Stand: 19.02.2020 von Jörg Bernhard
In der vergangenen Woche veröffentlichte der internationale Branchenverband „The Silver Institute“ seine Einschätzung zu den Perspektiven des Silberpreises und zur weltweiten Entwicklung von Angebot und Nachfrage im Silbermarkt.
Silberinstitut mit optimistischer Jahresprognose

Glänzende Perspektiven für den kleinen Bruder von Gold

So rechnet zum Beispiel die Interessenvertretung großer Silberminen, Silberraffinerien, Schmuckhersteller und Händler für das laufende Jahr mit einem Anstieg des durchschnittlichen Silberpreises von 16,21 Dollar (2019) auf 18,40 Dollar, was einem Zuwachs von über 13 Prozent entspräche.

Außerdem wird ein Rückgang des Angebotsüberschusses auf ein Fünfjahrestief von 15 Millionen Feinunzen prognostiziert.

Des Weiteren trauen die Analysten dem Silberpreis eine Outperformance gegenüber Gold zu und halten im Jahresverlauf einen Rückgang des Gold/Silber-Ratio in den mittleren bis hohen 70er-Bereich (Stand 17.02.2020: 88,9) für möglich.

Positive Vorzeichen bei Angebot und Nachfrage

Grundsätzlich rechnet das Silberinstitut damit, dass die volkswirtschaftlichen und geopolitischen Bedingungen für den Silbermarkt unterstützend bleiben werden. Sowohl bei der Industrienachfrage als auch im Investmentsektor rechnen die Edelmetallexperten mit einem anhaltenden Wachstum.

Konkret prognostizieren sie einen Anstieg der industriellen Silbernachfrage um drei Prozent. Trotz der aktuellen Probleme in China geben sich die Analysten optimistisch und prognostizieren ein Aufstocken der Lagervorräte. Überdurchschnittliches Wachstum soll vor allem in der Elektrotechnik generiert werden, insbesondere in der Automobilproduktion.

Trotz rückläufiger Verkaufszahlen sorgen die Trends zur E-Mobilität und zur technischen Ausgereiftheit für einen höheren Silberbedarf. Gemischt seien indes die Perspektiven des besonders wichtigen Photovoltaik-Segments. Zwar würden Regierungen weiterhin den Ausbau von PV-Anlagen forcieren, allerdings könnte das Bestreben der Hersteller, den Anteil von Silber zu reduzieren, die Nachfrage leicht sinken lassen.

The Silver Institute zum globalen Silbermarkt

Kernaussagen für 2020:

  • Industrienachfrage soll um drei Prozent p.a. zulegen

  •  Schmucknachfrage soll 2020 bescheiden wachsen

  •  ETF-Bestände sollen auf hohem Niveau verharren

  •  Barren und Münznachfrage soll um sieben Prozent p.a. zulegen

  •  Minenproduktion soll um zwei Prozent p.a. zulegen

  •  Recyclingbranche soll kleines Plus ausweisen

Quelle: The Silver Institute (silverinstitute.org)

Mit Blick auf den globalen Schmucksektor wird für 2020 ein anhaltend bescheidenes Wachstum erwartet, wobei der Sektor vor allem von einem Land stark abhängig ist: Indien. Dort ist aufgrund des rekordhohen Goldpreises (in indischen Rupien) vor allem die Landbevölkerung auf das „Gold des armen Manns“ ausgewichen. 

Bei physisch hinterlegten Silber-Finanzprodukten wird weiterhin mit hohen Lagerbeständen gerechnet und beim Verkauf von Silberbarren und Silbermünzen wagt das Silberinstitut sogar eine konkrete Prognose und stellt ein Plus von sieben Prozent in Aussicht.

Weil in physisch besicherten Wertpapieren vor allem Privatanleger investiert sind und diesen ein langer Anlagehorizont attestiert wird, werden größere Abflüsse als eher unwahrscheinlich angesehen.

Bergauf soll es laut Silberinstitut aber auch beim globalen Angebot gehen. Erstmals seit fünf Jahren soll beispielsweise die Minenproduktion wieder zulegen. Hier sei ein Plus von zwei Prozent möglich, weil mehrere Minen ihren Betrieb aufgenommen und andere ihre Produktionskapazität auf Vollauslastung hochgefahren haben.

Der Recyclingsektor wird 2020 wahrscheinlich zum vierten Mal in Folge ein Plus ausweisen. Dieses soll aber relativ gering ausfallen.

Ausblick für die laufende Woche

Dem DAX gelang in der vergangenen Woche zwar ein neues Rekordhoch, der Goldpreis zeigte sich davon allerdings relativ unbeeindruckt. In Euro gerechnet markierte er am Freitag nämlich ebenfalls ein neues Rekordhoch von 1.463 Euro.

Auf Dollarbasis fehlen derzeit über 20 Prozent für ein neues Allzeithoch. Dass die negative Korrelation zwischen Aktien und Gold derzeit nicht greift, könnte folgenden Grund haben. Die Investorengemeinde ist zweigeteilt: Die einen glauben, dass wir trotz Corona-Virus, Brexit und Handelskrieg ein Happy-End sehen werden und macht sich deshalb keine Sorgen um die Zukunft.

Die anderen glauben hingegen, dass ein Investment in den traditionellen Vermögensschutz Gold auch nicht schaden kann.

Während in der chinesischen Wirtschaft signifikante Ermüdungserscheinungen zu beobachten sind, entwickelt sich die US-Wirtschaft noch relativ robust. Wahljahre in den USA gelten oftmals als gute Börsenjahre. Ob dies auch 2020 zutreffen wird, bleibt abzuwarten. Völlig darauf verlassen sollten sich Investoren darauf allerdings nicht.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Thoma W. | 19.02.2020, 14:45 Antworten

Wenn ich sehe welchen Verlauf Silber zu Gold seit 2008 genommen hat dann hätte ich lieber alles auf Gold setzen sollen.... Hatte mich von den Aussagen 2008 wie sich Silber entwickeln soll leider falsch informiert. Silber schwächelt und ist für mich keine Anlage Empfehlung mehr, auch wenn es immer heisst, Silber kommt Silber wird steigen usw....habe da keine Hoffnung mehr....vielleicht 2100....LG

6 Antworten an Thoma W. anzeigen

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