Stand: 17.06.2021 von Florian Grummes
Seit Anfang April hatten sich die Goldpreise von 1.676 USD auf 1.916 USD (+14,3 %) und die Silberpreise von 23,78 USD auf 28,74 USD (+20,8 %) sehr ansehnlich erholt. Unsere Rücksetzer Warnungen vor zwei Wochen kam dann aber genau zum richtigen Zeitpunkt, denn zwischenzeitlich steht der Goldpreis gut 90 USD tiefer.
Silberpreis – Dreieckskonsolidierung

Der Silberpreis rutschte mit einem Minus von 6,9 % in den letzten zwei Wochen ebenfalls eine Etage nach unten. Nach der starken Erholung war ein Rücksetzer kurz vor der starken saisonalen Phase im Edelmetall Sektor absehbar.

Allerdings sorgten der FED-Zinsentscheid sowie die anschließende Pressekonferenz am Mittwochabend für einen regelrechten Ausverkauf im Edelmetallsektor. Dabei wird die amerikanische Zentralbank ihre ultralockere Geldpolitik ungeachtet der anziehenden Inflation mit einem unveränderten Leitzins in der Spanne von 0 % bis 0,25 % fortsetzen.

Die Ausweitung der Geldmenge über konjunkturstützende Wertpapierkäufe in der Größenordnung von ca. 120 Mrd. US-Dollar pro Monat geht ebenfalls unvermindert weiter.

Auf den steigenden Druck einzelner Marktteilnehmer hin stellt die US-Notenbank nun aber “immerhin” ein Ende der Geldflut ab 2023 in Aussicht.

Alleine diese Formulierung sorgte für eine Beschleunigung der Korrektur bei den Edelmetallpreisen. Auch am Morgen danach befinden sich die Gold- und Silberpreise weiter stark unter Beschuss.

Offensichtlich scheint der Markt die Aussage von Jerome Powell überhört zu haben, wonach

„es sich herausstellen könnte, dass die Inflation höher ist und länger anhält, als bislang erwartet“.

Zuletzt hatte ja das geflügelte Wort „transitory“, also temporär bzw. vorübergehend, die Runde gemacht, wann immer es um die stark anziehenden Inflationsdaten ging. Auch gestern spielte der Präsident der Federal Reserve die Inflationsgefahren herunter.

Trotzdem hob man die Inflationsprognose zum Ende des Jahres auf 3,4% deutlich an.

Wer hier noch selbstständig denkt und rechnet merkt schnell, dass die US-Notenbank nun einerseits deutlich höhere Inflation erwartet und gleichzeitig eine erste Zinserhöhung erst in 2023 plant. Das ist eigentlich die perfekte Mischung für stark steigende Edelmetallpreise, denn eine Inflationsbekämpfung seitens der Zentralbanker lässt sich aus den getätigten Aussagen definitiv nicht ableiten. Im Gegenteil, weltweit wollen und werden die Notenbanken weiter Inflation erzeugen.

Insofern dürfte der laufende Rücksetzer bei den Gold- und Silberpreise in diesen Tagen eine gute Kaufchance liefern. Während der Goldpreis mit der runden psychologischen Marke von 1.800 US-Dollar bereits direkt eine starke Unterstützungszone erreicht hat, hätte der Silberpreis innerhalb seines Konsolidierungsdreiecks noch etwas mehr Platz nach unten.

Silberpreis-Wochen-Chart in US-$ – Bollinger Bänder ziehen sich weiter zusammen

Vor sechs Wochen hatten wir über einen möglichen Bollinger Band Squeeze am Silbermarkt geschrieben. Dieser ist bis heute noch nicht wirklich eingetreten, sondern spitzt sich wie erwartet weiter zu.

Ein Ausbruch in den kommenden ein bis zwei Monaten erscheint weiterhin sehr realistisch. Das untere Bollinger Band hat sich zwischenzeitlich leicht bis auf 24,64 US-Dollar nach oben bewegt und stellt das absolute „Worst Case Szenario“ auf der Unterseite dar.

Silberpreis-Wochen-Chart in US-$ – Bollinger Bänder ziehen sich weiter zusammen

Auf der Oberseite hinderte zuletzt das obere Bollinger Band um 28,53 US-Dollar die Bullen am Voranschreiten. Eine seitwärts verlaufende Fortsetzung des Kursgeschehens innerhalb der beiden Bänder bleibt auf Sicht der kommenden Wochen das wahrscheinlichste Szenario. Dabei sollten sich die Bänder dann weiter zusammenziehen.

Mit den Kursbewegungen der letzten Wochen lässt sich zudem nun auch recht eindeutig ein Konsolidierungsdreieck konstruieren. Innerhalb dessen wäre der Silberpreis jetzt vermutlich nochmal auf dem Weg in Richtung der unteren Begrenzung. Dies könnte in den kommenden Tagen bzw. Wochen Kurse zwischen ungefähr 25,00 und 26,00 US-Dollar bedeuten.

Hier würde sich nochmals eine sehr gute Kaufchance am Silbermarkt ergeben.

Für den Hoch- bis Spätsommer sollte weiterhin der Ausbruch über die Marke von 30 US-Dollar eingeplant werden.

Tageschart Silber in US-Dollar – Fast überverkauft

Auf dem Tageschart ergibt sich grundsätzlich ebenfalls im Bereich zwischen ca. 25,00 und 26,25 US-Dollar eine sehr gute nächste Kaufgelegenheit.

Angesichts der überverkauften Stochastik muss der Silberpreis allerdings nicht mehr notwendigerweise bis ganz an die untere Begrenzung des Dreiecks zurücksetzen. Eventuell reicht auch schon ein Test der flach verlaufenden 200-Tagelinie (25,75 US-Dollar).

Tageschart Silber in US-Dollar – Fast überverkauft

Ein Anstieg über 28 US-Dollar dürfte hingegen den Ausbruch nach oben in Gang setzen und schnell zu einer neuerlichen Attacke auf das Widerstandscluster um 30,00 US-Dollar führen.

Während sich das Abwärtsrisiko beim Silberpreis mit vielleicht noch ein bis zwei US-Dollar auf der Unterseite recht überschaubar präsentiert, ist das Potenzial auf der Oberseite um ein vielfaches höher.

Denn gelingt im weiteren Jahresverlauf der Ausbruch über die Marke von 30 US-Dollar dürfte ein schneller Kursanstieg bis mindestens 35 US-Dollar folgen. Im größeren Bild würde dieser Ausbruch zudem einen Anstieg bis zum Allzeithoch bei 50 US-Dollar aktivieren.

Silber in Euro: Kauflimit bleibt bei 22,00 Euro

Auch wenn der Silberpreis auf Eurobasis in den letzten Wochen seitwärts lief, konnten sich die Notierungen immer solide oberhalb unseres Kauflimits halten. Aktuell rutscht der Euro-Silberpreis allerdings aus einem kleinen Bollinger Band Squeeze auf dem Tageschart nach unten raus, so dass in den kommenden Tagen durchaus noch tiefere Notierungen zu erwarten sind.

Wir sehen daher gute Chancen, dass unser Kauflimit bei 22,00 Euro kurz vor der starken Sommerphase ausgeführt werden wird.

Autor: Florian Grummes
Technischer Analyst

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"