Stand: 21.10.2016 von Florian Grummes 0 Kommentare

Mehr als drei Monate lang konnte sich der Silberpreis auf hohem Niveau halten und lief dabei unter Schwankungen letztlich seitwärts. Anstatt aber im Anschluss nach oben auszubrechen und damit den seit Jahresbeginn intakten Aufwärtstrend fortzusetzen, kam es in der ersten Oktoberwoche zu einem deutliche Kursrutsch nach unten. Dabei wurde nicht nur die wichtige Unterstützungszone um 18,50 US-Dollar eindeutig unterschritten, sondern auch erstmals seit sechs Monaten wieder die 200-Tagelinie erreicht.

Hier können sich die Notierungen in den letzten Handelstagen zwar etwas stabilisieren, eine klare Erholung bzw. Gegenbewegung ist bisher aber noch nicht zu erkennen. Dennoch sieht es trotz vieler Unsicherheiten bis jetzt lediglich nach einem gesunden Rücksetzer innerhalb der übergeordneten Aufwärtsbewegung aus.

Silber in US Dollar – Aufwärtstrend und 200-Tageline halten bis jetzt

Der Silberpreis erreichte am 4.Juli mit 21,12 US-Dollar ein markantes Hoch, welches bis dato Bestand hat. Die bullischen Marktakteure versuchten den Sommer über zwar mehrmals einen erneuten Angriff auf dieses Zweijahreshoch, scheiterten aber im August bei 20,75 US-Dollar und im September bereits an der Marke von 20,00 US-Dollar. Konsequenterweise übernahmen die Bären daraufhin das Ruder und konnten die Notierungen am 4.Oktober in einem crashartigen Abverkauf unter die Unterstützung bei 18,50 US-Dollar drücken.

Silber in US-Dollar Tageschart

Durch die dreimonatige Seitwärtskonsolidierung hatte sich viel Energie aufgestaut und jede Menge Stops unterhalb von 18,50 US-Dollar angesammelt, so dass erst bei 17,11 US-Dollar das vorläufige Tief gefunden wurde. Genau hier verläuft mittlerweile die langsam steigende 200-Tagelinie (17,19 US-Dollar). Bislang hat diese enorm wichtige Unterstützung gehalten und zumindest ansatzweise zu einer Gegenbewegung geführt. Gleichzeitig liegt auf dem arithmetischen Tageschart in dieser Region auch die seit Anfang Januar intakte Aufwärtstrendlinie. Idealerweise hält diese Trendlinie jetzt und leitet eine Erholung ein. Bislang konnte sich der Silberpreis aber nicht deutlich wieder nach oben absetzen. Je länger die Notierungen hier jedoch festhängen, umso brüchiger wird die Trendlinie. Sollte dem Silberpreis also vom aktuellen Niveau aus nicht bald eine Erholung in Richtung 18,50 US-Dollar gelingen, müsste mit einem weiteren Kursverfall bis an die altbekannte nächsttiefere Unterstützungszone um 16,25 - 15,75 US-Dollar gerechnet.

Silber Sentiment 2016

Auf der Suche nach dem Grund für den doch etwas überraschenden Kursrutsch im gesamten Edelmetallsektor muss die seit Anfang Juli extrem ungünstige Konstellation am Terminmarkt (Commitment of Trades) herhalten. Hier hatten die kommerziellen Händler seit Jahresanfang ihre Leerverkäufe in die steigenden Silberpreise immer weiter ausgebaut. Nun ist es ihnen gelungen, ihre Gegenspieler, die trendfolgenden Spekulanten bzw. Hedgefonds, zur Liquidierung der angehäuften Long-Positionen zu zwingen. Dieses Spielchen konnte man in den letzten 15 Jahren immer wieder beobachten, in diesem Jahr benötigten die kommerziellen Händler allerdings einen etwas längeren Atem. Letzten Endes ist es ihnen aber erneut gelungen, die steigenden Edelmetallpreise über die Papiermärkte zunächst abzubremsen und schließlich nach unten zu drücken. Angesichts der neuesten Zahlen scheint diese Liquidierung zwar vorangeschritten, aber noch nicht abgeschlossen, so dass der Silberpreis auf Sicht der kommenden Wochen und Monate wohl erst noch tiefere Niveaus ansteuern muss.

Silber Terminmarkt 2016

Auch das Sentiment, also die Stimmung unter den Anlegern, war rückblickend Anfang Juli eindeutig zu optimistisch. Auch hier hat bereits eine gesunde Bereinigung stattgefunden. Ein ähnlich günstiges Umfeld wie im letzten Dezember liegt aber noch nicht vor.

Sowohl Sentiment als auch Terminmarkt sind also noch nicht reif für eine neue nachhaltige Aufwärtsbewegung am Silbermarkt. Eine vorübergehende Erholung ist aufgrund der überverkauften Lage aber jederzeit möglich. Sollte es in den kommenden Wochen oder Monaten tatsächlich zum Kursrutsch bis auf ca. 16,00 US-Dollar kommen, steht im Anschluss einer neuen Aufwärtswelle am Silbermarkt nichts mehr im Wege. Für physische Anleger eröffnet aber bereits das aktuelle Kursniveau eine gute Einstiegsgelegenheit.

