Stand: 12.08.2021 von Florian Grummes
Der Silberpreis lief in den letzten acht Monaten in eine große Dreiecks-Formation hinein. Wir hatten hier für den Hochsommer eigentlich den Ausbruch nach oben anvisiert. Stattdessen rutschten die Silbernotierungen ab Mitte Juli zunächst zäh und langsam aus dem Dreieck nach unten raus.
Silberpreis: Das kam anders als erwartet

Zuletzt hat sich dieser Kursverfall jedoch beschleunigt und es kam zu einem dramatischen Ausverkauf zum Beginn der laufenden Handelswoche. Dabei kollabierte der Silberpreis vorübergehend um -8,5% bis auf 22,10 USD.

Ausgehend von diesem Tiefpunkt gelingt bislang nur eine überschaubare Erholung.

Angesichts der Tatsache, dass an einem Sonntagabend direkt zur asiatischen Handelseröffnung 24.000 Goldkontrakte im Wert von mehr als 4 Mrd. USD einfach auf den Markt geworfen wurden, muss man hier ganz klar von einer Währungsintervention sprechen.

Jeder private Händler würde seine Kunden und seinen Arbeitsplatz verlieren, wenn er einen Handelsauftrag auf diese Art und Weise ausführen würde.

Sicherlich gab es Margin-Positionen, die mit dem Kursrutsch am vergangenen Freitag oder auch schon seit Juni deutlich unter Wasser geraten waren und natürlich hatte sich das charttechnische Bild mit dem Abverkauf in der Vorwoche weiter eingetrübt.

Trotzdem bleibt ein mehr als schaler Beigeschmack. Wieder einmal wurde eine harte Attacke gegen den Goldpreis geritten, welche sich noch heftiger auf den Silbermarkt auswirkte.

Übergeordnet befindet sich der Edelmetall-Sektor damit bereits seit ziemlich genau 12 Monaten in einer großen Korrektur. Die Erholung im April und Mai war rückblickend lediglich eine Gegenbewegung auf die vorangegangenen Kursverluste.

Das Doppeltief beim Goldpreis vom März bei 1.676 USD wurde nun zum dritten Mal getestet. Der Silberpreis hingegen hat sein Tief vom 31.März deutlich unterboten. Der Tiefpunkt vom letzten November bei 21,89 USD wurde jedoch knapp verfehlt.

Insgesamt hat sich das Bild im Edelmetall-Sektor damit nicht gerade aufgehellt.

Im Gegenteil, es sieht zunehmend danach aus, als ob die 12-Monate währende nur mit einer kompletten und möglichst schmerzlichen Kapitulation beendet werden kann. Damit wären Silberkurse bis in den Bereich um oder sogar leicht unter 20 USD denkbar. Gleichzeitig sollte eine komplette Kapitulation dann aber auch zum Beginn einer neuen, nachhaltigen und übergeordneten Aufwärtsbewegung führen.

Silberpreis Chart in US-Dollar – Rückfall einplanen

Die Dreiecks-Formation am Silbermarkt wurde bereits Mitte Juli nach unten aufgelöst. Trotzdem konnten sich die Kurse zunächst noch für fast drei Wochen in der Nähe der 200-Tagelinie (25,89 USD) halten.

Erst seit einer Woche ist die Ausgangslage eindeutig.

Die monatelange Konsolidierung, welche Anfang Februar begonnen hatte, wurde mit Schwung nach unten aufgelöst. Und trotzdem ist im ganz großen Bild eigentlich gar nichts passiert, denn der Silberpreis läuft weiterhin zwischen 20 und 30 US-Dollar seitwärts.

Allerdings hat sich das technische Bild weiter eingetrübt und wir müssen über kurz oder lang einen Rückfall bis in den Bereich von ca. 18,50 bis 21,00 US-Dollar einplanen.

Silberpreis Chart in US-Dollar – Rückfall einplanen

Nimmt man die Höhe des Dreiecks und legt sie an die Ausbruchstelle an, so landet man bei einem Kursziel von ca. 20,50 US-Dollar. Die trendbasierten Fibonacci-Extensionen lägen bei 20,89 US-Dollar und 18,46 US-Dollar.

Allerdings sieht es nicht so aus, als ob die Silberbären die Kurse direkt in diese Regionen drücken werden können. Vielmehr deutet das neue Stochastik-Kaufsignal auf eine Erholung bzw. Gegenbewegung hin. Diese könnte den Silberpreis in den kommenden Wochen bis in den Bereich 24,50 bis 25,00 USD zurückführen, bevor sich die Abwärtsbewegung fortsetzt.

Zusammengefasst hat der Edelmetall-Sektor einen weiteren bitteren Rückschlag hinnehmen müssen. Das technische Bild hat sich dadurch kurz- bzw. vor allem mittelfristig weiter eingetrübt.

Gleichzeitig ist im ganz großen Bild eigentlich gar nicht so viel Porzellan zerschlagen worden, denn die übergeordneten Aufwärtstrends sind sowohl beim Gold als auch beim Silber intakt.

Solange man nicht mit Hebel und Fremdkapital unterwegs ist, sondern sein Gold und Silber physisch hält, kann man diese Kurskapriolen und Manipulationen problemlos aussitzen. Schließlich werden vor den allergrößten Anstiegen bei den Edelmetallen regelmäßig alle schwachen Hände rechtzeitig abgeschüttelt.

Auf Sicht der kommenden Wochen könnte sich also doch noch eine Sommerrally einstellen, die dann jedoch nur das Prädikat „Gegenbewegung bzw. Erholungswelle“ verdient. Im mittelfristigen Bild scheint die Korrektur noch immer nicht ausgestanden.

Silberpreis in Euro: Neues Kauflimit bei 19,00 Euro

Das vor vier Wochen genannte Kauflimit bei 22 Euro wurde am 15.Juli aktiviert. Mittlerweile ist der Silberpreis auch in Euro mehr als nur eine Etage in die Tiefe gerauscht. Für alle langfristig und antizyklisch handelnden Investoren ergeben sich damit neue Kaufchancen.

Schon auf dem aktuellen Niveau kauft man so günstig wie zuletzt im Dezember 2020. Wer bereits gut investiert ist, kann mit tiefen Limits unterhalb von 19 Euro und unterhalb von 18,50 Euro versuchen die Tiefs in den nächsten Monaten abzufischen.

Autor: Florian Grummes
Technischer Analyst

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"