Stand: 20.07.2020 von Jörg Bernhard
In den vergangenen Jahren hinkte der Silberpreis seinem „großen Bruder Gold“ eindeutig hinterher. Seit drei Monaten befindet sich das in der Industrie und unter Investoren gleichermaßen gefragte Edelmetall nun aber auf der Überholspur.
Silberpreis hat enormes Nachholpotenzial

Gold/Silber-Ratio spricht weiterhin für Silber

Auf Sicht von drei Monaten erzielte der Silberpreis gegenüber Gold eine Outperformance in Höhe von 20 Prozentpunkte. Auf Sechsmonatssicht stellt sich die Lage indes völlig anders dar: Hier entwickelte sich nämlich der Goldpreis um acht Prozentpunkte besser als Silber. Dies kommt besonders gut durch den Absturz des Gold/Silber-Ratio von in der Spitze mehr als 120 auf aktuell 92 zum Ausdruck (siehe Chart).

Zur Erinnerung: Diese Kennzahl zeigt an, wieviel Feinunzen Silber zum Kauf einer Feinunze Gold (jeweils auf Spotpreise bezogen) benötigt werden. Hohe Werte gelten als Indiz, dass hinsichtlich eines Preisvergleichs der beiden Edelmetalle Gold als teuer und Silber als preiswert anzusehen ist.

Im März kletterte das Gold/Silber-Ratio – bedingt durch den Corona-Crash – auf ein Allzeithoch, das sich durch die jüngste Outperformance von Silber mittlerweile deutlich reduziert hat. Von einer Normalisierung kann man aber noch nicht sprechen, schließlich bewegte sich der technische Indikator in den vergangenen zehn Jahren die meiste Zeit sogar unter 80.

Sollte er in diesen Bereich zurückfallen, würde der Silberpreis bei einem aktuellen Goldpreis von 1.800 Dollar bei 22,50 Dollar (aktuell: 19,30 Dollar) notieren. Sollte sich der Goldpreis weiter verteuern, wären noch höhere Silberpreise möglich.

Gold/Silber-Ratio auf Sicht von zehn Jahren

Gold/Silber Ratio 2011-2020 - 10 Jahres Chart

Charttechnisches Nachholpotenzial inklusive

Erhebliches Nachholpotenzial eröffnet sich aber auch beim Blick auf den Chart von Silber, schließlich kostete das Edelmetall im April 2011 fast 50 Dollar.

Übrigens: Damals lag das Gold/Silber-Ratio bei lediglich 32. Vor einem Silberinvestment sollte man sich aber darüber im Klaren sein, dass der Besitz von Silber ein robusteres Nervenkostüm erfordert als der Besitz von Gold.

Diesen Konflikt kann man dadurch entschärfen, dass man Silber weniger stark gewichtet als Gold. Wer neben Immobilien, Aktien, Anleihen, Fonds, und anderen Wertpapieren sowohl Silber als auch Gold als Stabilitätsanker nutzen möchte, könnte zum Beispiel bei der Edelmetallkomponente eines Portfolios folgende Aufteilung vornehmen:

80 Prozent Gold zu 20 Prozent Silber.

Ein Vorteil von Silber besteht auch darin, dass bisher in der Geschichte noch nie ein Handels- oder Besitzverbot gab, im Gegensatz zum Gold. Eine Diversifizierung kann daher auch aus diesem Aspekt sinnvoll sein.

Geldwerter Tipp: Beim Kauf von physischem Silber erhalten Anleger nicht für besonders schwere Münzen oder Barren am meisten Silber für ihr Geld, sondern für 1 oz Münzen wie zum Beispiel „Maple Leaf, Känguru, Krügerrand oder Wiener Philharmoniker. Deshalb sind diese unter Anlegern besonders stark gefragt. Siehe Aufgeldtabelle und „Top 5 beliebteste Silbermünzen Deutschlands“.

Ausblick für die laufende Woche

An den Goldmärkten dürften die Akteure auf der einen Seite die „Konjunkturfront“ und auf der anderen Seite die „Corona-Front“ genau im Auge behalten. Zuletzt haben die robusten Konjunktursignale eine verstärkte Flucht in den sicheren Hafen Gold verhindert.

Ein hohes Maß an relativer Stärke kann man dem gelben Edelmetall dennoch attestieren, schließlich fehlt nicht mehr viel zum Markieren eines neuen Neunjahreshochs. Selbst starke Aktienmärkte, die beim Technologieindex Nasdaq im Juli sogar zu einem neuen Rekordhoch geführt haben, haben das Interesse an Gold nicht abflauen lassen.

Derzeit profitiert die Krisenwährung unter anderem von der Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen und Renditen. Außerdem droht durch die explodierenden Geldmengen und Staatsschulden eine steigende Inflation – oder treffender ausgedrückt: Geldentwertung.

Noch wird diese durch die stark gesunkenen Ölpreise in Zaum gehalten. Doch wer profitiert von billigem Benzin oder Kerosin heutzutage eigentlich? Verbraucher, die sich den Urlaub „verkneifen“ oder sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen wahrscheinlich kaum.

Sollte künftig die Inflation stärker ansteigen als erwartet und möglicherweise auch den Wunschwert von EZB und Fed in Höhe von zwei Prozent übertreffen, dürften sich Anleger vor allem an die Vorzüge von Gold und Silber erinnern.

Beide gelten nämlich seit vielen Generationen als Vermögenschutz, Krisenschutz und last but not least als Inflationsschutz.
Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von sasa | 28.07.2020, 00:18 Antworten

Silber wird bis zum ende des Jahres 28- 30€ nächstes Jahr ca 40-50€

von Jakob | 21.07.2020, 07:42 Antworten

Man kann Silber nur wünschen dass es seine jahrelangen Verluste gegenüber Gold endlich wieder aufholt. In diesem Sinne ..... schauen wir mal

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"