Stand: 30.07.2019 von Jörg Bernhard 16 Kommentare

In den vergangenen zwei Wochen zeichnete sich der Silberpreis durch eine starke Outperformance gegenüber Gold aus. Seit Mitte des Monats stürzte das Gold/Silber-Ratio von 93 auf aktuell 86,09 (Stand 26.07.2019) regelrecht ab.

Die Bedeutung der Kennzahl Gold/Silber-Ratio

Dieser technische Indikator zeigt an, wie viel Feinunzen Silber zum Kauf einer Unze Gold benötigt werden. Mit über 90 kletterte dessen Wert in diesem Jahr zeitweise auf den höchsten Stand seit über 25 Jahren und deutete damit auf eine starke Unterbewertung von Silber gegenüber Gold hin.

In der Vergangenheit waren solche Extremwerte meist von temporärer Natur und führten nachfolgend zu einer besseren Performance des mit großem Abstand günstigsten Edelmetalls.

Wichtig zu wissen: Ein rückläufiges Gold/Silber-Ratio muss nicht zwangsläufig mit einem steigenden Silberpreis einhergehen. Marktphasen, in denen Silber weniger stark zurückfällt als Gold, würden ebenfalls zu einem sinkenden Gold/Silber-Ratio führen. Grundsätzlich wird ein historisch hohes Gold/Silber-Ratio von Experten aber häufig dahingehend interpretiert, dass Silber im Vergleich zu Gold als preisgünstiger anzusehen ist.

Wer von Investments in Edelmetalle grundsätzlich überzeugt ist und in Silber möglicherweise unterinvestiert ist, kann den Indikator daher durchaus als Kaufsignal für Silber interpretieren.

5 Jahres Chart Gold/Silber Ratio

Die jüngste Silberrallye war weniger dem Industriesektor zu verdanken, sondern war vor allem auf das gestiegene Interesse im ETF-Sektor und an den Terminmärkten zurückzuführen.

Einen massiven Stimmungswechsel gab es insbesondere unter großen Terminspekulanten (Non-Commercials) zu beobachten. So zeigte der wöchentliche Commitments of Traders-Report Anfang Juni für diese besonders wichtige Gruppe von Markakteuren noch eine Netto-Short-Position (per Saldo pessimistisch gestimmt) in Höhe von über 22.000 Kontrakten an. Danach folgte ein regelrechter Run auf Silber und führte zu einer Netto-Long-Position (per Saldo optimistisch gestimmt) von über 54.700 Kontrakten (Stand: 23. 07.19).

Nur zur Erinnerung: Ein Future repräsentiert – zumindest auf dem Papier – den Gegenwert von 5.000 Feinunzen Silber. Somit wurde im Betrachtungszeitraum eine Silbermenge von fast 12.000 Tonnen bewegt.

Charttechnischer Ausbruch gelungen

Aus charttechnischer Sicht haben sich die Perspektiven des Silberpreises seit Mitte Juli deutlich aufgehellt. Dem Edelmetall gelang nämlich ein Ausbruch aus dem seit sechs Jahren intakten Abwärtstrendkanal. Außerdem drehte die langfristige 200-Tage-Linie markant nach oben, was in der Chartlehre als langfristiges Trendwechselsignal interpretiert wird.

Es gibt aber auch Faktoren, die nach der in 2019 registrierten Verteuerung von in der Spitze mehr als 15 Prozent zur Vorsicht mahnen. So zeigt zum Beispiel der Timingindikator Relative-Stärke-Index (RSI) mit aktuell 75 Prozent eine überkaufte Lage an. Sollte der RSI unter 70 Prozent abrutschen, wäre dies als Verkaufssignal zu sehen. Außerdem befindet sich der Silberpreis gegenwärtig in einer massiven Widerstandszone, deren Überwinden relativ schwierig werden dürfte.

Es sieht so aus, als ob sich das Edelmetall derzeit in einer entscheidenden und extrem spannenden Phase befindet.

Ausblick für die laufende Woche

Nachdem am vergangenen Donnerstag von der EZB Hinweise auf eine tendenziell expansive Geldpolitik kamen, dürfte am Mittwochabend Fed-Chef Jerome Powell für Hochspannung an den internationalen Finanzmärkten sorgen.

Derzeit gehen die Kapitalmarktanalysten mehrheitlich davon aus, dass Powell der Forderung von US-Präsident Trump nach einer Zinssenkung um 50 Basispunkte nicht nachkommen wird. Eine Zinssenkung um mindestens 25 Punkte scheint aber laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group derzeit so gut wie sicher zu sein.

Aktuell wird eine Wahrscheinlichkeit von fast 79 Prozent angezeigt, dass es zu einer Reduktion um 25 Basispunkte kommen wird. Die restlichen 21 Prozent sprechen für eine XXL-Senkung.

Als große Überraschung mit höchstwahrscheinlich negativen Folgen für den Goldpreis wäre indes das Ausbleiben einer Zinsmaßnahme (0 Prozent) zu sehen. Bei den weltweit wichtigsten Reservewährungen deutet sich ein Abwertungswettlauf, dessen Nutznießer Gold sein könnte. Wenn Währungen kaum noch Zinsen abwerfen und ihre Funktion als Wertspeicher mehr und mehr versagt – was liegt da näher als Geld in Gold zu tauschen?

Orthographisch unterscheidet es sich zwar lediglich durch einen Buchstaben, zwischen ungedecktem Fiat-Geld und der alternativen Währung liegen allerdings Welten.

Silber wechselt auf die Überholspur
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [16]
  • von Silber Michel mit Wasserkopf | 05.08.2019, 21:10 Antworten

    ja ist halt eine Versicherung das hält man bis zu Tode und vererbt es an die Kinder . Die Hoffnug ist das das Silber ein bisschen steigt wenn das Ende naht.

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