Gold: 1.577,75 € +0,11 %
Silber: 19,79 € -0,24 %
Stand: 21.10.2021 von Hannes Zipfel
Fast exakt fünf Monate hat es gedauert, bis der Silberchart wieder positive Signale liefert. Mit dem Überwinden des Abwärtstrendkanals und der 50-Tage-Linie könnte die Korrekturphase nun zu Ende gehen, dafür spricht auch ein wichtiger fundamentaler Faktor.
Silberpreis: Chartbild hellt sich deutlich auf

Ausbruch erfolgreich!

Die Terminmarktdaten für Silber an der COMEX in den USA hatten es anhand des COT-Index mit einem maximal möglichen Punktestand von 100 bereits angedeutet: Der Silberpreis hat Aufwärtspotenzial.

Auch charttechnisch war die Ausgangslage interessant, nachdem der Preis bei knapp über 21,40 pro Unze Ende September auf eine Kreuzunterstützung aufsetzte. In der Analyse vom 30. September „Silberpreis: Hopp oder top?“ schrieb ich:

„Der Silberpreis ist im Rahmen der ausgedehnten Konsolidierung an einem charttechnisch neuralgischen Punkt angelangt. Ein schneller Anstieg der Kurse in Richtung der oberen Begrenzung des Abwärtstrends erscheint realistisch.“

Diese obere Begrenzungslinie wurde am 14. Oktober erreicht und im Zuge einer zweitägigen dynamischen Aufwärtsbewegung nach oben durchbrochen. Anschließend fand ein charttechnisch mustergültiger Rücksetzer auf die Ausbruchslinie statt, bevor der Kurs am 19. Oktober sogar die 24-US$-Marke kurz durchbrach und "intraday" bis auf 24,13 US$ pro Unze ansteigen konnte.

Silberpreis Chart in US-Dollar pro Unze

Aktuell arbeitet sich Silber wieder an die runde Marke von 24 US-Dollar heran, knapp unterhalb derer, genau auf dem aktuellen Preisniveau, eine horizontale Linie einen zumindest leichten Widerstand bildet (lilafarbene gestrichelte Linie). Ein weiterer horizontalen Widerstand ergibt sich aus dem Hoch vom 3. September bei ca. 24,90 US$.

Die nächste große Hürde für den Silberpreis ist aber die 200-Tage-Durchschnittslinie, die aktuell bei ca. 25,50 US$ pro Unze verläuft und börsentäglich leicht abfällt (roter transparenter Punkt im Chart).

Von einem neuen Aufwärtstrend innerhalb des säkularen Bullenmarktes kann gleichwohl erst dann gesprochen werden, wenn der Silberpreis die Marke von 30 US-Dollar knackt.

Kurzfristig zeigen die Oszillatoren Relative Stärke (RSI) und Stochastik eine "Überkauftheit" des Marktes an, die aber für sich genommen kein Hinderungsgrund für die Fortsetzung der Bewegung sein muss, wie der grau hinterlegte Ausschnitt im linken Bildbereich exemplarisch zeigt.

Inflationsdruck könnte ein starker Faktor für den Silberpreis werden

Die Preisinflation bleibt historisch hoch und steigt weiter an, was dem inflationssensiblen Edelmetall Silber in den nächsten Wochen und Monaten noch deutlich stärker zugutekommen könnte. Bislang ist die Inflationserwartung der Verbraucher noch recht gut verankert, was sowohl Gold als auch Silber bisher daran gehindert hat, von dem Inflationsschub preislich zu profitieren.

Doch das könnte sich im Winterhalbjahr schnell ändern, wie aktuelle Vorlaufindikatoren zeigen: So sind die heute vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden gemeldeten Daten zu den Erzeugerpreisen für Deutschland, immerhin der viertgrößten Wirtschaftsnation der Welt, fast schon ein Schock: statt wie erwartet um +1,0 Prozent auf Monatsbasis stiegen die Preise im September um +2,4 Prozent gegenüber dem Vormonat an.

Im Jahresvergleich verteuerten sich die Einkaufspreise für Unternehmen im September um 14,2 Prozent zum Vorjahresmonat und damit so stark wie seit Oktober 1974 nicht mehr.

Erwartet wurde lediglich ein Anstieg um 12,7 Prozent.

Die Produzentenpreise, die Unternehmen für Vorprodukte, Materialien und Dienstleistungen selbst bezahlen, sind ein Vorlaufindikator für die Entwicklung der allgemeinen Preisinflation und geben einen Hinweis auf die weitere Entwicklung der Verbraucherpreise. Diese waren hierzulande im September um 4,1 Prozent höher als im Vorjahresmonat.

Die Deutsche Bundesbank (BuBa), deren Präsident und EZB-Direktoriumsmitglied Jens Weidmann heute überraschend seinen Rücktritt angekündigte, rechnet bis zum Jahresultimo mit einer Beschleunigung der Verbraucherpreisinflation auf über fünf Prozent. In den USA ist diese Marke bereits im Mai dieses Jahres geknackt worden und liegt aktuell bei 5,4 Prozent – Tendenz weiter steigend.

Neue Impulse von der Investorenfront?

Mit dem Überwinden des seit Mai dieses Jahres etablierten Abwärtstrends hat der Silberpreis eine erste wichtige Hürde genommen. Nun hängt alles von weiteren Aufwärtsimpulsen ab.

Das größte Potenzial bietet hier ganz klar der Inflationstrend.

Dieser Trend könnte die Investitionsnachfrage nach Silber ähnlich wie in der letzten Phase hoher Inflationsraten in den 1970er-Jahren enorm anheizen, vor allem dann, wenn das Mantra der Notenbanken von dem vorübergehenden Charakter der starken Teuerungsdynamik an den Finanzmärkten nicht mehr verfängt.

Mit Christopher Waller und Thomas Barkin rudern in den USA bereits hochrangige Vertreter der Notenbank Fed zurück und räumten zu Beginn dieser Woche die Möglichkeit eines höheren und länger anhaltenden Inflationsdrucks als bislang erwartet ein und sehen jetzt sogar mögliche Zweitrundeneffekte durch eine Lohn-Preis-Spirale.

Sollte es zu dieser sich selbst verstärkenden Teuerungsdynamik (Lohn-Preis-Spirale) tatsächlich kommen, dann könnte der Silberpreis seinen Boden gefunden haben und vor einer fulminanten Rallye stehen.

Die nächsten wichtigen Inflationsdaten aus den USA werden Mitte November veröffentlicht. Die nächste Chartmarke, die es für den Silberpreis zu überwinden gilt, ist die horizontale Widerstandslinie bei ca. 23,96 US$/Unze, die damit exakt auf dem aktuellen Kursniveau liegt.

Ein weiteres Update zum Silberpreis erfolgt spätestens dann, wenn der Preis die wichtige 200-Tage-Durchschnittslinie passiert hat oder alternativ in den Abwärtstrendkanal zurückfällt. Letzteres erscheint aus heutiger Sich weniger wahrscheinlich.

Autor: Hannes Zipfel
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"