Stand: 13.04.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Der Silberpreis gilt alles andere als langweilig, schließlich schwankt er traditionell deutlich stärker als Gold. Gegenwärtig ist bei dem Edelmetall vor allem aus charttechnischer Sicht Hochspannung angesagt.

Erfolgreiche Bodenbildung

Der Silberpreis hat in den vergangenen vier Jahren eine rasante Talfahrt erlebt und sich seither von fast 50 Dollar in der Spitze mehr als gedrittelt. Doch mittlerweile keimt wieder etwas Hoffnung auf. Zum einen wurde nämlich die im Bereich von 15 Dollar verlaufende Unterstützungszone in den vergangenen sechs Monaten mehrfach erfolgreich verteidigt. Vor etwas mehr als fünf Jahren erwies sich diese Marke sogar als Ausgangspunkt für eine eindrucksvolle Kursrally. Damals hat sich der "kleine Bruder von Gold" innerhalb von 14 Monaten vervielfacht und sich damit deutlich besser entwickelt als das gelbe Edelmetall.

Doch der Blick auf den Chart liefert zum anderen noch weitere Hoffnungsschimmer. So drehte zum Beispiel die 100-Tage-Linie im März nach oben und befindet sich nun in Reichweite. Sollte sie überwunden werden, interpretieren Chartisten dies als Kaufsignal.

Sollte in den kommenden Monaten auch die langfristige 200-Tage-Linie drehen und "geknackt" werden, stünden die Chancen für einen nachhaltigen Trendwechsel besonders gut. In diesem Fall wäre zudem die obere Begrenzung des Abwärtstrends überwunden, was das Marktsentiment zusätzlich aufhellen würde.

Als völlig entspannt kann man die Charttechnik allerdings noch nicht bezeichnen. Grund: Da Silber für seine Kursschwankungen bekannt bzw. berüchtigt ist, sorgt vor allem die relativ geringe Distanz zur aktuellen Unterstützungszone für ein hohes Maß an Unsicherheit. Dieses Problem wird durch die deutlich gestiegene Volatilität zusätzlich verstärkt.


Silber ist besonders volatiler Sachwert

Die rasante Talfahrt des Silberpreises hat dessen Kursschwankungsintensität - auch bekannt als Volatilität - in den vergangenen Monaten deutlich nach oben getrieben. Ein Vergleich mit Gold drängt sich hier geradezu auf. So übertrifft die historische 100-Tage-Volatilität von Silber mit über 36 Prozent die vergleichbare Risikokennzahl von Gold um mehr als das Doppelte.

Besonders interessant: Seit Herbst vergangenen Jahres hat sich die Silber-Vola glattweg verdoppelt, während bei der Gold-Vola im selben Zeitraum ein Zuwachs um "lediglich" 50 Prozent zu beobachten war. Eines steht außer Frage: Silber war schon immer wilder als Gold. Wer dennoch beide Edelmetalle als Vermögensschutz einsetzen möchte, sollte Silber innerhalb eines Portfolios deutlich geringer gewichten als Gold.

Innerhalb des anerkannten Rohstoffindex S&P GSCI, dessen Gewichtung der einzelnen Komponenten sich an deren globaler wirtschaftlicher Bedeutung orientiert, ist der berücksichtigte Edelmetallanteil im Verhältnis von 85 Prozent Gold zu 15 Prozent Silber aufgeteilt. Unter professionellen Vermögensverwaltern wird auch häufig eine Quote von 80 zu 20 (Gold versus Silber) empfohlen.

Silberpreis - weniger volatil als Rohöl

Ein Vergleich der 100-Tage-Volatilität von Silber mit dem weltweit wichtigsten Rohstoff Rohöl fördert Erstaunliches zu Tage. So kletterte die Volatilität der US-Sorte WTI seit Sommer vergangenen Jahres von unter zehn auf über 52 Prozent. Das heißt: Für ein Ölinvestment benötigt man derzeit erheblich stärkere Nerven als beim Silberkauf.

In der Vergangenheit rieten Anlageexperten aufgrund der Unberechenbarkeit und der hohen Volatilität von Silberinvestments häufig ab. Unter diesem Aspekt scheint das mit großem Abstand günstigste Edelmetall in der Gunst der Anleger wieder Boden gut zu machen, zumal Investments in Öl-Futures bei längerer Haltedauer mit erheblichen Rollverlusten verbunden sind. So kostet zum Beispiel der WTI-Future mit Fälligkeit im Mai 2016 fast 15 Prozent mehr als der nächstfällige Kontrakt. Damit der Besitzer eines solchen Futures die Gewinnzone erreicht, müsste der Ölpreis auf Jahressicht um mehr als 15 Prozent zulegen. Unter Kostenaspekten wäre somit der Silberkauf über ein Zollfreilager deutlich aussichtsreicher.

Als Kennzahl zur Bewertung der Preiswürdigkeit von Silber wird häufig eine andere Kennzahl herangezogen: das Gold/Silber-Ratio. Es zeigt auf, wieviel Feinunzen Silber sich mit einer Feinunze Gold erwerben lassen. Aktuell beläuft sich dieses Verhältnis auf 73,3 und fällt damit historisch betrachtet relativ hoch aus:


In den vergangenen 40 Jahren notierte die Kennziffer meist tiefer. Werte unter 20 wurden im Zuge der Silberspekulationen bzw. -manipulationen der Gebrüder Hunt 1980 festgestellt. Mit dem Platzen der Spekulationsblase setze dann eine Übertreibung in die andere Richtung ein und trieb das Gold/Silber-Ratio über einen Zeitraum von zehn Jahren kurzzeitig sogar in den dreistelligen Bereich. Vor einer Kaufentscheidung bezüglich Silber sollte dieses Hilfsmittel lediglich als ergänzendes Element betrachtet werden, schließlich dient es in erster Linie als Vergleich zweier Edelmetalle. In Abwärtstrends würde selbst ein sinkendes Gold/Silber-Ratio zu einem insgesamt unbefriedigenden Anlageergebnis in Form von Wertverlusten führen.

Silberpreisentwicklung: Charttechnische Hochspannung
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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