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Stand: 29.08.2025 von Hannes Zipfel
Lange Zeit wurde Silber vernachlässigt. Im Gegensatz zu Gold, das als Teil der Währungsreserve beliebt ist, waren Zentral- und Notenbanken über Jahrzehnte hinweg keine Käufer des weißen Edelmetalls. Die jüngste Trendwende markierte Russland ab September 2024, nun folgt Saudi-Arabien. Ist dies bereits die Re-Monetarisierung des Silbers und was bedeutet es für den Silbermarkt und den Silberpreis?
Silber: Warum Russland & Saudi-Arabien alles ändern könnten

Zentralbanken investieren wieder in Silber – ein erstaunlicher Trendwechsel

Über Jahrzehnte hinweg hatten Zentralbanken Silber weitgehend ignoriert. Noch 1999 veräußerte die indische Zentralbank (Reserve Bank of India, RBI) ihre letzten nennenswerten Silberbestände und konzentrierte sich wie viele andere Zentralbanken fortan ausschließlich auf Gold. Das weiße Edelmetall galt seitdem eher als Rohstoff, denn als monetärer Wertspeicher.

Die Situation änderte sich schlagartig Ende September 2024, als die russische Zentralbank offiziell den Kauf von Silber und Platin bekanntgab. Damals kündigte sie an, im Rahmen ihres Haushaltsplans über drei Jahre hinweg rund 51 Milliarden Rubel (ca. 535 Mio. US-Dollar) in Edelmetallreserven zu investieren – erstmals auch gezielt in Silber neben Gold und Platin.

Wir diversifizieren unsere Reserven, um unabhängiger von westlichen Finanzstrukturen zu werden,

hieß es damals in einem offiziellen Statement der Zentralbank der Russischen Föderation (Bank Rossii).

Damit wurde ein Tabu gebrochen: Erstmals seit Jahrzehnten nahm wieder eine große Notenbank Silber in ihre Aktiva auf.

Nur wenige Monate später folgte nun ein weiterer Paukenschlag: Die Zentralbank Saudi-Arabiens hat begonnen, Silberkäufe zu tätigen. Marktbeobachter sind überrascht, denn die Saudis waren traditionell stark auf den US-Dollar als Reservewährung fixiert. Mit dem Schritt signalisiert Riad nicht nur einen geopolitischen Richtungswechsel, sondern auch die Rückkehr des Silbers in die Geldpolitik.

Dieser Trend könnte ein Gamechanger für den Silberpreis sein, da Zentralbanken nicht spekulieren, sondern strategisch kaufen – und damit eine dauerhafte Silbernachfrage schaffen.

Intentionen der Zentralbank

Warum entscheiden sich Zentralbanken ausgerechnet jetzt für Silberkäufe? Ein zentraler Aspekt ist das historisch günstige Gold-Silber-Ratio. Mit über 87 lag das Verhältnis zuletzt auf einem Niveau, das Silber im Vergleich zu Gold deutlich unterbewertet erscheinen lässt. Werte über 80 bedeuten, das Silber gegenüber Gold preiswert ist. Werte unter 40 hingegen lassen auf einen relativ zum Gold teuren Silberpreis schließen. Das langfristige Mittel liegt bei etwas über 60. Für Notenbanken ergibt sich daraus die Möglichkeit, Reserven vergleichsweise günstig in beide Edelmetalle zu diversifizieren.

Hinzu kommt die geopolitische Dimension. Viele Länder, darunter auch Saudi-Arabien, hatten sich in Handelsabkommen verpflichtet, große Teile ihrer Überschüsse aus dem Ölhandel direkt in die USA zu re-investieren. In der Vergangenheit wurde dieses Kapital hauptsächlich in US-Staatsanleihen oder anderen Vermögenswerten angelegt, die in Dollar ausgewiesen werden. Doch die strategische Abhängigkeit vom US-Finanzsystem wird zunehmend kritisch gesehen.

Indem Zentral- und Noten-Banken nun auch auf Silber setzen, stärken sie ihre Position gegenüber geopolitischen Risiken,

betonen Rohstoffexperten der Deutschen Rohstoffagentur.

Besonders gefragt sind dabei börsengehandelte Vehikel wie Exchange Traded Vehicles (ETVs) bzw. ETFs (Exchange Traded Funds), bei denen physisches Silber hinterlegt wird.

Der weltweit größte Silber-ETV, der iShares Silver Trust (SLV), hat seit den saudischen Käufen deutlich steigende Mittelzuflüsse zu verzeichnen (Grafikquelle: iShares):

Silebrkäufe Saudi Arabien

Die saudische Zentralbank investierte kürzlich 1,368 Milliarden US-Dollar in die US-Finanzmärkte durch Neukäufe von US-Wertpapieren. Der Großteil davon entfiel offenbar auf passive Investitionen in ETFs und Indexstrategien.

Die in den SLV investierten 30 Millionen US-Dollar entsprechen einer Gesamtallokation von 2,23 Prozent in „neue“ Anlagen (Top 50-Bestände).

Warum gerade der ETF „SLV“?

