Stand: 04.07.2020 von Florian Grummes
Während der Goldpreis in den letzten zwei Wochen mit 1.780 US-Dollar und dann 1.789 US-Dollar zweimal auf ein neues Acht-Jahres-Hoch ansteigen konnte, konsolidiert der Silberpreis hingegen weit entfernt von ähnlichen Hochpunkten seit Wochen primär zwischen 17,50 und 18,00 US-Dollar.
Silber – Weiterhin extrem unterbewertet

Würde der Silberpreis ähnlich stark wie Gold um seine Niveaus vom Sommer 2012 handeln, müsste eine Feinunze aktuell mindestens 30 US-Dollar kosten!

Anleger sind trotzdem gut beraten, nicht auf die enttäuschende Performance zu fokussieren. Vielmehr gilt es die unglaubliche große Chance beim Silber zu erkennen und wahrzunehmen.

Dazu müssen wir uns mal wieder die typischen Eigenschaften des kleinen Bruders ins Gedächtnis rufen.

Silber startet immer viel später, läuft dann aber viel schneller und zudem viel weiter! Mit Kursen um 18 US-Dollar hat Silber mittel- bis langfristig locker mehr als eine Verdopplungschance, nur um sein Allzeithoch aus den Jahren 1980 und 2011 bei 50 US-Dollar wieder zu erreichen.

Sorgt der Crack-Up-Boom dann irgendwann für Goldkurse klar oberhalb von 2.000 US-Dollar, sind in ein paar Jahren auch dreistellige Silberkurse denkbar!

Silberpreis Chart in US Dollar – Noch im Konsolidierungsdreieck

Seit dem Hoch am 1.Juni bei 18,39 US-Dollar konsolidiert der Silberpreis in US-Dollar seit mittlerweile fast fünf Wochen. Dabei scheint sich ein aufsteigendes Dreieck als Konsolidierungsformation ausgebildet zu haben.

Vor allem ist die horizontale Widerstandszone zwischen 18,30 und 18,50 US-Dollar markant. Diese müssen die Bullen unbedingt überwinden. Am vergangenen Mittwoch gelang dies auch schon kurzzeitig. Letztlich fielen die Notierungen aber nochmals deutlich zurück und handeln mit derzeit 18 US-Dollar klar unter diesem Widerstand.

Kommt es zum Ausbruch, dürfte der Silberpreis relativ schnell bis zum ersten Kursziel aus dieser Formation bei ca. 20,00 bis 20,20 US-Dollar anziehen.

Silberpreis Chart in US Dollar – Noch im Konsolidierungsdreieck

Auf der Unterseite wären innerhalb der Dreiecksformation maximal Kurse um 17,75 US-Dollar zu erwarten. Sollten die Bären das Konsolidierungsdreieck allerdings mit tieferen Kursen negieren, wartet zwischen 16,85 und 17,40 US-Dollar die nächste starke Unterstützungszone.

Innerhalb dieser Zone verlaufen mittlerweile sowohl die 50-Tagelinie (16,93 US-Dollar) als auch die 200-Tagelinie (16,90 US-Dollar). Unter diesen extrem breiten und extrem soliden Support dürfte der Silberpreis daher kaum mehr fallen.

Im Gegenteil, Rücksetzer in diese Zone wären nochmals eine sehr gute Kaufgelegenheit.

Ungünstig erscheint kurzfristig allerdings die überkaufte Stochastik auf dem Tageschart. Diese spricht eher für eine Fortsetzung der Konsolidierung. Allerdings führt der Silberpreis noch kein wirkliches Eigenleben, sondern folgt derzeit primär dem Kursgeschehen am Goldmarkt.

Beim Gold ist die Stochastik auf dem Tageschart aktuell aber (noch) bullisch eingebettet, womit der kurzfristige Aufwärtstrend festgezurrt ist.

Gold/Silber-Ratio 10 Jahre

Auf dem langfristigen Chart für das Gold/Silber-Ratio wird die krasse Unterbewertung von Silber gut sichtbar. Schon ein Rückfall des Ratios in die Range zwischen 65 und 80 der Jahre 2014 bis 2018 würde eine deutliche Outperformance des Silberpreises gegenüber Gold bedeuten.

