Stand: 29.04.2013  0 Kommentare

Auf der Anlegermesse Invest 2013 erklärt der als "Silberjunge" bekannte Edelmetall-Experte Thorsten Schulte gegenüber dem DAF (Deutsches Anleger Fernsehen), der Preissturz beim Gold und Silber Mitte April sei das Ergebnis von Manipulationen gewesen. Verantwortlich seien die vier großen Player (Commercials) im Futures-Markt, insbesondere die amerikanische Investmentbank J. P. Morgan Chase.

Shorts in Rekordhöhe sorgten für abstürzenden Goldpreis

Beim Gold sei der Kurseinbruch von 14 % durch ein Rekordvolumen von 750.000 Shorts (Leerverkäufe, Wetten auf fallende Kurse) respektive 2336 Tonnen "Papiergold" im Futures-Markt ausgelöst worden. Das entspricht etwa dem vierfachen Volumen des physischen Goldes, das im Februar dieses Jahres am London Bullion Market täglich den Besitzer wechselte. Durch den Preissturz war die wichtige charttechnische Unterstützung bei 1525 Dollar durchbrochen worden und hatte weitere Verkäufe durch das Auslösen von Stop-Loss-Orders nach sich gezogen.

Keine Panikverkäufe beim Silber

Für Silber hatte die charttechnische Unterstützung bei 26 USD gelegen. Laut Schulte sei es das Ziel von J. P. Morgan Chase gewesen, einen Kursrutsch bis unter dieses Niveau auszulösen, um dann die eigenen Short-Positionen glattzustellen. Dies sei jedoch nicht gelungen, da es kein für ein Gegengeschäft notwendiges Verkaufsinteresse am Markt gegeben habe. Als Beleg führt Schulte die Netto-Short-Positionen der Commercials an, zu denen auch J. P. Morgan Chase gehört. Diese habe sich zwischen Dienstag, dem 09. April (vor dem Crash, bei einem Silberpreis von 27,90 USD), und Dienstag, dem 16.April (nach dem Crash, bei einem Silberpreis von 23,60 USD), von 188 Millionen Unzen auf 224,5 Millionen Unzen erhöht. Hätten die Commercials ihre Shorts tatsächlich glattgestellt, wäre ihre Netto-Short-Position gesunken, statt zu steigen.

Gold und Silber sind die klassischen Konkurrenten von Staatsanleihen

Neben den Motivationen einzelnen Short-Player sieht der "Silberjunge" ein starkes Interesse der Staaten an niedrigen Edelmetallpreisen, da Gold und Silber schon immer die Konkurrenten von Papiergeld und Staatsanleihen gewesen seien. "Jeder Finanzminister will sicherstellen, dass er ausreichend Abnehmer für seine Anleihen findet", sagt Schulte. (Anmerkung: Da Staatsanleihen durch die weltweite Niedrigzinspolitik keine attraktiven Investments mehr darstellen, wird nach Schulte versucht, durch abstürzende Gold- und Silberpreise eine klassische alternative Anlageform zu diskreditieren.)

Es gibt keine "ultimative Goldblase"

Die vom Investor George Soros im Jahr 2011 geäußerte These von der "ultimativen Goldblase" bestreitet Schulte vehement. Als Begründung nennt er den Anteil von Gold am Weltfinanzvermögen, das im Jahr 2012 nur 3,5 %, 1980 hingegen 23 % und 1948 sogar 30 % betragen habe.

Auch zeige der Anstieg der Geldmenge im Vergleich zum Wert der Edelmetall-Investments, dass eine Blasenbildung beim Papiergeld, nicht aber bei Gold und Silber festzustellen sei: Von 1999 bis Ende 2012 sei die Geldmenge von 21.000 Milliarden USD auf 66.000 Milliarden USD angestiegen. Legt man die Tiefstpreise vom April 2013 zugrunde, haben alle Gold-Investments des vorherigen Jahres lediglich einen Wert von 60 Milliarden USD. Der Wert aller Silber-Investments betrage sogar nur 6 bis 7 Milliarden USD.

Entkopplung von physischem Goldpreis (Silberpreis) und "Papierpreisen"

Trotz der Abwärtsbewegungen am Futures-Markt sei es nicht zu einem Einbruch der physischen Nachfrage nach Gold und Silber gekommen. In China, Indien, den USA und in Deutschland sei vielmehr ein Nachfrageanstieg zu verzeichnen. Auch die negative Preisentwicklung selbst schlage sich nicht vollständig in den Preisen für Münzen und Barren nieder, was an steigenden Aufgeldern zu den Spot-Preisen nachweisbar sei. Im Fall eines fortgesetzten Drückens des Gold- und Silberpreises rechnet Schulte damit, dass sich diese Entkopplung des physischen Markts vom "Papiermarkt" noch verstärkt. Der Edelmetall-Experte rät allen Anlegern, sich nicht verunsichern zu lassen, sondern die niedrigen Preise als "subventionierte Einstandspreise" zu begreifen und weiter Gold und Silber zu kaufen.

Gute Voraussetzungen für antizyklische Investments in Gold und Silber

Einen weiteren Hinweis darauf, aktuell gute Einkaufskurse bei den Edelmetallen vorzufinden, erkennt Schulte im extrem negativen Sentiment am Gold- und Silbermarkt. Bereits am Freitag vor dem Kurssturz habe der Optimismus der US-amerikanischen Gold- und Silberberater bei 30 % gelegen, dem niedrigsten Wert seit dem Tiefststand im Jahr 2012. Schulte geht davon aus, dass der Crash die Stimmung weiter eingetrübt hat. "Werde gierig, wenn andere ängstlich sind und ängstlich, wenn andere gierig sind", zitiert der "Silberjunge" die antizyklische Maxime von Investment-Legende Warren Buffet.

Hier geht es zum DAF-Videobeitrag
Du hast eine Meinung dazu? Her damit!
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen siehst du?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Du kannst deine Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Hier findest du unsere Datenschutzerklärung.

Copyright © 2009-2019 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany