Gold: 1.732,25 € +0,11 %
Silber: 19,82 € +0,09 %
Stand: 09.12.2021 von Hannes Zipfel
Bis vor Kurzem erschien beim Silberpreis eine Jahresendrallye noch realistisch. Doch nun stellt sich Lage wieder kritisch dar. In der Nähe des aktuellen Preisniveaus muss Silber die Kurve kriegen, andernfalls drohen weitere Abverkäufe.
Silberpreis an kritischer Marke

Die SKS-Umkehrformation entpuppte sich als Bullenfalle

Nach dem erfolgreichen Abschluss einer inversen Schulter-Kopf-Schulter-Formation (S-K-S) Mitte November schien der Weg für den Silberpreis nach oben frei zu sein.

Sogar ein Plus auf Jahresbasis rückte in greifbare Nähe.

Doch punktgenau bei der gleitenden 200-Tage-Durchschnittslinie (SMA 200, grüne Linie im Chart) prallte der Kurs ab. Die anschließende Abwärtsbewegung führte den Silberpreis wieder unter die Nackenlinie der zuvor nach oben verlassen S-K-S-Formation.

Auch die gleitende 50-Tage-Durchschnittslinie bot keinen Halt. Aktuell notiert Silber sogar knapp unterhalb der mittelfristigen Aufwärtstrendlinie.

Silberpreis Chart KW 49 US-Dollar

Sollte sich der Silberpreis nicht schnell wieder erholen, erscheint in den kommenden Wochen eine weitere Verbilligung am wahrscheinlichsten. Die nächste signifikante horizontale Unterstützungslinie liegt im Bereich von ca. 21,40 bis 21,60 US$/Unze (grün gestrichelt).

Darunter bietet das 50-Prozent Korrekturlevel der Aufwärtsbewegung von März 2020 bis August 2020 bei ca. 20,70 US$/Unze den nächsten Support. Noch tiefer wartet erst bei 18,51 eine sehr starke Unterstützung: Hier verläuft neben dem 61,8 Prozent Fibonacci-Retracement-Level auch eine horizontale Unterstützung aus dem Jahr 2020.

Kurzfristig zeigen die Oszillatoren Relative Stärke Index (RSI) und Stochastik eine „Überverkauftheit“ des Marktes an. Dadurch könnte eine Erholung ausgelöst werden, die den Silberpreis wieder über den Aufwärtstrend (rote gestrichelte Linie) hievt.

In diesem Fall würde es sich bei dem jüngsten Unterschreiten der Trendlinie um eine Bärenfalle handeln und ein erneuter Angriff auf die gleitenden Durchschnitte zum Jahresultimo wäre erneut im Bereich des Möglichen.

Konsolidierung oder Abwärtstrend?

Im übergeordneten Bild auf Wochenbasis zeigt die Kursentwicklung seit August letzten Jahres nach wie vor eine sehr breite Konsolidierungsflagge. Sollte der Preis allerdings unter die Marke von 21,40 US$/Unze abrutschen, wäre diese trendbestätigende Formation obsolet und der Weg gen Süden zu den o. g. Unterstützungsniveaus vorgezeichnet.

Silberpreis Chart US-Dollar mit Flagge

Entscheidende Impulse

Wie es in den kommenden Wochen beim Silberpreis weitergeht, hängt jenseits der Charttechnik ganz entscheidend von zwei Entwicklungen ab: der parallelen Ausbreitung der Delta- und Omikron-Welle sowie der Reaktion der Geldpolitik darauf.

Zuletzt hatte die Erwartung eines beschleunigten Zurückfahrens der Anleihekäufe sowie der früher als gedachte Beginn von Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed für Verkäufe bei Gold und Silber gesorgt.

Entschieden werden könnte die schnellere Gangart beim Umsteuern in Richtung einer weniger expansiven Geldpolitik bereits am Mittwoch der kommenden Woche. Dann tagt turnusmäßig der Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed.

An diesem Freitag werden zuvor noch frische Daten zur Verbraucherpreisinflation in den USA veröffentlicht. Erwartet wird für den Monat November eine Jahresteuerung in Höhe von 6,7 Prozent nach 6,2 Prozent im Oktober. So hoch war die US-Inflationsrate zuletzt im April 1982. Der effektive Leitzins der US-Notenbank lag damals bei 14,94 Prozent.

Heute dümpelt der Leitzins der Fed bei effektiv 0,08 Prozent nahe der Nulllinie vor sich hin.

In diesem ohnehin herausfordernden Umfeld aus erhöhter Inflation, explodierenden Schulden und diversen Vermögenspreisblasen zeigen die jüngsten Daten zur Corona-Pandemie mit Zeitversatz nun auch den Beginn einer weiteren dynamischen Delta-Welle in den USA an.

Sowohl die Neuansteckungen als auch die Zahl der zu beklagenden Todesfälle steigen in der zweiten Woche nach Thanksgiving steil nach oben. Die Impfquote in den USA liegt mit 71 Prozent sogar leicht unter der in Deutschland mit aktuell 72 Prozent.

Damit entwickelt sich abseits der Wahrnehmung der Finanzmärkte eine Situation, in der sich die konjunkturelle und damit auch die geldpolitische Perspektive schnell wieder ändern könnte. Das liegt auch daran, dass China als wichtigster Lieferant für Vorprodukte weltweit nach wie vor eine Null-Toleranz-Politik in Sachen SARS-CoV-2 fährt.

Mit der neuen, hochansteckenden Omikron-Variante (BA.4) kann es in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wieder zu umfangreichen Betriebs- und Hafenschließungen kommen. Zumal die Virusvariante bereits in Hongkong aufgetreten ist und ein Überspringen auf das chinesische Festland kaum noch zu verhindern sein wird.

Mit weiteren weltweiten Lieferkettenunterbrechungen und neuen Restriktionen bis hin zum Lockdown stünde auch in den USA das Szenario einer Rezession schnell wieder auf der Agenda – zur Überraschung vieler Anleger und sicherlich nicht ohne Konsequenzen für die Geldpolitik.

Diese dürfte ihre „Normalisierungswende“ dann erneut vertagen.

Perspektivisch stehen die Zeichen in Sachen Verschärfung der inflationären Entwicklung bei den Erzeugern und den Konsumenten auf Sturm. Dass die Notenbanken darauf nicht adäquat reagieren können, ist bereits bekannt. Für die monetären Edelmetalle als Krisenschutzinvestments bleibt das Umfeld damit grundsätzlich konstruktiv.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Steven | 09.12.2021, 12:47 Antworten

Hallo Zusammen !

Nachdem Neue Mienen und Silbervorkommen aktiviert wurden kann man davon ausgehen das Silber Mitte 2022 auf 12 $ zurückfällt. Realistisch ist auch die 8 $ Linie.

Gold wird sich bei 1170 $ einpegeln.

Also Liebe Anleger. Noch ein wenig Geduld und dann richtig zuschlagen.

2 Antworten an Steven anzeigen
von Behebung der Not von Volk und [Staat] | 11.12.2021, 08:29 Antworten

Vertrauen kann man nicht verordnen. Aber man kann es zuordnen: Gold und Silber - hoch, Banken - niedrig, Regierungen - nicht vorhanden.

von Earthfinder | 10.12.2021, 20:54 Antworten

Alles ist eine Frage der Perspektive.
Ob jetzt, gleich oder später.
Bei einer Geldpolitik, die klar enden wird. Ist die Frage, womit ich bezahlen kann, schon die Antwort.
In kleinen Münzen, ein Stück Brot.
Viel Glück.

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