Stand: 09.03.2020 von Hannes Zipfel
Während der Goldpreis in Euro längst neue Höchststände erklommen hat, dümpelt der Silberpreis auf niedrigem Niveau vor sich hin. Doch welche Impulse benötigt der kleine Bruder des Goldes, um endlich ebenfalls preislich durchzustarten.
Silberpreis hinkt Goldpreis noch hinterher

Der Silberpreis ist ein Spätzünder

Da Silber eine andere Angebots- und Nachfragestruktur als Gold aufweist, verhalten sich die Preise der beiden Edelmetalle unterschiedlich. Grundsätzlich reagieren zwar beide Metalle positiv auf ein niedriges Zinsumfeld und eine steigende Geldmenge, aber Silber ist gut zur Hälfte ein Industriemetall, während Gold nur zu ca. 8 Prozent industriell verarbeitet wird. 

Der Silberpreis ist ein Spätzünder

In Zeiten erhöhter Risiken, wie aktuell, greifen die Menschen instinktiv zunächst zu Gold. Diese Entwicklung konnte man bereits während der Finanzkrise beobachten. Und auch jetzt kann der Goldpreis als sicherer Hafen und Krisenwährung reüssieren, während Silber stark zurückbleibt. Doch das könnte sich in Kürze erneut ändern, so wie bereits im Jahr 2009.

Welche Impulse der Silberpreis benötigt

Silber braucht für einen dynamischen Preisanstieg eine andere Impulslage als Gold, für das bereits eine steigende Risikoaversion der Marktteilnehmer (Flucht in sichere Häfen), gepaart mit niedrigen Zinsen ausreicht, um zu haussieren.

Silber benötigt hingegen entweder eine sehr robuste Industrienachfrage oder eine stark ansteigende Investmentnachfrage. Nur so kann der Silbermarkt in ein Angebotsdefizit gelangen und aufgrund seiner Marktenge den Goldpreis durch dynamische Preisanstiege outperformen. 

Einem jährlichen Goldangebot in Höhe von 192,6 Mrd. US-Dollar im Jahr 2019 stand ein Silberangebot im Gegenwert von nur 16 Mrd. US-Dollar gegenüber. Damit ist das Goldangebot zwölf Mal größer als das Silberangebot.

Sobald also durch Verbrauch oder Hortung nur geringfügig mehr Silber absorbiert wird, explodieren die Preise.

Um diesen Effekt zu erzielen, wird im Gegensatz zu Gold nur relativ wenig Kapital benötigt, dass zum Beispiel in physisch gedeckte Silber-ETF fließt. 

Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung von Apple beträgt aktuell 1.265 Mrd. US-Dollar und die von Tesla 130 Mrd. US-Dollar. Damit wird klar, wie wenig Geld in den Silbermarkt investiert werden muss, um den Angebotsüberschuss bei Silber zu egalisieren. Dieser Überschuss betrug im Jahr 2018 nur 80 Mio. Unzen im Gegenwert von lediglich 1,26 Mrd. US-Dollar. 

Sobald die Investoren erneut mindestens diese überschaubare Summe in Silber investieren, wendet sich das Blatt zugunsten des Silberpreises.

In der Historie konnte man diese Entwicklung bereits mehrfach beobachten: 

  • Zwischen den Jahren 1970 und 1980 stieg der Goldpreis in US-Dollar vom Tief bis zum Hoch um 2.328 Prozent an. Der Silberpreis stieg im gleichen Zeitraum vom Tief zum Hoch um 3.105 Prozent an. 

Noch dynamischer entwickelte sich der Silberpreis im Zuge der Finanzkrise im Vergleich zu Gold: 

  • Von 2008 bis 2011 stieg der Goldpreis in US-Dollar vom Tief bis zum Hoch um 166 Prozent an, der Silberpreis hingegen um satte 448 Prozent.

Es lohnt sich also, etwas Geduld mitzubringen, zumal die Welt aktuell erneut vor einer Wirtschafts- und Finanzkrise steht.

Das bedeutet zwar zunächst für den Silberpreis eine signifikant rückläufige Industrienachfrage, wie bereits im Jahr 2008 ff. Doch wie damals werden die Zentralbanken neben radikalen Zinssenkungen auch wieder und vermutlich noch viel stärker zum Mittel der Geldmengeninflation greifen (QE-Programme). 

Und das ist genau das Umfeld, in dem Investoren das mittlerweile gegenüber Gold fast einhundert Mal günstigere weiße Edelmetall präferieren. Silber braucht Geldmengeninflation, um für Investoren interessant zusein. 

Die starke Outperformance beim Silberpreis in den Jahren 2008 bis 2011 war jedenfalls ausschließlich auf die Investorennachfrage in Folge der Gelddruckprogramme der großen Zentralbanken zurückzuführen, die den Silbermarkt sehr schnell in ein Angebotsdefizit führten. 