Silberpreis Chart Historisch in US Dollar

Betrachtet man zudem den Langfristchart für Silber, erscheint ein Anstieg in Richtung 50 USD in den kommenden Jahren realistisch. Auch ein Ausbruch über 50 USD ist nach mehreren Attacken irgendwann denkbar.

Letztlich bilden die beiden Charts das Kursgeschehen am Silbermarkt ab, ohne dass man sich direkt mit den zugrundeliegenden fundamentalen Entwicklungen auseinandersetzen muss.

Dabei zeigt sich die allerwichtigste Entwicklung am Silbermarkt zunächst nur in einer offensichtlichen Kursstärke. Im Hintergrund ist jedoch die Welt der Papierjongleure seit dem Corona-Crash aus den Fugen geraten. Seit dem Angebots- und Nachfrageschock Ende März steigt die Nachfrage nach physischer Lieferung über den COMEX-Terminmarkt weiter an und bringt die Papierspekulanten dort in Lieferschwierigkeiten.

Grundsätzlich gilt, dass ein Warenterminmarkt ohne physische Lieferung genauso gut Fußballkarten oder luftige Versprechen handeln könnte. Einige physische Lieferungen müssen zum Preis des Futures-Kontrakts erfolgen, andernfalls ist der durch den Futures-Handel ermittelte Preis völlig unrechtmäßig und willkürlich bzw. Betrug.

Nun aber sind die Anmeldungen zur physischen Lieferung im Juni erneut deutlich angestiegen. Sicherlich werden die Bullion-Banken und Börsenaufsichten den Terminhandel noch einige Zeit aufrecht erhalten können.

Der Druck an der COMEX und LBMA nimmt aber offensichtlich stetig zu und sorgt für weiter steigende Gold- und Silberpreise.

Insgesamt spricht also weiterhin alles für Gold und insbesondere Silber. Kurzfristig benötigt der Silberpreis den Ausbruch über die horizontale Widerstandszone um 18,40 US-Dollar. Dies dürfte wohl in Kürze gelingen. Sollte es doch zu einem etwas größeren Rücksetzer in Richtung 16,85 bis 17,40 US-Dollar kommen, läge schon wieder eine gute Kaufchance vor.

Erst ab September ist nach dem derzeitigen Stand mit einer mehrwöchigen bzw. ca. zweimonatigen Korrektur zu rechnen, die ihren Namen dann auch verdient hat. Echte Antizykliker werden sich daher wohl bis zum Dezember für eine extrem gute Kaufchance gedulden müssen.

Ob die Kurse beim Silber dann aber deutlich tiefer liegen werden als aktuell ist fraglich.

Neues Kauflimit unterhalb von 15,40 Euro

Während sich die Aufgelder auf physische Silbermünzen und Silberbarren zuletzt weiter beruhigt haben, bietet Silber nach wie vor das beste Chance/Risiko-Verhältnis unter den Edelmetallen. Eventuell kommt es in den kommenden Wochen nochmals zu einem Rücksetzer an die 200-Tagelinie (15,30 Euro).

Das wäre ein Rücksetzer von knapp 3,75% und eine gute Kaufchance. Beim Silber-Spotpreis empfiehlt sich daher ein neues Kauflimit unterhalb von 15,40 Euro.

Bitte erwarten Sie bei den Edelmetallen grundsätzlich keine fulminanten Kursgewinne, sondern machen Sie sich nochmals klar, dass es sich bei den Edelmetallen um eine Versicherung gegen dramatische Verwerfungen an den Finanzmärkten handelt!

Dank der unglaublichen Geldmengen-Ausweitungen führt an den Edelmetallen als Stabilisator und ruhendem Anker kein Weg vorbei.

Wer noch überhaupt kein Gold und Silber besitzt, sollte zumindest fünf Prozent seines Gesamtvermögens so schnell wie möglich in die Edelmetalle tauschen. Dabei kommt es jetzt nicht auf den besten Preis an, sondern nur auf die Tatsache, dass man es in den eigenen Händen hält.

Autor: Florian Grummes
Technischer Analyst

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"