Gold: 1.721,28 € -0,83 %
Silber: 20,42 € -0,82 %
Stand: 25.04.2022 von Jörg Bernhard
Am vergangenen Mittwoch zeigte der internationale Branchenverband „The Silver Institute“ auf, wie sich das weltweite Angebot und die Nachfrage von Silber im Jahr 2021 entwickelt hat und mit welchem Trend in diesem Jahr zu rechnen sei.
Silberinstitut: Silbernachfrage 2021 stärker als das Angebot

Rebound nach Corona-Turbulenzen

Im Jahr 2020 überwogen am globalen Silbermarkt eindeutig die negativen Vorzeichen – sowohl auf der Nachfrageseite als auch beim Angebot an Silber. Corona-Restriktionen führten auf der einen Seite zu einem Einbruch der Minenproduktion und aufgrund der Konjunkturschwäche zu einer stark nachlassenden Nachfrage. Erstmals seit 1997 gab es im vergangenen Jahr in jedem Marktsegment positive Vorzeichen zu vermelden.

Dabei fiel allerdings auf, dass es mit der Silbernachfrage deutlich stärker bergauf ging als mit dem Angebot an Silber. So hat sich die Gesamtnachfrage innerhalb eines Jahres von 879,9 Millionen auf 1,049 Milliarden Feinunzen (+19,2 Prozent) erhöht, während beim Gesamtangebot lediglich ein Zuwachs von 951,8 Millionen auf 995,6 Millionen Unzen (+4,6 Prozent) registriert worden war (siehe Tabelle).

Silberangebot und -nachfrage im Jahr 2021

globale Nachfrage in Mio. Unzen:20202021Differenz>
Schmuckbranche149,8181,421,1%
Silberware32,442,731,8%
Industrie464,9508,29,3%
davon: Photovoltaik101,0113,7
Fotosektor27,828,73,2%
Physische Investments (netto)205,0278,736,0%
Hedging (Preissicherung)-9,4
insgesamt:879,91049,119,2%
globales Angebot in Mio. Unzen:
Minenangebot781,1822,65,3%
Hedging (Preissicherung)8,5-
Recycling162,2173,06,7%
insgesamt:951,8995,64,6%
Quelle: The Silver Institute / Metals Focus

Obwohl die Nachfrage das Angebot deutlich übertroffen hat, fiel die Jahresperformance von Silber relativ enttäuschend aus. Auf Dollarbasis stellte sich 2021 ein Minus von 11,5 Prozent ein, während in Euro gerechnet ein Verlust von 5,6 Prozent zu Buche schlug.

Besonders kräftig ist im vergangenen Jahr die Nachfrage im Marktsegment „Physische Investments“ gestiegen, welches den Handel von Barren und Münzen repräsentiert.

Hier stellte sich gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von 205 Millionen auf 278,7 Millionen Feinunzen (+36,0 Prozent) ein.

Nachfragesteigerungen im zweistelligen Prozentbereich gab es aber auch im Schmucksektor und bei Silberwaren zu vermelden. So hat sich zum Beispiel das Schmuckinteresse von 149,8 Millionen auf 181,4 Millionen Unzen (+21,1 Prozent) erhöht, während bei Silberwaren ein Absatzplus von 32,4 Millionen auf 42,7 Millionen Feinunzen (+31,8 Prozent) registriert worden war.

Weniger stark bergauf ging es indes mit der Nachfrage im wichtigsten Marktsegment Industrie, wo auf Jahressicht ein Anstieg von 464,9 Millionen auf 508,2 Millionen Feinunzen (+9,3 Prozent) registriert worden war.

Ebenfalls interessant: Selbst der seit Jahrzehnten an Bedeutung verlierende Fotosektor, verzeichnete 2021 zumindest ein leichtes Plus. Hier kletterte die Silbernachfrage von 27,8 Millionen auf 28,7 Millionen Unzen (+3,2 Prozent).

Positiver Ausblick für 2022

Dass die aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Risiken zu einer erhöhten Prognoseunsicherheit führen, dürfte jedem Anleger klar sein. In einem Umfeld hoher Inflation, eingetrübter Konjunkturperspektiven und steigender Zinsen rechnet das für die Studie verantwortliche Analysehaus Metals Focus mit einer globalen Nachfragesteigerung um fünf Prozent. Sowohl in der Industrie als auch bei Schmuck und Silberwaren soll sich die post-pandemische Erholungsphase fortsetzen.

Auf der Angebotsseite wird ebenfalls mit einem Anstieg gerechnet.

Dieser soll aber mit plus drei Prozent etwas geringer ausfallen. Für das Gesamtjahr wird zudem ein durchschnittlicher Silberpreis in Höhe von 23,90 Dollar erwartet, was dem zweithöchsten Wert seit 2011 entsprechen würde.

Ausblick für die laufende Woche

In der vergangenen Handelswoche musste der Goldpreis dem starken Dollar und dem markanten Anstieg der US-Renditen Tribut zollen und verbuchte im Zuge dieser Entwicklung einen Verlust von über zwei Prozent.

Während sich der Dollarindex auf dem höchsten Niveau seit zwei Jahren bewegt, kletterten die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sogar in Richtung Drei-Prozent-Marke, den höchsten Stand seit drei Jahren.

Ein noch stärkerer Rückschlag des Goldpreises wurde jedoch von IWF und Weltbank verhindert, die ihre Prognosen zum Wachstum der Weltwirtschaft markant reduziert haben. Am Dienstag revidierte zum Beispiel der IWF seine bisherige Prognose für 2022 von 4,4 auf 3,6 Prozent.

Während für Russland ein Minus von 8,5 Prozent erwartet wird, soll die deutsche Wirtschaft um 2,1 Prozent wachsen.

All diese Schätzungen sind natürlich mit einem besonders hohen Maß an Unsicherheit behaftet. Deutsche Anleger dürften sich aber nicht nur für das Wirtschaftswachstum, sondern vor allem für die Inflation besonders stark interessieren.

Am Donnerstag erfahren sie, wie hoch die deutsche Teuerungsrate im April ausgefallen ist. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll es eine leichte Entspannung von 7,3 auf 7,2 Prozent gegeben haben.

Gut zu wissen: In Euro gerechnet verteuerte sich der Goldpreis in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 20 Prozent und wurde damit seiner Rolle als wirksamer Inflationsschutz einmal mehr gerecht.

Autor: Jörg Bernhard
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von Portz | 25.04.2022, 20:00 Antworten

Wenn die Energieversorung ausfällt, sieht es im doppelten Sinne zappenduster aus, da kann der IWF noch so viel Wachstum herbeischätzen

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