Übergeordnet befindet sich der Silberpreis höchstwahrscheinlich weiterhin auf dem Weg in Richtung der entscheidenden Widerstandszone um 26,00 US-Dollar. Erst mit einem Monatsschlusskurs oberhalb von 26,00 US-Dollar wäre das Allzeithoch bei 50,00 US-Dollar als nächstes Kursziel aktiviert. Gleichzeitig stellen erst Silberkurse unterhalb von 15,75 US-Dollar den 10-monatigen Aufwärtstrend in Frage.

Wochenchart Silber in Euro

Auch in Euro gerechnet geriet der Silberpreis in der ersten Handelswoche im Oktober deutlich unter Druck, so dass die Unterstützungszone um 16,25 – 16,50 Euro klar unterschritten wurde. Erst bei 15,33 Euro kamen wieder mehr Käufer als Verkäufer in den Markt und sorgten zumindest für eine Stabilisierung. Da der Bereich 15,30 bis 15,60 Euro  in den vergangenen Jahren mehrmals als sehr harter Widerstand fungierte, dürfte sich diese Zone aktuell nun als Unterstützung entpuppen. Die Bären sollten sich daher trotz ihrer jüngsten Erfolge nicht zu früh freuen. Im besten Fall gelingt ihnen noch der vorübergehende  Vorstoß bis an das untere steigende Bollinger Band (14,78 Euro). Spätesten hier werden aber neue Käufer in den Markt kommen, welche auf das Ende der dreieinhalbmonatigen Korrektur  spekulieren werden.

Silber in Euro Wochenchartanalyse

Insgesamt ist die Entwicklung seit Anfang Juli nicht ideal, aber letztlich doch gesund und völlig normal für einen neuen Aufwärtstrend. Insofern bleibt vorläufig ein Anstieg bis an die entscheidende Widerstandszone um ca. 21,00 Euro das wahrscheinlichste Szenario bis zum Frühjahr 2017.

Tageschart Silber in Euro

Auf dem Tageschart notiert der Silberpreis erstmals seit Anfang April wieder in der Nähe seiner zügig steigenden 200-Tagelinie (15,39 Euro). Gleichzeitig hat er die mittlerweile fallende 50-Tageline (16,92 Euro) klar unterschritten. Die Erholung der letzten Tage ist noch nicht überzeugend, aber die Unterstützungszone um 15,50 Euro hat bislang gehalten. Der Blick auf die Indikatoren zeigt eine klar überverkaufte Lage, ohne dass es schon zu einem Kaufsignal gekommen wäre. Sollte die 200-Tagelinie untypischerweise doch nicht halten, müsste der Abverkauf spätestens im Bereich der im seit Dezember 2015 gestarteten Aufwärtstrendlinie (14,20 – 14,50 Euro) enden.

Silber in Euro Tageschartanalyse

Aufgrund der überverkauften Lage stehen die Chancen aber kurzfristig zumindest für eine Zwischenerholung ganz gut. Allerdings hätten die Bullen den Tageschart erst bei Kursen oberhalb von 17,50 Euro wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Alles andere bleibt vorläufig korrektiv und steigert die Gefahr eines tieferen Rücksetzers.

Neues Nachkauflimit  unterhalb von 15,50 Euro

Erneut wurde das Nachkauflimit unterhalb von 16,50 Euro ausgeführt. Durch den Kursrutsch notiert der Silberpreis aktuell aber doch etwas tiefer, so dass sich bereits das aktuelle Niveau zu Käufen empfiehlt. Im Idealfall ergibt sich in den kommenden Wochen ein noch deutlicherer Rücksetzer, welchen Sie am besten mit zwei tiefen Limits bei 15,50 EUR und 14,50 EUR abfischen. Da sich der Silberpreis in Euro bis jetzt stabil über der 200-Tagelinie bewegt, muss es nicht notwendigerweise zu einem derart tiefen Rücksetzer kommen.

Langfristig betrachtet bleibt Silber deutlich unterbewertet und verfügt auf Sicht der nächsten drei bis fünf Jahre über ein enormes Anstiegspotential.


Silberpreis: noch Korrektur - Chance auf Erholung
Florian Grummes - Florian Grummes ist unabhängiger Finanzanalyst und Berater sowie internationaler Referent mit über 20 Jahren Erfahrung auf den Finanzmärkten. Dabei hat sich Herr Grummes auf die Edelmetalle, Kryptowährungen und die technische Analyse spezialisiert. Mit der Kombination aus technischer, fundamentaler sowie Sentiment Analyse gelingt ihm häufig eine akkurate Konklusion und Prognose zum Goldmarkt.
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