Stand: 16.05.2017 von © Gold.de Redaktion JB/GW 4 Kommentare

Am vergangenen Donnerstag meldete das in Washington DC beheimatete Silver Institute für 2016 den ersten Rückgang der Minenproduktion seit 14 Jahren. Dies passt in das derzeit ausgesprochen negative Marktsentiment bei Silber.

Minenunternehmen schalten einen Gang bei Silber zurück

Einen regelrechten Schwächeanfall erlitt das mit Abstand günstigste Edelmetall seit Mitte April und rutschte seither um zehn Prozent ab. Damit haben sich die seit dem Jahreswechsel verbuchten Kursgewinne von in der Spitze 13 Prozent komplett in Luft aufgelöst.

Bei der Präsentation des Jahresberichts zur Lage am Silbermarkt haben die Analysten vom Silver Institute auf einige Besonderheiten hingewiesen. Erstmals seit dem Jahr 2002 ging es zum Beispiel mit der Minenproduktion leicht bergab.

Auf Jahressicht reduzierte sich diese von 890,8 Millionen auf 885,8 Millionen Feinunzen (-0,6 Prozent). Beim Recycling war ein Rückgang von 141,1 Millionen auf 139,7 Millionen Feinunzen (-1,0 Prozent) registriert worden.

Bereinigt um Preisabsicherungstransaktionen (Hedging) hat sich das globale Silberangebot im Jahr 2016 von 1.039,7 Millionen auf 1.007,1 Millionen Feinunzen (-3,1 Prozent) ermäßigt.

Rückgang bei der physischen Silbernachfrage

Noch deutlicher ging es bei der physischen Silbernachfrage bergab. Hier war im vergangenen Jahr ein Rückgang von 1.151,5 Millionen auf 1.027,8 Millionen Feinunzen und somit ein zweistelliges Minus von 10,7 Prozent zu verzeichnen.

Ein nachlassender Appetit auf Silber war in den meisten Marktsegmenten zu beobachten (siehe Tabelle). Traditionell stammt mehr als die Hälfte der Silbernachfrage aus diversen Industrien. Per Saldo war 2016 ein leichter Rückgang von 569,6 Millionen auf 561,9 Millionen Feinunzen (-1,4 Prozent) zu beklagen.

Silber: Angebot und Nachfrage im Jahr 2016

Mio. Feinunzen 2015 2016
Angebot davon:
Minenprduktion 890,80 885,80 -0,6%
Recycling 141,10 139,70 -1,0%
Hedgingtransaktionen 7,80 -18,40
insgesamt 1039,70 1007,10 -3,1%
Nachfrage davon:
Schmuckbranche 228,30 207,00 -9,3%
Barren & Münzen 290,70 206,80 -28,9%
Silberware 62,90 52,10 -17,2%
Industrie davon: 569,60 561,90 -1,4%
Elektrik & Elektronic 245,90 233,60 -5,0%
Metallverarbeitung 61,50 55,40 -9,9%
Fotografie 46,60 45,20 -3,0%
Photovoltaik 57,20 76,60 33,9%
Ethylenoxid 10,20 10,20 0,0%
andere Anwendungen 148,40 141,00 -5,0%
insgesamt 1151,50 1027,80 -10,7%
Lagerbestände:
Exchange Traded Products -17,70 47,00
Handelsplätze 12,60 79,80
Quelle: GFMS Thomson Reuters / Silver Institute

Kräftiges Nachfragewachstum verzeichnete lediglich der Photovoltaiksektor, dessen Bedarf von 57,2 Millionen auf 76,6 Millionen Feinunzen (+33,9 Prozent) einen regelrechten Boom erlebt hat.

Stagnation war hingegen mit unverändert 10,2 Millionen Feinunzen bei Ethylenoxid zu beobachten, welches vor allem als Desinfektionsmittel zum Einsatz kommt. In den anderen Bereichen kam es mitunter zu regelrechten Einbrüchen.


In den beiden besonders nachfrageintensiven Bereichen Elektrik & Elektronik (-5,0 Prozent) sowie beim Legieren und Veredeln von Metallen (-10,0 Prozent) war diese Negativtendenz besonders ausgeprägt.

Nachlassendes Interesse war 2016 aber auch im Schmucksektor, bei Silberbarren und Silbermünzen sowie bei Silberwaren registriert worden. Die globale Schmuckbranche musste 2016 beispielsweise einen Rückgang von 228,3 Millionen auf 207,0 Millionen Feinunzen (-9,3 Prozent) hinnehmen, weil vor allem China und Indien schwächelten.

Einen besonders heftigen Nachfrageeinbruch gab es bei Barren & Münzen zu beklagen, wo im vergangenen Jahr ein Minus von 290,7 Millionen auf 206,8 Millionen Feinunzen (-28,9 Prozent) zu Buche schlug.

Eine ähnlich negative Entwicklung gab es bei Silberwaren zu beobachten. Hier sank die Nachfrage um 17,2 Prozent auf 52,1 Millionen Feinunzen. Angesichts dieses insgesamt negativen Umfelds fragt man sich, warum der durchschnittliche Silberpreis 2016 von 15,68 auf 17,14 Dollar (+9,3 Prozent) kräftig angestiegen ist?

Dies hatte zwei Gründe: Erstens die massiven Zuflüsse physisch hinterlegter Finanzprodukte auf Silber in Höhe von 47 Millionen Feinunzen (2015: minus 17,7 Millionen Feinunzen).

Zweitens: Die massive Aufstockung der Lagerbestände an den Silber-Handelsplätzen, die sich summa summarum auf ein Plus von 79,8 Millionen Feinunzen belaufen haben.

Ausblick für die laufende Woche

Bei der Silberpreisentwicklung dürfte es in den kommenden Handelstagen extrem spannend werden. Zum einen verläuft nämlich im Bereich von 16 Dollar eine wichtige Unterstützungszone, die es zu verteidigen gilt.

Historische Silberpreis-Entwicklung

Zum anderen löste der Timingindikator Relative-Stärke-Index am vergangenen Freitag mit dem Überwinden der Marke von 30 Prozent ein charttechnisches Kaufsignal aus. Im Dezember 2015 erwies sich ein solches Signal als wahrer „Volltreffer“, schließlich kletterte der Silberpreis nachfolgend von 14,00 auf 20,60 Dollar.

Doch so richtig grün leuchten die charttechnischen Ampeln bei Silber noch nicht. Grund: Im April drehte die langfristige 200-Tage-Linie nach unten, was in der Chartlehre als Indiz für einen Trendwechsel nach unten interpretiert wird.

Wie sich dieses Spannungsfeld auflösen wird, bleibt abzuwarten.

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Kommentare [4]
  • von Gefühle und Verhalten sind die Wahrheit des menschen ! | 18.05.2017, 01:28 Antworten

    ja schmuckbranche ist zurückgegangen seit 2002 ich weis die gründe , auch barren münzen grund weis ich und wer es wissen will sollte sich hier melden dann werde ich die zwei gründe der ursache erläutern !

    • von toni | 19.05.2017, 14:24 Antworten

      oh Ja, bitte eine Erläuterung

    • von Simbabwedollar | 19.05.2017, 17:45 Antworten

      auch ich möchte erleuchtet werden - bitte.

  • von Bernd Eisel | 19.05.2017, 17:43 Antworten

    Im großen charttechnischen Bild könnte sich der Henkel einer Tasse ausbilden. Sollte dieses so sein, werden wir an den zukünftigen Silber- aber auch den Goldpreisen noch viel Spaß haben.

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