Gold: 1.593,63 € +0,08 %
Silber: 20,16 € +0,21 %
Stand: 22.12.2021 von Hannes Zipfel
Es war zwar knapp, aber eine wichtige Unterstützungslinie hat den Silberpreis vor weiteren Rückgängen bewahrt. Für die zukünftige Kursentwicklung baut sich gerade ein Umfeld mit enormer Impulskraft auf.
Silberpreis: Unterstützung hat gehalten – Megaimpuls voraus

Silberpreis an kritischer Marke abgeprallt

Nach dem heftigen Rücksetzer konnte sich der Silberpreis über der charttechnisch sehr wichtigen Unterstützungslinie, resultierend aus den vier Tiefstständen seit September halten. Zuvor war der Preis direkt an der gleitenden 200-Tage-Durchschnittslinie abgeprallt (rote Linie) und hatte anschließend auch den 50-Tage-Durchschnitt nach unten durchbrochen (pinke Linie). Seit 15. Dezember steigen die Notierungen wieder an.

Silberpreis Chart oz in US-Dollar zu Weihnachten

Damit bewegt sich Silber nach wie vor in einer trendbestätigenden Flaggenformation. Durch die jüngsten Kursbewegungen könnte sich innerhalb dieser Formation eine klassische Umkehrformation (W-Formation) herausbilden.

Typischerweise geht einer W-Formationen, wie in diesem Fall geschehen, eine starke und schnelle Abwärtsbewegung voraus. Nach heftigen Kursverlusten hat sich hier die Einstellung der Anleger dem Silber gegenüber gedreht und es kam zu Käufen.

Dadurch wurde der Kursverfall gestoppt und das erste Tief ausgebildet. Ein nachfolgender schneller Anstieg prallte direkt an der 200-Tage-Linie ab und wurde von Gewinnmitnahmen abgelöst. Dadurch ging es schnell wieder gen Süden. Beim zweiten Kursanstieg zeichnet sich nun das W bereits ab.

Bestätigt wird die W-Formation allerdings erst, wenn die Signallinie, die bei ca. 25,32 US$/Unze verläuft, überschritten wurde und es beim Durchbruch zu anziehenden Umsätzen kommt.

Dies wäre dann als klares Signal für weiter steigende Kurse zu werten.

Üblicherweise erfolgt im Anschluss erst noch ein Rücksetzer auf die Signallinie, auch Pullback genannt, bevor die Kurse deutlich gen Norden weiterziehen.

Kurzer Blick auf Terminmarkt und Saisonalität

Da am Terminmarkt an einigen Tagen das Vielfache der Jahresproduktion von Silber gehandelt wird, ist der Einfluss auf die Preisbildung entsprechend bedeutsam. Daher lohnt sich regelmäßig ein Blick auf die Terminmarktdaten.

In diesem Fall auf die Statistiken der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Diese veröffentlicht einmal wöchentlich den sogenannten CoT-Report (Commitments of Traders).

Bei Silber hat sich die Struktur an der für das Edelmetall wichtigsten Terminbörse Comex in New York im Zuge des letzten Abverkaufs deutlich verbessert. Die großen und kleinen Spekulanten haben ihre Wetten auf steigende Kurse weiter reduziert (grüne und blaue Linie in der Kategorie „Net Positions“).

Gleichzeitig bauten die Commercials (u. a. Großbanken und Minengesellschaften) ihre Absicherungspositionen ab (rote Linie). Beides ist im Sinne des Kurspotenzials nach oben positiv zu werten.

Terminmarkt und Saisonalität - Statistiken der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC)

Insgesamt befindet sich das Gesamt-Exposure weiter auf niedrigem Niveau und umfasst aktuell 142.384 Future-Kontrakte. Ende Februar 2020 waren es noch knapp eine Viertel Million Kontrakte.

Auch das ist positiv.

Der CoT-Index befand sich bei der jüngsten Datenveröffentlichung mit 79 Punkten bereits über der grünen „Kaufen“-Linie (Kategorie „COT Index“ im unteren Grafikbereich).

Konstruktive Signale kommen derzeit auch von der Saison-Statistik. Ab jetzt bis Ende Februar entwickelten sich die Preise für Silber in den letzten 5, 10 und 15 Jahren nach oben.

längerfristigen Saison-Statistik für den Silberpreis in US-Dollar

Besonders deutlich wird dies in der längerfristigen Saison-Statistik für den Silberpreis in US-Dollar von 1986-2016 (30 Jahre):

Saison-Statistik für den Silberpreis in US-Dollar von 1986-2016 (30 Jahre)

Megaimpuls durch Energiekrise und entankerte Inflationserwartungen voraus

Ein Grund, warum die Preise für Gold und Silber noch nicht auf die steigenden Inflationsraten adäquat regierten, ist die nach wie vor relativ gut verankerte Inflationserwartung. Dazu tragen auch die Zentralbanken, wie zuletzt die EZB bei, die für das kommende Jahr wieder eine Normalisierung der Teuerungsraten auf ein Niveau von ca. 2 Prozent p. a. prognostiziert.