Wie schnell ein solches preistreibendes Angebotsdefizit erreicht werden kann, verdeutlichen folgende Zahlen: 

  • Das Gesamtangebot an Silber erreichte im Jahr 2018 ca. 1 Mrd. Unzen im Gegenwert von 15,7 Mrd. US-Dollar. 

  • Die Gesamtnachfrage betrug 920 Millionen Unzen – bleibt ein Angebotsüberschuss von 80 Millionen Unzen im Gegenwert von damals 1,26 Mrd. US-Dollar.

  • Im Jahr 2019 stagnierte die Angebotsmenge nahezu und wird auch in diesem Jahr nur leicht ansteigen. 

Die ETF-Nachfrage ist entscheidend für den Silberpreis

Wenn, wie zuletzt beim Gold bereits geschehen, die Nettonachfrage von Investoren auch beim Silber wieder positiv wird, dann ist schnell ein Angebotsdefizit mit in der Folge stark steigenden Knappheitspreisen erreicht.

Im Jahr 2018 haben die physisch gedeckten Silber ETF noch netto 20,3 Millionen Unzen verkauft. Die Gold-ETF weisen aktuell bereits einen neuen Rekordstand mit insgesamt 3.033 Tonnen auf. Auch die Silber ETF sind im Jahr 2019 wieder zu Nettokäufern geworden. Dieser Trend dürfte sich in diesem Jahr nochmals deutlich verstärken.

Noch halten sich die Zentralbanken mit vergleichbaren Gelddruckvolumina wie während der Finanzkrise zurück, doch in Anbetracht der enormen ökonomischen Schäden, die das Coronavirus in der ohnehin überschuldeten Weltwirtschaft und dem angeschlagenen Finanzsystem anrichtet, ist es nur eine Frage sehr kurzer Zeit, bevor die Geldpolitik in einen nie da gewesenen Expansionsmodus in Bezug auf die globale Geldmenge schaltet.

Spätestens dann werden die physisch gedeckten ETF mit Geld geflutet und den ohnehin sehr engen Silbermarkt förmlich leer saugen. In der Folge wird der Silberpreis erneut und massiv den Preis seines großen gelben Bruders deutlich outperformen.

Wie nah sich die Welt zeitlich an einer erneuten Flutung mit aus dünner Luft digital erzeugten US-Dollars befindet, zeigen Äußerungen des einflussreichen US-Fed Gouverneurs und Chef der Zentralbank Niederlassung in Boston Eric Rosengren vom vergangenen Freitag: 

Laut Rosengren benötigt die Geldpolitik zur Bekämpfung der Folgen des Coronavirus ein weitaus umfangreicheres Mandat.

Sobald die Fed gezwungen ist, die Zinsen effektiv auf null zu senken, müssten ergänzend zur qualitativen Geldpolitik auch quantitative Maßnahmen folgen. Rosengren antizipiert damit bereits das Erreichen des Null Zinses im Dollarraum und bringt erweiterte QE-Programme ins Spiel. Wörtlich sagte er:

 “Im Falle eines Konjunkturabschwungs im Zuge der Coronavirus-Krise benötigt die Federal Reserve (Fed) ein umfangreiches Mandat zum Kauf von Wertpapieren und Vermögensanlagen“.

Fazit und Ausblick

In Anbetracht der kurz bevorstehenden deutlich expansiven Geldpolitik der bedeutenden Notenbanken inklusive neuerlicher QE-Programme sollte die aktuelle Underperformance des Silberpreises gegenüber Gold nur noch von kurzer Dauer sein.

Reagieren die Investoren wie in vergangenen Zyklen sensibel auf die Ausweitung der US-Dollar-Geldmenge mit dem Kauf von Investmentsilber, so wird sich der aktuelle Überschuss am Silbermarkt sehr schnell in ein Angebotsdefizit wandeln und zu stark steigenden Verfügbarkeitsprämien und damit steigenden Silberpreisen führen.

Wie in vergangenen Zyklen auch sollte der Silberpreis dann nicht nur die Performance-Lücke zum großen Bruder Gold schließen, sondern weit darüber hinauslaufen.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Commander Crash | 09.03.2020, 15:35 Antworten

Haben Sie den Artikel gestern Abend geschrieben? Macht ja nichts. Könnte stimmen. Oder auch nicht. Versetzen wir uns doch mal in das Gehirn eines Geheimdienstlers: Wurde DAS C-Virus von den Chinesen für einen World War C oder ein C-Nation Debut entwickelt / erfunden? Ist das schnelle Errichten von Krankenhäusern im Vorfeld geplant worden? Haben Kriegspsychologen die wirtschaftlichen Verwerfungen vorhergesehen? Meine online Bank offensichtlich nicht.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"