Stand: 09.10.2018 von Jörg Bernhard 2 Kommentare

Die beiden Edelmetalle Gold und Silber fristen in diesem Jahr – verglichen mit anderen Anlageklassen – eindeutig ein Schattendasein. Vor allem Silber hat seit dem Jahreswechsel alles andere als geglänzt und verbuchte auf Dollarbasis einen Kursverlust von über 13 Prozent.

Gold/Silber-Ratio spricht für Silber

Damit entwickelte es sich deutlich schlechter als sein „großer Bruder Gold“ (-7,2 Prozent). Die Kennzahl „Gold/Silber-Ratio“ belegt diese Underperformance des mit großem Abstand günstigsten Edelmetalls sehr gut.

Sie zeigt nämlich an, wie viel Feinunzen Silber zum Kauf einer Feinunze Gold benötigt werden. Seit Ende Dezember war hier ein Anstieg von weniger als 77 auf über 82 registriert worden. Im September ging der Indikator sogar auf Tuchfühlung mit der Marke von 85. Werte deutlich über 85 waren Anfang 2016 bzw. in den 90er-Jahren zu beobachten. Ein historisch hohes Gold/Silber-Ratio wird von Experten häufig dahingehend interpretiert, dass Silber attraktiver bewertet sei als Gold.

Gold-Silber-Ratio-Chart 5 Jahre

Doch aufgepasst: Selbst bei sinkendem Gold/Silber-Ratio zieht dies nicht automatisch eine positive Silberperformance nach sich. Ein etwaiger Rückgang könnte nämlich auch dadurch entstanden sein, dass der Silberpreis weniger stark abgerutscht ist als der Goldpreis. Wer von der Anlageklasse Edelmetalle grundsätzlich überzeugt ist und in Silber möglicherweise unterinvestiert ist, kann den Indikator aber durchaus als Kaufsignal für Silber interpretieren.

US Mint und Perth Mint verzeichnen Nachfrageboom

Ungeachtet des massiven Verkaufsdrucks an den Terminmärkten und im ETF-Sektor hat sich in den vergangenen Monaten der Absatz von Silbermünzen durch die nationalen Münzprägeanstalten Perth Mint Australien und United States Mint (US Mint)  deutlich erhöht.

So meldete die australische Perth Mint und die US Mint für September hinsichtlich Silbermünzen förmlich explodierende Absatzzahlen. So erhöhte sich zum Beispiel „Down Under“ die Zahl der Auslieferungen um 151 Prozent auf über 1,3 Millionen Feinunzen und jenseits des Atlantiks war ein Zuwachs um fast 90 Prozent auf rund 2,9 Millionen Feinunzen registriert worden.

Silber Verkaufszahlen 2018 Perth Mint und US Mint

2018 Monat Perth Mint (Feinunzen) US Mint (Feinunzen)
Januar 1.067.361 3.235.000
Februar 992.954 942.500
März 975.921 915.000
April 458.655 915.000
Mai 557.120 380.000
Juni 229.280 435.000
Juli 486.821 885.000
August 520.245 1.530.000
September 1.305.600 2.897.500
Gesamt 6.593.957 12.135.000

Zur Erinnerung: Das Jahrestief der Perth Mint lag bei 229.300 Feinunzen (Juni), während in den USA mit lediglich 380.000 Feinunzen im Mai die geringsten Umsätze zu Buche schlugen (siehe Tabelle).  

Perth Mint Gold und Silber Verkaufszahlen

Summa summarum belaufen sich die Umsätze der ersten neun Monate für die australische Perth Mint auf fast 6,6 Millionen Feinunzen und für die US Mint auf 12,1 Millionen Feinunzen. Damit hinken die Australier den vergleichbaren Vorjahreszahlen um mehr als acht Prozent und die US-Amerikaner sogar fast 24 Prozent hinterher. Sollten die Monate Oktober bis Dezember ähnlich stark ausfallen wie die beiden vergangenen, dürfte auf Jahressicht ein deutliches Absatzplus zu Buche schlagen.

Deutsche Silberfans sollten aber nicht vergessen, dass beim Kauf von Silbermünzen oder Silberbarren Mehrwertsteuer anfällt, wodurch sich der Einstiegskurs und damit die Renditechance erst einmal verschlechtert, schließlich muss die entrichtete Mehrwertsteuer über Kursgewinne wieder „reingeholt“ werden. Achten sie daher beim Kauf von Silberprodukten auf steuerlich begünstigte Produkte, wie differenzbesteurte Silbermünzen und Münzbarren.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Handelstagen dürften sich die Investoren für die anstehende Datenflut zum Thema „Inflation“ stark interessieren. Mittlerweile scheint die Fed und die EZB ihr Ziel einer Inflation von zwei Prozent erreicht zu haben. In den USA stehen am Donnerstag aktuelle Zahlen zur September-Inflation an, die deutsche Teuerungsrate soll am Freitag veröffentlicht werden.

Laut Analystenschätzungen soll sich jenseits des Atlantiks eine Geldentwertung von 2,4 Prozent eingestellt haben, während für Deutschland ein Wert von 2,3 Prozent prognostiziert wird. Dies würde den höchsten Wert seit sieben Jahren darstellen.

Die große Frage lautet nun: Wird die Inflation wunschgemäß in der Nähe von zwei Prozent verharren oder weiter anziehen. Wir alle wissen schließlich, dass das Leben kein Wunschkonzert ist.

Silbermünzen: Absatzboom im September
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [2]
  • von Markus Neubauer | 10.10.2018, 23:49 Antworten

    Für das allgemeine Plus die letzten Monate sind auch die ganzen neuen Serien verantwortlich. Double Dragon und vor allem der Krügerrand sind sehr günstig.
    Dazu natürlich noch die letzte Ausgabe des 2.Lunar Kreises und die 19er Kookaburras.
    Die Queens Beast Serie sollte auch noch eine 10oz Variante dieses Jahr bringen
    und die neue 10oz Vaillant ist günstig und sieht sehr gut aus.
    Früher haben die Leute einfach nur nach Gewicht gesammelt. Es gab ja auch sehr wenig
    Motive außer zur WM/Olympia und wenn der Papst mal kam. Heute gibt es viel mehr Serien und das Jahr 2018 hat sehr viele neue Sachen gebracht zu einem günstigen Preis.
    Wie wahrscheinlich ist es, dass wir wieder ein so gutes Jahr bekommen?

  • von JuP | 09.10.2018, 11:40 Antworten

    Der Nachfrageboom im September hat sicherlich auch mit den neuen 2019er Kookas, Lunaren und Koalas zu tun

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