Stand: 09.04.2020 von Florian Grummes
Während der Goldpreis seit dem großen Tiefpunkt im Dezember 2015 ausgehend von 1.045 US-Dollar in den letzten vier Jahren zwischenzeitlich um über 650 US-Dollar bzw. fast 63% zulegen konnte, gerät hingegen der Kassensturz beim „kleinen Bruder“ Silber derzeit auf dem Papier eher zum Alptraum. 
Silberpreis – Starke Diskrepanz zwischen Papier-Silber und physischem Markt

Mit Ausverkaufskursen um 11,61 US-Dollar unterbot der Silberpreis am 18.März im Zuge der crashenden Rohstoffmärkte seinen Tiefpunkt vom Dezember 2015 (14,15 US-Dollar) mehr als deutlich.

Damit ist die gesamte Rally der letzten Monate zur Farce geraten. 

Allerdings muss man dem Silber mildernde Umstände zugute halten, denn die Aufschläge auf physische Münzen und Barren sind in den letzten Wochen explodiert. Der starke Preiseinbruch hat also „nur“ an den Börsen und Terminmärkten stattgefunden.

Investoren hingegen müssen derzeit deutlich mehr für physische Silberinvestments auf den Tisch legen als noch vor der Corona Krise. Für die günstigste überhaupt noch verfügbare 1 oz Silbermünze werden aktuell knapp 65% Aufpreis (Stand 08.04.2020) auf den reinen Spotpreis fällig. 

Daran hat in Deutschland natürlich die MwSt. in Höhe von 19% bereits einen großen Anteil. 

Dennoch waren derart hohe Aufschläge in der Vergangenheit eigentlich noch nie zu beobachten. 

Silberpreis in US Dollar – Seitwärts zwischen 14,50 und 16 US-Dollar

In der Silberanalyse vom 11.März 2020 wurde ein deutlicher Rückfall des Silberpreises bis ca. 16 US-Dollar erwartet. Tatsächlich kam es jedoch innerhalb von gerade einmal einer Handelswoche zu einer kompletten Kapitulation am Papier-Silbermarkt. 

Getrieben von Margin-Calls und Liquiditätsengpässen rutschen die Silbernotierungen bis auf 11,61 US-Dollar in den Keller und durchbrachen damit auch alle Unterstützungen der letzten 11 Jahre!

Silberpreis in US Dollar – Seitwärts zwischen 14,50 und 16 US-Dollar

Ausgehend von 11,61 US-Dollar läuft nun seit 18 Handelstagen eine Erholungswelle. Diese konnte mit 15,41 US-Dollar in der Spitze bereits in den alten Aufwärtstrendkanal (in grau) zurückkehren.

Der Stochastik-Oszillator bestätigt das bullische Kursgeschehen. Aktuell fehlt dem Oszillator nur noch ein weiterer starker Handelstag, um den Aufwärtstrend der letzten Wochen festzuzurren. Insofern stehen die Chancen für einen Anstieg bis zur fallenden 50-Tagelinie (16,08 US-Dollar) auf Sicht der nächsten Tage recht gut.

Allerdings fällt das obere Bollinger Band (15,83 US-Dollar) an jedem Handelstag derzeit noch weiter nach unten und schränkt damit den zur Verfügung stehenden Raum für weitere Anstieg zunehmend ein. 

Insgesamt ist die Erholung (aktuell 3,50 US-Dollar bzw. 30%) bereits recht weit gelaufen. 

Im etwas größeren Bild sollten es die Bullen früher oder später auch bis zur immer noch flach verlaufenden 200-Tagelinie (16,97 US-Dollar) schaffen. Kurzfristig ist aber eher mit einer Verschnaufpause bzw. einer Seitwärtsphase zwischen 15 und 16 US-Dollar zu rechnen. 

Sollte der Goldpreis im Mai und Juni gemäß seinem saisonalen Zyklus nochmals unter Druck geraten, sind auch wieder schwäche Silberkurse denkbar. Das Tief bei 11,61 US-Dollar dürfte aber nur unterboten werden, wenn es an den Finanzmärkten zu einer ernsthaften deflationären Phase kommen sollte. 

Dank der weltweiten Gelddruckorgien sieht es danach eher nicht aus.

Vielmehr sollte langfristig Inflationsdruck aufkommen, welcher in den kommenden Jahren insbesondere dem im Vergleich zum Gold deutlich zurückgebliebenen Silberpreis Flügel verleihen sollte.

Kapitulation am Terminmarkt

Erfreuliches gibt es vom Terminmarkt zu berichten. Hier hat der Crash beim Silberpreis für eine Kapitulation bzw. eine Bereinigung der spekulativen Long-Positionen gesorgt. 

Kapitulation am Terminmarkt

Dem aktuellen CoT-Bericht zufolge ist dadurch die kumulierte Shortposition der professionellen Händler (Marktmacher und Bullion Banks) auf nur 41.300 leerverkaufte Kontrakte geschrumpft.

Im langfristigen Vergleich liegt damit zwar noch kein antizyklisches Kaufsignal vor, eine Bedrohung geht vom Terminmarkt aber nicht mehr aus. Hier ist der Silbermarkt dem Goldmarkt einen deutlichen Schritt voraus.

Gold/Silber-Ratio am physischen Markt bei ca. 70:1

Während das Gold/Silber-Ratio an den Papier-Märkten aktuell bei 109:1 notiert (Stand 08.04.2020), stellt sich die Lage auf dem physischen Markt ganz anders dar. 

Vergleicht man hier den Preis für einen Krügerrand in Gold mit dem Preis für einen Krügerrand in Silber, so notiert das Gold/Silber-Ratio nur bei ca. 70:1! 

Gold/Silber-Ratio am physischen Markt bei ca. 70:1

Die Diskrepanz zwischen Papier-Silber und den Preisen für physischen Münzen ist damit eklatant. Silber Investoren können also weiterhin beruhigt schlafen. Denn auch wenn der tägliche Blick auf die blickenden Kurse im Internet etwas anderes anzeigt, die Preise für physische Silbermünzen und Silberbarren sind extrem stabil geblieben und in der Corona Krise sogar gestiegen. 

Langfristig dürfte das Gold/Silber-Ratio in Richtung 50:1 und tiefer fallen. 

Warnhinweis: Es treiben sich bereits jede Menge Betrüger herum, die aus der Panik und Not noch Gewinn schlagen wollen. 

Hier aktuelle Fakeshop Warnungen von GOLD.DE

Kauflimit unterhalb von 14,00 Euro weiterhin aktiv

Das Anfang März genannte Kauflimit unterhalb von 14 Euro hat gegriffen und ist weiterhin aktiv. 

Bitte erwarten Sie bei den Edelmetallen grundsätzlich keine fulminanten Kursgewinne, sondern machen Sie sich nochmals klar, dass es sich bei den Edelmetallen um eine Versicherung gegen dramatische Verwerfungen an den Finanzmärkten handelt! 

Gerade wegen dem laufenden Crash an den Aktienmärkten und den dadurch bereits absehbaren Geldmengen-Ausweitungen führt an den Edelmetallen als Stabilisator und ruhendem Anker kein Weg vorbei. 

Wer noch überhaupt kein Gold und Silber besitzt, sollte zumindest fünf Prozent seines Gesamtvermögens so schnell wie möglich in die Edelmetalle tauschen. 

Dabei kommt es jetzt nicht auf den besten Preis an, sondern nur auf die Tatsache, dass man es in den eigenen Händen hält.

Autor: Florian Grummes
Technischer Analyst

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"