Gold: 3.760,15 € 0,19 %
Silber: 58,62 € -0,83 %
Stand: 07.05.2026 von Florian Grummes
In den vergangenen zwei Wochen setzte sich die erwartete Korrektur der Edelmetallpreise fort. So fiel der Goldpreis bis Montag dieser Woche auf 4.501 US-Dollar zurück, während Silber sein Tief bereits am 29. April bei 70,86 US-Dollar markierte. Seit Montagabend konnten sich beide Edelmetalle deutlich erholen. Die dynamische Bewegung der vergangenen zwei Tage dürfte dabei vor allem von Eindeckungskäufen der Leerverkäufer getragen worden sein.
Silber vor Befreiungsschlag? China kauft, Shorts werden nervös

Der zunehmende Verkaufsdruck ab Ende April hatte vermutlich zahlreiche Marktteilnehmer zu Short-Positionen verleitet.

Wie auch immer die Ausgangslage im Detail zu bewerten ist: Silber notiert inzwischen wieder über 80 US-Dollar und hat heute auch seine 50-Tage-Linie bei 77,41 US-Dollar mühelos überwunden. Dem Goldpreis fehlen zu diesem viel beachteten Durchschnitt noch rund 55 US-Dollar. Insgesamt hat sich das Bild in dieser Woche deutlich aufgehellt. Nun muss diese Bewegung weiter an Breite gewinnen, damit sie nicht lediglich ein Strohfeuer innerhalb der übergeordneten Korrektur bleibt.

Chinas Silberaufschläge bleiben hoch

Vergleich Shanghai- vs. westliche Edelmetall-Spotpreise am 07.05.2026Shanghai- vs. westliche Edelmetall-Spotpreise, vom 07. Mai 2026. © Hugo Pascal

Trotz der Korrekturbewegung seit Ende Januar sind die Aufschläge in China hoch geblieben. Gold liegt rund 0,47 % über dem LBMA-Niveau, während Silber mit einem sehr deutlichen Aufschlag von 13,8 % gegenüber der LBMA gehandelt wird.

Silber Premiums in Shanghai 06.05.2026Silber Premiums in Shanghai, vom 06. Mai 2026. © Hugo Pascal

Seit der Kursspitze Ende Januar und dem scharfen Rücksetzer im Februar halten sie die „Silver Premiums“ in China seit Anfang März erstaunlich stabil, was grundsätzlich für eine anhaltend starke physische Silbernachfrage spricht. Die hohe Volatilität und der zwischenzeitliche Rücksetzer von fast 50 % scheinen die Käufer nicht verscheucht zu haben.

Der Silbermarkt wird enger

Im Gegenteil, der Silbermarkt zeigt derzeit ein bemerkenswert enges Bild: Das Open Interest an der COMEX ist auf den niedrigsten Stand seit über 20 Jahren gefallen. Zwar spielte dabei auch der auslaufende Mai-Kontrakt eine Rolle, doch insgesamt signalisiert die Entwicklung, dass spekulative Long-Positionen weitgehend aus dem Markt sind. Für die Short-Seite bedeutet das: Weitere Kursdrücker treffen zunehmend auf Kaufinteresse statt auf Verkaufsbereitschaft.

Gleichzeitig verdichten sich die Zeichen eines grundlegenden Angebots-Nachfrage-Konflikts.

Die weltweite Minenproduktion ist in den vergangenen Jahren zwar nur leicht zurückgegangen und wurde teilweise durch steigendes Altmetallangebot kompensiert. Dennoch kam es in den letzten fünf Jahren zu Angebotsdefiziten, und unter Einbeziehung der ETF-Nachfrage steuert der Markt bereits auf das achte Defizitjahr in Folge zu. Besonders relevant ist dabei, dass die industrielle Nachfrage und die Investment-Nachfrage inzwischen gleichzeitig anziehen.

Chinas Silber-Hunger bleibt ungebrochen

Aus chinesischer Perspektive wird die Lage noch spannender: China hat als zweitgrößter Silberproduzent bislang auch Lagerbestände genutzt, um die westliche Industrie zu versorgen. Dieses Polster scheint sich nun jedoch zu erschöpfen, wodurch der Markt weiter an Spannung gewinnt. Parallel dazu wächst in China wie auch in Indien die Nachfrage nach Silber als Investment, nicht zuletzt als günstige Alternative zu Gold.

