

    Der große Reibach mit Gold und Silber ist vorbei, aber der kleine über Jahre hinweg mit jährlich, sagen wir mal 10%+-5% bleibt, solange der Euro existiert so sicher wie das Amen in der Kirche.

Copyright © 2009-2019 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany