Stand: 27.02.2017 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

An den Edelmetallmärkten scheint die im Dezember vorherrschende Ausverkaufs - Stimmung ausgestanden zu sein. Besonders hartnäckig wehrt sich derzeit der Silberpreis gegen eine technische Korrektur und bewegt sich weiterhin auf dem höchsten Niveau seit dreieinhalb Monaten.

Silber: Eindrucksvoller Rebound

In einem aktuellen Interview des World Gold Council lobte der ehemalige Fed-Vorsitzende Alan Greenspan nicht nur Gold, sondern explizit auch Silber als „erstklassige globale Währung“, weil beide Edelmetalle kein Kontrahentenrisiko anhaftet und sie vor allem über ihren intrinsischen Wert überzeugen. Seit dem Jahreswechsel profitierte auch der Krisenschutz Silber von der um sich greifenden Unsicherheit dies- wie jenseits des Atlantiks. Während Gold seit dem Jahreswechsel um 8,3 Prozent zugelegt hat, ging es bei der Silberpreisentwicklung um 14,7 Prozent bergauf. Aus charttechnischer Sicht überwand das mit großem Abstand günstigste Edelmetall Mittthe Februar die 200-Tage-Linie, was in der Chartlehre als starkes Kaufsignal gilt. Dass diese langfristige Durchschnittslinie eine leicht steigende Tendenz anzeigt, wird ebenfalls positiv hervorgehoben. Mittlerweile zeigt der als Timingindikator fungierende Relative-Stärke-Index mit aktuell 72 Prozent sogar eine überkaufte Lage an. Ein klares Verkaufssignal entstünde, falls der RSI unter die 70-Prozent-Grenze abrutschen würde.

Massive Abflüsse in Q4 beim weltgrößten Silber-ETF

Einmal pro Quartal veröffentlicht die US-Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) die Beteiligungsquoten institutioneller Investoren des weltgrößten Gold-ETFs iShares Silver Trust. In der Finanzwelt interessiert man sich in diesem Zusammenhang vor allem, wer zu den 15 größten Einzelinvestoren des ETFs zählt und wie sich deren Positionen gegenüber dem Vorquartal entwickelt haben. Im vierten Quartal verbilligte sich der Silberpreis um 14 Prozent. Für diese negative Entwicklung dürften die von Oktober bis Dezember verzeichneten Kapitalabflüsse beim iShares Silver Trust maßgeblich mitverantwortlich gewesen sein. Institutionelle Anleger repräsentieren aktuell 17,3 Prozent der insgesamt 354 Millionen ausstehenden Anteile.

Unter den 15 größten Einzelinvestoren überwogen im vierten Quartal eindeutig die Verkäufe (siehe Tabelle). Summa summarum haben neun Großinvestoren innerhalb von drei Monaten über 16,8 Millionen Anteile verkauft, während sechs Finanzgesellschaften ungefähr 7,7 Millionen ETFs gekauft haben. Am stärksten hat die Bank of America ihre Bestände am iShares Silver Trust reduziert.

Besitzverhältnisse beim weltgrößten Silber-ETF iShares Silver Trust

Name Anteile abs. Veränderung proz. Veränderung in Mio. USD
SUSQUEHANNA INTERNATIONAL GROUP, LLP 7.547.393 -3.134.852 -29,35 128,608
UBS GROUP AG 4.994.983 -3.647.649 -42,21 85,115
BANK OF AMERICA CORP /DE/ 4.471.446 -5.567.551 -55,46 76,193
MORGAN STANLEY 4.452.716 -1.213.391 -21,42 75,874
CREDIT SUISSE AG/ 2.590.234 1.990.538 332 44,138
WELLS FARGO & COMPANY/MN 2.426.846 -3.227.809 -57,08 41,353
ROYAL BANK OF CANADA 2.413.310 230.076 10,54 41,123
GROUP ONE TRADING, L.P. 2.042.241 54.216 2,73 34,8
SOCIETE GENERALE 1.665.526 1.665.526 neu 28,381
BARCLAYS PLC 1.219.411 712.493 140,55 20,779
QUANTITATIVE INVESTMENT MANAGEMENT, LLC 1.189.500 956.500 410,52 20,269
BNP PARIBAS ARBITRAGE, SA 1.140.460 508.410 80,44 19,433
JAMES INVESTMENT RESEARCH INC 1.118.822 -30.090 -2,62 19,065
CUTLER GROUP LP 1.048.494 695.674 197,18 17,866
BANK OF MONTREAL /CAN/ 1.017.703 929.770 1057 17,342

Stand: 30.12.2016

Sie verkaufte nämlich mehr als 5,5 Millionen Anteile und hat damit ihren Gesamtbestand um über 55 Prozent auf 4,5 Millionen ETFs reduziert. Massive Verkäufe in Höhe von 3,6 Millionen bzw. 3,2 Millionen ETFs waren bei der UBS Group und Wells Fargo & Company registriert worden. Dadurch haben sich deren Positionen auf Quartalssicht um 42,2 Prozent (UBS) bzw. 57,1 Prozent (Wells Fargo) reduziert.

iShares Silver Trust ETF Chartanalyse Stand 27.02.2017

Einige institutionelle Investoren haben die signifikante Silberpreis-Schwäche jedoch zum Ausbau ihrer Positionen genutzt. So tauchte zum Beispiel die französische Société Générale erstmals im SEC-Quartalsbericht auf und landete aus dem Stand auf Rang 9. Dieses „Kunststück“ gelang durch den Kauf von fast 1,7 Millionen Silber-ETFs. Noch stärkeres Kaufinteresse verspürte lediglich die schweizerische Credit Suisse, die ihre Position um fast zwei Millionen auf 2,6 Millionen  Anteile (+330 Prozent) aufgestockt hat und damit auf Rang 5 der größten Einzelinvestoren aufgestiegen ist. Als Dritter im Bund verspürte auch Quantitative Investment Management einen erheblichen Silberappetit und vervierfachte die bisherige Position um rund 960.000 auf fast 1,2 Millionen ETFs.

Ausblick für die laufende Woche

Am morgigen Dienstag wird Donald Trump seine erste Rede vor dem US-Kongress halten. Falls er endlich den Wahlkampfmodus verlassen und konkrete Details - zum Beispiel über die phänomenalen Steuerpläne“ - preisgibt, könnte dies auch an den Finanzmärkten zu entsprechenden Reaktionen führen. Sollte er allerdings die Börsianer enttäuschen und dadurch die Aktienmärkte auf eine Talfahrt schicken, könnten Edelmetalle wie Gold und Silber davon profitieren. Unter dem bisherigen Höhenflug der Börsen hatten sie bislang kaum gelitten, was mit Blick auf die negative Korrelation beider Anlageklassen eher zu erwarten gewesen wäre. Dies lässt nur einen Schluss zu: Ein Teil der weltweiten Anlegerschar möchte - neben Sachwerten wie Aktien - auch etwas Handfestes wie physisches Gold bzw. Silber besitzen. Aufgrund des erwarteten Inflationsschubs sollten beide Edelmetalle von ihrem seit mehreren Jahrtausenden funktionierenden Werterhalt weiterhin profitieren - möglicherweise mehr denn je. Aktuelle Daten, wie es im Februar um die Inflation in Deutschland bestellt war, erfahren Anleger am Mittwoch.

Silber: Wilder nach oben als Gold
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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