Wie bereits vor zwei Wochen berichtet, zeigt China weiterhin eine bemerkenswerte Aufnahmefähigkeit für Silber: Die Importe waren im März deutlich gestiegen, getrieben sowohl von der Retail-Nachfrage als auch von Käufen der Solarindustrie im Vorfeld des Wegfalls von Exportsteuerrabatten. Das spricht eher für eine anhaltend starke reale Nachfrage, während das geopolitische und makroökonomische Umfeld mit hohen Schulden, steigenden Zinslasten, fiskalischen Spannungen und ungelösten Konflikten Silber langfristig zusätzlich stützen dürfte. Insgesamt deutet also vieles darauf hin, dass Silber das Ausbruchsniveau zwischen 45 und 55 US-Dollar nicht mehr testen wird.

Silber in US-Dollar – Ausbruch aus der Seitwärtsrange?

Silber in US-Dollar, Tageschart vom 7. Mai 2026Silber in US-Dollar, Tageschart vom 7. Mai 2026. © GOLD.DE

Wie erwartet setzte sich die Korrektur am Silbermarkt in der zweiten Aprilhälfte fort.

Die Verkäufer drückten die Silberkurse dabei bis auf ein Tief von 70,86 US-Dollar, womit die untere Begrenzung der genannten Seitwärtsrange bei 70 US-Dollar zunächst gehalten hat.

Seit dieser Trendwende konnten die Käufer bzw. die Bullen nun ihrerseits innerhalb weniger Tage eine starke Gegenbewegung entfachen. Der Silberpreis näherte sich heute auf seinem Tageschart bereits wieder seinem oberen Bollinger Band (81,90 US-Dollar) und hat zudem seine 50-Tage-Linie bei 77,41 US-Dollar mit Leichtigkeit übersprungen.

Trotz dieser dynamischen Erholung ist der übergeordnete Abwärtstrend noch nicht gebrochen, und von einer größeren Trendwende kann bislang nicht die Rede sein. Da der Goldpreis der Entwicklung weiterhin etwas hinterherhinkt und der Monat Mai statistisch eher kein freundliches Umfeld bietet, bleibt vorerst Vorsicht geboten.

Ein erstes wirklich bullisches Ausrufezeichen wäre der Ausbruch über das April-Hoch bei 83,05 US-Dollar. Damit wäre die Serie tiefere Hochpunkte gebrochen. Angesichts des neuen Kaufsignals seitens der Tages-Stochastik stehen die Chancen dafür durchaus gut.

Bis zum nächsten tieferen Hochpunkt vom 2. März bei 96,42 US-Dollar sowie zum oberen Bollinger Band auf dem Wochenchart (96,73 US-Dollar) hätten die Silber-Bullen allerdings weiterhin ein sehr großes Stück Arbeit vor sich.

Insgesamt hat sich das Bild in den vergangenen Tagen etwas aufgehellt. Wie bereits mehrfach vermutet, dürfte die Verdauung der fulminanten Rallye jedoch mehr Zeit in Anspruch nehmen. Oberhalb von 83 US-Dollar dürfte die laufende Erholung an Dynamik gewinnen; alternativ scheitert Silber im Bereich zwischen 81 und 83 US-Dollar und fällt wieder in die Seitwärtsrange zurück.

Fazit: Silber - Vor dem ersten Befreiungsschlag?

Ungeachtet der volatilen jüngsten Korrektur seit Ende Januar bleiben sowohl das übergeordnete Bild als auch der fundamentale Datensatz für Silber konstruktiv. Die kräftige Gegenbewegung der vergangenen Tage, die hohen Aufschläge in China, das niedrige spekulative Engagement an der COMEX und die weiter bestehenden Angebotsdefizite sprechen dafür, dass der Silbermarkt strukturell festbleibt.

Entscheidend wird kurzfristig sein, ob Silber den Widerstandsbereich zwischen 81 und 83 US-Dollar nachhaltig überwinden kann. Gelingt das, dürfte die Erholung deutlich an Fahrt gewinnen. Scheitert der Ausbruch hingegen, wäre zunächst mit einer erneuten Konsolidierung innerhalb der etablierten Range.

