Stand: 12.05.2015 von Jörg Bernhard 2 Kommentare

Erinnern Sie sich noch? Vor ungefähr vier Jahren versuchte sich der Silberpreis an der Marke von 50 Dollar - wie Sie wahrscheinlich wissen: erfolglos. Mittlerweile hat er sich gedrittelt und versucht sich seit Monaten an einer nachhaltigen Bodenbildung.

Nachfragerückgang bei Barren und Münzen aus Silber

Silber wird zwar häufig als "großer Bruder von Gold" bezeichnet und eine starke Korrelation zum gelben Edelmetall nachgesagt, wer den Sachwert als Vermögensschutz ins Auge gefasst hat, sollte sich über die folgenden Sachverhalte bewusst sein. Silber erzielt in Aufwärtsphasen einerseits meist deutlich höhere Wertzuwächse als Gold, muss aber andererseits während eines Abwärtstrends erheblich stärkere Verluste hinnehmen.

Ein Blick auf die Charts beider Edelmetalle zeigt auch dem charttechnisch weniger versierten Auge: Für Silberinvestments benötigen Anleger deutlich stärkere Nerven. Mathematisch lässt sich diese These an der Risikokennzahl Volatilität überprüfen. So übertrifft auf Basis der vergangenen 250 Tage die Silber-Volatilität mit 31,9 Prozent den vergleichbaren Wert von Gold (16,3 Prozent) fast um das Doppelte. Dies liegt vor allem an der vergleichsweise geringen Liquidität von Silber an den Kassa- und Terminmärkten. Mehr als die Hälfte des Silberangebots landet in diversen Industriesektoren.

Da die Referenzpreise an den Finanzmärkten gemacht werden, haben sie in den vergangenen Jahren nicht immer durch Transparenz und Fairness überzeugt. Bis August 2014 wurde in London im Zuge einer Telefonkonferenz, an der lediglich drei Banken beteiligt waren, einmal pro Tag der Silberpreis gefixt. Mittlerweile wurde das archaisch anmutende und wenig zeitgemäße Verfahren durch einen elektronischen, auktionsbasiert ermittelten Referenzkurs ersetzt - nach 117 Jahren wurde es allmählich Zeit.

Silbernachfrage bei physischem Anlagesilber gesunken

Das in New York ansässige Silver Institute, ein Branchenverband großer Minenunternehmen, lieferte am Mittwoch Zahlen zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage bei Silber. 2014 gab es zwar ein Angebotsdefizit in Höhe von 4,9 Millionen Feinunzen zu vermelden, der Silberpreisentwicklung hat dies aber nicht nach oben geholfen. Summa summarum verlor das mit Abstand günstigste Edelmetall im Jahr 2014 mit 19,5 Prozent nach jahrelanger Hausse aber beträchtlich an Wert. Dies dürfte vor allem an der Tatsache gelegen haben, dass die von 835,3 Millionen auf 877,5 Millionen Feinunzen gestiegene Minenproduktion zu einem von 1.000,5 Millionen auf 1.061,8 Millionen Unzen (+6,1 Prozent) erhöhten Silberangebot geführt.

Zugleich ging es mit der Nachfrage von 1.112,4 Millionen auf 1.066,7 Millionen (-4,1 Prozent) bergab - eine denkbar schlechte Konstellation für den Preis. Erheblichen Verkaufsdruck generierte vor allem der Nachfrageeinbruch bei Silberbarren und -münzen. Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreswert gab es hier einen Rückgang von 243,6 Millionen auf 196,0 Millionen Feinunzen (-19,5 Prozent) zu beklagen. Bei industriellen Anwendungen und in der Schmuckbranche - den beiden zweitwichtigsten Sektoren - waren weniger auffällige Veränderungen zu beobachten. So nahm der Appetit der Industrie um 0,5 Prozent 594,9 Millionen Feinunzen leicht ab, während in der Schmuckbranche ein um 1,5 Prozent auf 215,2 Millionen Unzen erhöhter Bedarf zu Buche schlug.

Silbernachfrage 2014
Silbernachfrage 2014

Silberpreis Prognosen: Einige Analysten trauen Silber viel zu

Auf Basis einer Datenerhebung der Nachrichtenagentur Bloomberg trauen Analysten dem Silberpreis in den kommenden Jahren einiges zu. Wie nicht anders zu erwarten, bewegen sich die prognostizierten Kursziele - konform zur überdurchschnittlich hohen Volatilität - allerdings in einer ausgesprochen breiten Range. Für das Jahr 2015 erstreckt sich diese von 15 bis 20 Dollar und ergibt einen durchschnittlichen Mittelwert von 17,25 Dollar. Für das nächste Jahr reicht das Angebot an Silberpreis Prognosen bereits von 14 bis 24 Dollar und führt zu einem auf 18,65 Dollar erhöhten Durchschnittswert.

Noch uneinheitlicher fallen dann die Silber Kursziele für 2017 aus, wo sich die Spanne von 14 auf 38 Dollar und einen durchschnittlichen Erwartungswert in Höhe von 20,64 Dollar erhöht. Während die Analysten der Société Générale dem Silberpreis am wenigsten zutrauen, stammt die optimistischste Prognose von den Experten der Oversea-Chinese-Banking. Dies alles zeigt vor allem eines: Wer in Silber investiert, muss mit allem rechnen und sicher scheint lediglich das hohe Maß an Unsicherheit zu sein. Neben den Einschätzungen der Analysten sollten Anleger aber auch die Terminmärkte genau im Auge behalten, schließlich wird dort ziemlich viel Geld in die Hand genommen, um vom Auf und Ab des Silberpreises in gehebelter Form zu profitieren.

Der am Freitagabend veröffentlichte Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission war diesmal besonders interessant. Während nämlich unter den Goldspekulanten die Netto-Long-Position (optimistische Erwartung) in der Woche zum 5. Mai um 30,6 Prozent eingebrochen ist, gab es beim Optimismus der Silberspekulanten ein Plus von fast zehn Prozent zu vermelden. Ein solches Eigenleben hat unter den beiden "Edelmetall-Geschwistern" eher Seltenheitswert.

Silbernachfrage und Silberpreis Prognosen
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [2]
  • von Mr.Silver | 16.05.2015, 12:47 Antworten

    In den vielen Jahren wo Silber an der Terminbörse gehandelt wird, und die Terminbörsen auch für Spekulanten geöffnet haben, stand Silber vielleicht 6 Monate über 40 Dollar aber über 30 Jahre unter 10 Dollar pro Unze. Nach der Visuellen Chartanalyse ist das Kursziel unter 10 Dollar für mich wahrscheinlicher

  • von Dr.K | 19.12.2015, 09:01 Antworten

    Die Geldschwemme wird den Silberpreis nach oben treiben, den Papiergeld kehrt irgendwann zu seinem inneren Wert zurück: Null!

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