Dieser massenpsychologische Inflationsanker könnte aber noch in diesem Winter herausgerissen werden. Dies lassen zumindest die explodierenden Preise für Strom und Gas vermuten. Energiepreise spielen für viele nachgelagerte Preise eine große Rolle und sind ein wichtiger Bestandteil des statistischen Warenkorbs, der zur Inflationsmessung herangezogen wird.

Bei den für Europa und speziell für Deutschland relevanten Gaspreisen herrscht bereits Hyperinflation. Der Gas-Future-Kontrakt für eine Megawattstunde (siehe Grafik) hat sich an der niederländischen Handelsplattform für Erdgas (TTF) binnen Jahresfrist um knapp 880 Prozent verteuert. Die Spot-Notierungen an der Leipziger Energiebörse EEX sind in ähnlicher Dimension explodiert.

Explodierende Energiepreise

Die für Deutschland entscheidenden Gaspreise wurden bis vor Kurzem über den „Deutschland Gaspool“ (GPL) und „NetConnect Germany“ (NCG) ermittelt. Diese sind nun zu einem neuen bundesweiten deutschen Gasmarkt namens „Trading Hub Europe“ (THE) zusammengeführt.

Der THE-Gaspreis hat sich allein in den letzten drei Wochen von 91,95 Euro pro MWh auf aktuell 184 Euro pro MWh mehr als verdoppelt.

  • Fast die Hälfte (48,2 Prozent) der insgesamt 40,6 Millionen privaten Haushalte in Deutschland nutzen Erdgas als Energieträger (19,6 Millionen Wohnungen).

  • Auf dem zweiten Platz landet das ebenfalls stark verteuerte Heiz-Öl mit 25,6 Prozent bzw. 10,4 Millionen Wohnungen.

  • Auch der Preis für Flüssiggas (Propangas) hat sich in diesem Jahr bereits mehr als verdoppelt: von durchschn. 32 Euro pro 100 L auf aktuell 75 Euro pro 100 L bei 3.000 Liter Ordervolumen.

Im Jahr 2020 wurden nach wie vor 39 Prozent aller neu errichteten Wohngebäude mit Erdgasheizungen ausgestattet. Zudem nutzen ca. 60 Prozent der Gewerbebetriebe in Deutschland Erdgas als Energie- und Wärmequelle.

Ab 1. Januar 2022 wird die um 20 Prozent steigende CO2-Abgabe auf Erdgas für einen zusätzlichen Teuerungsschub sorgen.

Insgesamt wird die Inflationsdynamik auch im kommenden Jahr, anders als die Notenbanken es prognostizieren, durch vier wesentliche Kostentreiber hoch bleiben:

  1. Energiekosten

  2. Mietkosten

  3. Logistikkosten

  4. Materialknappheit (v. a. Halbleiter)

Allein die explodierenden Energiepreise haben, wie in den 1970er-Jahren das Potenzial, den Edelmetallpreisen deutlichen Auftrieb zu verleihen.

Fazit und Ausblick

Mit der sich abzeichnenden W-Formation hat sich das Chartbild bei Silber nach dem jüngsten Rückschlag wieder aufgehellt.

Auch die Terminmarktdaten und die Saisonalität stehen einem Anstieg des Silberpreises nicht im Wege.

Übergeordnet spielt die Inflationserwartung eine große Rolle für die weitere Entwicklung der Kurse des weißen Edelmetalls. Noch wird die Energiekrise nicht richtig wahrgenommen. Das dürfte sich im Laufe dieses Winters durch Versorgungsengpässe, Stromausfälle, steigende Kosten und eine bereits losgetretene Pleitewelle bei Versorgungsunternehmen (v. a. Kleineren) ändern.

Es ist zu erwarten, dass die Preisexplosion bei Gas und Strom durch Substitutionsmechanismen auch auf andere Energieträger und Treibstoffe überspringt.

Spätestens dann wird die Energiekrise als Impulsgeber für die Inflation und die Edelmetallpreise im höchsten Maße relevant.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Silberfreund | 27.12.2021, 11:56 Antworten

Na,-da bin ich jetzt aber mal gespannt .......

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