Der zunehmende Verkaufsdruck ab Ende April hatte vermutlich zahlreiche Marktteilnehmer zu Short-Positionen verleitet.

Wie auch immer die Ausgangslage im Detail zu bewerten ist: Silber notiert inzwischen wieder über 80 US-Dollar und hat heute auch seine 50-Tage-Linie bei 77,41 US-Dollar mühelos überwunden. Dem Goldpreis fehlen zu diesem viel beachteten Durchschnitt noch rund 55 US-Dollar. Insgesamt hat sich das Bild in dieser Woche deutlich aufgehellt. Nun muss diese Bewegung weiter an Breite gewinnen, damit sie nicht lediglich ein Strohfeuer innerhalb der übergeordneten Korrektur bleibt.

Silber in US-Dollar – Ausbruch aus der Seitwärtsrange?

Silber in US-Dollar, Tageschart vom 7. Mai 2026Silber in US-Dollar, Tageschart vom 7. Mai 2026. © GOLD.DE

Wie erwartet setzte sich die Korrektur am Silbermarkt in der zweiten Aprilhälfte fort.

Die Verkäufer drückten die Silberkurse dabei bis auf ein Tief von 70,86 US-Dollar, womit die untere Begrenzung der genannten Seitwärtsrange bei 70 US-Dollar zunächst gehalten hat.

Seit dieser Trendwende konnten die Käufer bzw. die Bullen nun ihrerseits innerhalb weniger Tage eine starke Gegenbewegung entfachen. Der Silberpreis näherte sich heute auf seinem Tageschart bereits wieder seinem oberen Bollinger Band (81,90 US-Dollar) und hat zudem seine 50-Tage-Linie bei 77,41 US-Dollar mit Leichtigkeit übersprungen.

Trotz dieser dynamischen Erholung ist der übergeordnete Abwärtstrend noch nicht gebrochen, und von einer größeren Trendwende kann bislang nicht die Rede sein. Da der Goldpreis der Entwicklung weiterhin etwas hinterherhinkt und der Monat Mai statistisch eher kein freundliches Umfeld bietet, bleibt vorerst Vorsicht geboten.

Ein erstes wirklich bullisches Ausrufezeichen wäre der Ausbruch über das April-Hoch bei 83,05 US-Dollar. Damit wäre die Serie tiefere Hochpunkte gebrochen. Angesichts des neuen Kaufsignals seitens der Tages-Stochastik stehen die Chancen dafür durchaus gut.

Bis zum nächsten tieferen Hochpunkt vom 2. März bei 96,42 US-Dollar sowie zum oberen Bollinger Band auf dem Wochenchart (96,73 US-Dollar) hätten die Silber-Bullen allerdings weiterhin ein sehr großes Stück Arbeit vor sich.

Insgesamt hat sich das Bild in den vergangenen Tagen etwas aufgehellt. Wie bereits mehrfach vermutet, dürfte die Verdauung der fulminanten Rallye jedoch mehr Zeit in Anspruch nehmen. Oberhalb von 83 US-Dollar dürfte die laufende Erholung an Dynamik gewinnen; alternativ scheitert Silber im Bereich zwischen 81 und 83 US-Dollar und fällt wieder in die Seitwärtsrange zurück.

Fazit: Silber - Vor dem ersten Befreiungsschlag?

Ungeachtet der volatilen jüngsten Korrektur seit Ende Januar bleiben sowohl das übergeordnete Bild als auch der fundamentale Datensatz für Silber konstruktiv. Die kräftige Gegenbewegung der vergangenen Tage, die hohen Aufschläge in China, das niedrige spekulative Engagement an der COMEX und die weiter bestehenden Angebotsdefizite sprechen dafür, dass der Silbermarkt strukturell festbleibt.

Entscheidend wird kurzfristig sein, ob Silber den Widerstandsbereich zwischen 81 und 83 US-Dollar nachhaltig überwinden kann. Gelingt das, dürfte die Erholung deutlich an Fahrt gewinnen. Scheitert der Ausbruch hingegen, wäre zunächst mit einer erneuten Konsolidierung innerhalb der etablierten Range.

Profilbild von Florian Grummes
Stand: 07.05.2026
geschrieben von:
Technischer Analyst, Edelmetallexperte

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