Stand: 26.05.2020 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

In diesem Jahr vollzog der Silberpreis eine regelrechte Achterbahnfahrt. Nach einem Kurseinbruch um in der Spitze 35 Prozent hat sich das Edelmetall seit Mitte März wieder um über 45 Prozent verteuert.

Anhaltende Achterbahnfahrt bei Silber

Unmittelbar nach dem Ausbruch der Corona-Krise in Europa und Amerika war das Edelmetall Silber eindeutig „out“. Da rund die Hälfte der Silbernachfrage in diversen Industriebranchen generiert wird, löste das Herunterfahren wichtiger Volkswirtschaften eine regelrechte Verkaufslawine aus. 

Das Argument, dass Silber seit Jahrtausenden auch als alternative Krisenwährung gefragt war, wollte an den Silbermärkten niemand hören. Mittlerweile scheint sich diese Verkaufspanik ins Gegenteil verkehrt zu haben. Ein Blick auf das Gold/Silber-Ratio spricht Bände.

Wichtig zu wissen: Diese Kennzahl zeigt an, wie viele Feinunzen Silber zum Kauf einer Feinunze Gold benötigt werden. 

Weil sich zum Höhepunkt der Corona-Krise verunsicherte Investoren in erster Linie auf Gold gestürzt und dessen „kleinen Bruder Silber“ gemieden hatten, schnellte das Gold/Silber-Ratio damals auf ein Rekordhoch von 125 Euro nach oben. Der in den vergangenen Wochen zu beobachtende Favoritenwechsel hat den Indikator nun wieder in Richtung 100 zurückfallen lassen.

Silber galt im Vergleich zu Gold schon immer als wilder, was in der finanzmathematischen Kennzahl Volatilität (Kursschwankungsintensität) zum Ausdruck kommt. Eine relativ hohe Volatilität hat für den Anleger stets zwei Konsequenzen zur Folge. 

  • Erstens: Je höher die Volatilität, desto riskanter gilt ein Investment. 

  • Zweitens: Eine hohe Volatilität muss per se aber nicht schlecht sein, schließlich ergeben sich daraus auch erhöhte Renditechancen. 

Grundsätzlich liefert diese Kennzahl nämlich keinerlei Hinweise auf die Richtung der Preise.

Silber: Als Beimischung bestens geeignet

Wer auf der Suche nach Vermögensschutz ist, legt meist viel Wert auf eine negative Korrelation zu den Aktienmärkten und eine möglichst geringe Kursschwankungsintensität (Volatilität), schließlich wirken bei starkem ausgeprägtem Schutzbedürfnis extrem starke Kursschwankungen eher kontraproduktiv. 

Unter anderem wegen seiner niedrigen Volatilität genießt Gold als „sicherer Hafen“ einen besonders guten Ruf. Aktuell weisen zum Beispiel die vom Terminbörsenbetreiber CBOE berechneten Volatilitätsindizes für ein Goldinvestment einen Wert von 19,0 Prozent auf, während bei einem Silberinvestment (37,4 Prozent) oder einem S&P-500-Investment (28,2 Prozent) erheblich höhere Risiken existieren (siehe Tabelle). 

Volatilitäten von Gold und Silber im Vergleich

30-Tage-Vola 250-Tage-Vola CBOE-Volatilitätsindex
Gold

17,20 % 16,20 % 19,00 %
Silber

29,00 % 29,90 % 37,40 %
S&P-500

24,50 % 32,70 % 28,20 %
Stand: 22.05.2020

Das heißt aber nicht, dass verunsicherte Investoren auf die Schutzwirkung von Silber generell verzichten sollten, schließlich verfügt es angesichts des bisherigen Rekordhochs von 50 Dollar auf lange Sicht über enormes Nachholpotenzial. 

Um sowohl Gold als auch Silber als „sicheren Hafen“ zu nutzen, bietet sich beim Edelmetallvermögen zum Beispiel eine Quote von 80 Prozent Gold zu 20 Prozent Silber an. 

Diese würde nämlich das Entstehen eines „silbernen Klumpenrisikos“ verhindern und die mit Silber verbundene Wertsteigerungschance erhalten, schließlich steht eine hohe Volatilität nicht nur für ein erhöhtes Risiko, sondern auch für eine attraktive Renditechance.

Ausblick für die laufende Woche

Wieder einmal dürften sich die Investoren in den kommenden Handelstagen für wichtige Konjunkturindikatoren großer Volkswirtschaften stark interessieren. Ihr Hauptaugenmerk werden sie wohl auf Daten aus Japan, Europa und den USA richten. 

Jenseits des Atlantiks verspricht vor allem der Donnerstag extrem spannend zu werden, wenn die Marktakteure über die Entwicklung der US-Wirtschaft (Q1), den Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter (April) sowie die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe informiert werden.

Letztere zeigen den Ernst der Lage besonders dramatisch auf, schließlich haben seit Mitte März fast 39 Millionen US-Amerikaner ihren Job verloren. Auch die Prognosen der Fed-Notenbanker kann man getrost als „desaströs“ bezeichnen, schließlich halten diese für das laufende Jahr einen Einbruch der US-Konjunktur um 30 Prozent und bis Ende des Jahres einen Anstieg der Arbeitslosenrate auf bis zu 25 Prozent für möglich.

Entscheidend wird vor allem eine Frage sein: Bekommt die Welt die Pandemie unter Kontrolle? 

Das Warten auf diesbezügliche Antworten dürfte wohl noch einige Monate anhalten.  Angesichts explodierender Staatsschulden stellt sich dabei stets die Frage nach der nachhaltigen Wertbeständigkeit ungedeckter Währungen.

Verunsicherte Investoren dürften bei ihrer Suche nach alternativen Währungen verstärkt auf moderne Kryptowährungen und/oder traditionelle Sachwerte wie Immobilien oder die beiden Edelmetalle Gold und Silber setzen.

Je verunsicherter ein Anleger ist, desto großzügiger sollte ihr Anteil innerhalb eines Portfolios ausfallen.
Silberpreis glänzt mit starkem Comeback
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Freddy | 02.06.2020, 12:14 Antworten

Warum Schnur Silber zumzellen, wenn Gold allein im letzten Jahr um 50% besser gelaufen ist (Aufpreis Mehrwertsteuer + schlechtere Performance)?

Copyright © 2009-2020 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"