Die Wahl der Zentralbanken – insbesondere Saudi-Arabiens – fiel nicht zufällig auf den SLV. Mit einem Volumen von über 12 Milliarden US-Dollar ist er der liquideste und bekannteste Silberfonds weltweit. Für große Investoren wie Notenbanken ist dies entscheidend, da nur wenige andere Vehikel ausreichend Marktbreite bieten, um Milliardenbeträge effizient zu platzieren.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Struktur: Der SLV ist direkt durch physisches Silber gedeckt, das in Tresoren in London liegt. Damit können die Käufer sicher sein, dass ihre Positionen nicht lediglich aus Papier bestehen (synthetische ETFs), sondern tatsächlich durch Bestände abgesichert sind.

Hinzu kommt die Möglichkeit, den SLV flexibel in Optionsstrategien einzubinden. Große Marktteilnehmer können Call-Optionen nutzen, um eine Hebelwirkung auf den Silberpreis zu erzielen, ohne das physische Metall bewegen zu müssen. Dadurch wird der Fonds nicht nur als reines Investment, sondern auch als strategisches Absicherungsinstrument attraktiv.

Im Vergleich zu kleineren Silber-ETFs oder Minenfonds bietet der SLV zudem eine Outperformance in Bezug auf Liquidität, Handelbarkeit und Rendite. Für Zentralbanken zählt Verlässlichkeit – und die bietet aktuell vor allem der SLV.

Investitionen auch in Minenaktien

Interessant ist, dass der Kauf des SLV nicht die einzige Silberinvestition der saudischen Zentralbank ist:

Saudi-Arabien hat parallel begonnen, Engagements in Silberminenaktien zu prüfen. Bereits im Frühjahr 2025 wurde bekannt, dass die saudische Staatsbank in einen breit diversifizierten Silberminen-ETF investiert hat. Auch der Silberminen-ETF „SIL“ wurde erworben. Fast 10 Millionen US-Dollar wurden in dieses Silberminen-Vehikel investiert.

Solche Fonds bündeln die größten Produzenten und Explorer, darunter Unternehmen wie Fresnillo, Pan American Silver und Wheaton Precious Metals. Damit erhält der Investor nicht nur ein Engagement im Metall selbst, sondern partizipiert auch an der Wertschöpfungskette – vom Abbau bis zum Verkauf.

Der strategische Vorteil liegt auf der Hand: Sollte der Silberpreis nachhaltig steigen, profitieren Minenwerte oft überproportional.Historisch konnten Silberminen in Hausse-Phasen Kurssteigerungen von mehreren Hundert Prozent verzeichnen, während der Spotpreis „nur“ zweistellig zulegte.

Das entspricht einer Doppelstrategie: Einerseits ist es ein direkter Zugang über den SLV, andererseits ein Hebel über Minenaktien.

Dieses Modell könnte Schule machen, falls weitere Zentralbanken dem Beispiel folgen. Für den globalen Silbermarkt wäre das ein völlig neues Nachfrageprofil – mit erheblichen Auswirkungen auf den Preis.

Zentralbankkäufe machen eine Silberknappheit wahrscheinlicher

Die Rückkehr der Zentralbanken als Käufer für Silber markiert für den Silbermarkt einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel.

Während Gold seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Währungsreserven ist, galt Silber lange Zeit als vergessener „kleiner Bruder“. Dass nun Russland und Saudi-Arabien auf den Silber-Zug aufspringen, könnte den Beginn einer Renaissance des weißen Edelmetalls bedeuten.

Für Anleger stellt sich die Frage: Wird Silber wieder ein monetäres Asset? Sollte sich dieser Trend fortsetzen, droht dem Markt eine Vertiefung der ohnehin seit Jahren zu beobachtenden strukturellen Verknappung.

Zentralbanken kaufen nicht mit kurzfristiger Gewinnabsicht, sondern langfristig – und genau das unterscheidet ihre Nachfrage von der von Spekulanten.

Mittel- bis langfristig könnten diese Zentralbank-Käufe eine Preisexplosion auslösen, insbesondere wenn weitere Schwellenländer ihre Reserven in diese Richtung diversifizieren. Private Investoren sollten diesen Paradigmenwechsel aufmerksam verfolgen und ihre eigene Anlagestrategie gegebenenfalls daran ausrichten.

Was denken Sie über die Auswirkungen dieses Paradigmenwechsels bei den Zentralbanken in Sachen Rückbesinnung auf Silber als Teil der Zentralbank-Aktiva?

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Stand: 29.08.2025
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Ökonom, Journalist mit Schwerpunkt Wirtschaft und Finanzmärkte
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von Thomas W | 07.01.2026, 16:17 Uhr Antworten

Mehr als die Zentralbanken sollten Industrieunternehmen bestrebt sein, sich mit Silber einzudecken, um ihre Produktion abzusichern.

von Goldsepp | 29.08.2025, 23:36 Uhr Antworten

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Silber bei den Zentralbanken größere Bedeutung erlangt. Dazu sind die investierbaren Volumina viel zu gering, und der Markt würde dadurch sofort überhitzen.

1 Antwort an Goldsepp anzeigen

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